Tierschutzorganisation IFAW rettet Tiere vor dem Krieg

Kriege bringen nicht nur unsägliches Leid über die Menschen, auch die Tierwelt bekommt den Terror bewaffneter Konflikte auf dramatische Weise zu spüren. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des IFAW. Deshalb ist die Tierschutzorganisation auch vor Ort an der ukrainisch-polnischen Grenze, um Haustiere, die Geflüchtete aus ihrer Heimat mitgenommen haben, zu versorgen.

Hunde hinter Gittern, © IFAW
Hunde hinter Gittern, © IFAW

Der Krieg in der Ukraine stellt Vanessa Nowacki, 31, vor ihre bisher größte berufliche Herausforderung. Sie ist Fundraiserin beim Deutschlandbüro der weltweit agierenden Tier- und Artenschutzorganisation IFAW (International Fund of Animal Welfare). Aufgrund ihrer Polnisch-Kenntnisse nahm sie am Hilfseinsatz des IFAW an der polnisch-ukrainischen Grenze teil.

Die bisher größte Hilfsaktion fand am Grenzübergang Medyka statt. Hier kommen nach wie vor fast 80 Prozent aller Flüchtlinge an. Viele von ihnen haben ihre Haustiere mit auf die Flucht genommen.

Sie haben es nicht übers Herz gebracht, ihre "Familienmitglieder" einem ungewissen Schicksal zu überlassen. Mit ihrem Team übernahm Vanessa das "Blaue Zelt" vom Tierschutzbund und der Gemeinschaft Deutscher Tierrettungsdienste.

Die weithin sichtbare Anlaufstelle ist mittlerweile zum Symbol für aktiven Tierschutz geworden. Die Hunde, Katzen, Nager oder Vögel der Geflüchteten bekamen hier alles, was sie gerade benötigten.

Neben Wasser, Futter und Tierzubehör erhielten sie auch alles Notwendige für die Weiterreise – darunter eine Transportbox, Leinen und Futternäpfe. Mit Vanessa Nowacki vor Ort war die ukrainische Übersetzerin Catherine, die schnell das Vertrauen ihrer Landsleute gewann.

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Vanessa Nowacki erinnert sich: "Viele Flüchtlinge waren anfangs total übermüdet und traumatisiert. Sie begegneten uns am Anfang mit Skepsis – waren dann aber überglücklich, dass wir uns gemeinsam so engagiert um das Wohl ihrer Lieblinge kümmerten".

Anschließend folgte die Impfung und das "Chippen" – beides für die Weiterreise unerlässlich. Dafür warteten zwei polnischen Tierärztinnen am Bahnhof Przemysl, da ausländische Ärzte keine entsprechende Zertifizierung haben. Bis heute finanziert der IFAW die Arbeit der beiden Tierärztinnen.

Dass der Krieg auch auf die Tiere wirkt, zeigt eine neue Studie des IFAW: Die Zerstörung hinterlässt ihre Spuren vor allem bei Haus- und Hoftieren, die eng mit den Menschen verbunden sind.

Sterben oder fliehen ihre Besitzer, steigt die Streunerpopulation verwaister Haustiere rapide an. Auf sich gestellte Hunde und Katzen sind besonders anfällig für Krankheiten, bei vielen zeigen sich posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS).

Hoftiere wie Kühe oder Schweine verlieren ihr Leben oft auf grausame Weise durch Beschuss ihrer Stallungen oder Landminen. Ihr Verlust hat zudem gravierende Auswirkungen auf die Versorgungslage des Landes.

Dramatisch ist auch die Lage für Wildtiere. Viele verlieren ihre angestammten Lebensräume, gleichzeitig konkurrieren sie mit Menschen um Nahrung, Wasser und Obdach. Da viele Maßnahmen zum Tier-und Umweltschutz in Kriegszeiten eingestellt werden, nehmen Wilderei und Wildtierhandel zu.

Vielen Zootieren droht der Hungertod, nach der Auswilderung durch fliehendes Pflegepersonal können sie sich in freier Wildbahn nicht selbst versorgen.

Vanessa Nowackis Einsatz in Medyka ist mittlerweile vorbei. Nach zwei Monaten wurde das Blaue Zelt wieder abgebaut. Doch ihre Arbeit für ukrainische Haustiere geht mit vollem Einsatz weiter.

Vom Hamburger IFAW-Büro aus sammelt sie mit ihrem Team bundesweit Spendengelder, um geflüchtete Familien mit ihren Tieren vor Ort unterstützen zu können. Der IFAW unterstützt unter anderem das Tierheim ARKA Animal Protection Association in Przemyśl. Hier, etwa 15 Kilometer hinter der ukrainischen Grenze, finden streunende Tiere eine neue Heimat. Vanessa Nowacki: "Es gibt für uns noch sehr viel zu tun. Das Blaue Zelt ist überall."

Quelle: IFAW (International Fund for Animal Welfare)

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