Spielbanken in Hamburg trifft Coronakrise hart

Es gibt kaum einen Wirtschaftszweig, der von den Coronafolgen nicht verschont bleibt. Besonders hart trifft es das Vergnügungsgewerbe im weitesten Sinne. Dazu zählen auch und gerade die Spielbanken, wenngleich sie weit weniger im medialen Fokus stehen als andere Betroffene.

© Karin Schmidt/pixelio.de
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Seitdem die Allgemeinverfügung zur Eindämmung des Coronavirus am 15. März 2020 in Kraft getreten ist, haben auch alle Hamburger Casinos zwangsweise geschlossen. Damit teilen sie das gleiche Schicksal wie die Spielbanken und Spielhallen in ganz Deutschland.

Für die vier staatlich lizensierten Spielbanken der Hansestadt dürfte es trotzdem besonders ärgerlich sein. Erst Ende des Jahres wurde der Spielbank Hamburg Jahr + Achterfeld GmbH & Co. KG erneut die Konzession zum Betrieb erteilt. Überschattet wurde das Verfahren von einem Rechtsstreit, weil die Gauselmann-Gruppe aus Nordrhein-Westfalen sich übergangen fühlte. Doch das Hanseatische Oberlandesgericht entschied, dass das Vergabeverfahren ordnungsgemäß abgelaufen ist.

Casinos in Hamburg haben normalerweise 360 Tage im Jahr geöffnet

Die neue Konzession gilt nun für 15 Jahre. Den Start in diese Epoche dürften sich die Betreiber anders vorgestellt haben. Die Schließung aller vier Standorte führt zu enormen Einnahmenverlusten. Normalerweise haben die Spielbanken an 360 Tagen im Jahr geöffnet und empfangen bis ins Morgengrauen Casino-Gäste. Gerade das Casino Esplanade und das Casino Reeperbahn sind auch bei Touristen sehr beliebt.

Beide Häuser sind die einzigen in Hamburg, die klassisches Casinospiel an Spieltischen anbieten. Das Stammhaus Esplanade am Stephansplatz gilt als das nobelste Casino der Stadt mit verhältnismäßig strenger Kleiderordnung. An knapp 20 Tischen können Roulette, Black Jack, Poker und Co. gespielt werden. Hinzu kommt mit 130 Geräten das größte Automatenangebot der Stadt. Kaum ein Wochenende, an dem hier keine besonderen Veranstaltungen stattfinden.

Das Casino Reeperbahn ist besonders beliebt bei Kiezgängern und Partypeoplen. Sakko und Krawatte können zu Hause gelassen werden, hier bekommt man auch mit Freizeitkleidung zutritt. Die 90 Automaten können bereits ab Mittag bedient werden, am Abend kann an jeweils zwei Tischen auch klassisches Roulette und Black Jack gespielt werden. Die Casinos Mundsburg und Steindamm sind reine Automaten-Casinos.

Die Casinos Bars sind auch bei Nicht-Spielern beliebt

Den Spielbanken fehlen nicht nur die Einnahmen aus dem Glücksspiel. Gerade die beiden zentralen gelegenen Häuser werden auch wegen ihren Casino Bars aufgesucht, in denen sowohl Getränke als auch Speisen serviert werden. Längst nicht jeder Casino-Besucher hantiert mit Jetons. Viele Gäste wissen auch einfach die besondere Atmosphäre zu schätzen und beobachten das Treiben mit einem Drink in der Hand. Veranstaltungen wie Kaffeeklatsch, Burger Monday und Happy Hour sollen gezielt dieses Publikum ansprechen. Aber auch die Gastronomieeinnahmen bleiben in Coronazeiten aus.

Rund 300 Mitarbeiter beschäftigt die Spielbank Hamburg. Jahr + Achterfeld feierte 2018 seinen 40. Geburtstag und rühmt sich damit, dass seit der Gründung 1978 etwa 1,4 Milliarden Euro Steuergeld an die Hansestadt Hamburg geflossen sind. Am 1. Februar 1977 erhielt das Unternehmen seine erste Konzession vom Hamburger Senat und ist seitdem für das staatlich lizenzierte Glücksspiel in Hamburg verantwortlich.

Spielbanken bereiten sich auf Lockerungen der Beschränkungen vor

Wann genau die Hamburger Casinos wieder öffnen dürfen ist unklar. Die Betreibergesellschaft gibt die Schließung mit "bis auf Weiteres" an. Zwar plant die Bundesregierung auf Anraten der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina die schrittweise Normalisierung des öffentlichen Lebens, aber ob Spielbanken, Spielhallen und Wettbüros darunter fallen, wurde noch nicht eindeutig kommuniziert. Fakt ist, das kleine Geschäfte bis 800 Quadratmeter bald wieder öffnen dürfen. Die Quadratmetergrenze wird in den Bundesländern sehr flexibel ausgelegt, so dass größere Läden zum Beispiel auch dann öffnen dürfen, wenn sie ihr Ladenlokal auf 800 Quadratmeter verkleinern.

Tim Hilbert ist Justiziar des Automaten-Verbandes Rheinland-Pfalz und des Automaten-Verbandes Baden-Würtemberg und sagt: "In diesem Schritt wäre es natürlich auch für die Automatenbranche existenziell, nicht nur die Geräte in der Gastronomie wieder in Betrieb nehmen zu können, sondern ebenfalls die Spielhallen wieder öffnen zu dürfen. Aufgrund der räumlichen Maßnahmen, die für Spielhallen zum Beispiel in der Spielverordnung gesetzlich verankert sind, stellen Spielhallen einen öffentlichen Raum dar, der die Maßgaben des Infektionsschutzes sehr gut umsetzen kann."

Automatenspiel könnte als erstes wiedereröffnet werden

Viele Casino-Betreiber bereiten sich bereits auf die Öffnung vor. Der Infektionsschutz soll zum Beispiel durch mehr Abstand sichergestellt werden. Bei Automaten ist das relativ einfach möglich, indem nur jeder zweite oder dritte Automat besetzt wird. An den klassischen Spieltischen wird jedoch schon allein das zur Herausforderung. Abstandsmarkierungen und Laufrichtungen sollen ebenfalls dazu beitragen, dass die Distanz gewahrt wird.

Ein mögliches Szenario ist, dass zunächst einmal das Automatenspiel wieder ermöglicht wird, weil die Vorgaben hier einfacher zu erfüllen sind als beim klassischen Spiel, wo enger Körperkontakt an den Spieltischen beinahe unvermeidlich ist. Die Verbände halten die Betreiber dazu an, die Automaten nach jedem Spielgast zu desinfizieren. Geldwechsler sollen den Kontakt zwischen Gast und Personal auf ein Minimum reduzieren.

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