Siegen, aber nicht um jeden Preis

Fußballer wollen siegen. Dafür sind sie bereit lange zu trainieren, ihre persönlichen Leistungsgrenzen zu überschreiten und auf dem Platz alles zu geben. Mitunter geht es dabei rau zu. Gerade im Mannschaftssport führt die Dynamik zu dem ein oder anderen Foul, das meist gar nicht beabsichtigt war.

Fußball, © iStock.com/pixfly
Fußball, © iStock.com/pixfly

Der Gegner wird angerempelt, gestoßen oder Schlimmeres. Um diese Art der Unsportlichkeit in den Griff zu bekommen, haben sich die Spieler dem Fair Play verschrieben.

Fair Play verlangt nach sozialer Verantwortung

Fair Play geht dabei weit über die Spielregeln hinaus. Der österreichische Autor und Kabarettist Gerhard Bronner (1922 bis 2007) beschrieb Fair Play "als die Kunst, sich in den Haaren zu liegen, ohne sich die Frisur zu zerstören". Es geht um Respekt, Respekt vor dem Gegner, den Mannschaftskameraden, den Fans, gegenüber allen Menschen, Umwelt und Natur.

Auch viele Sportartikelhersteller nehmen den Begriff Fairness ernst und sind sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst. So werden zum Beispiel Nike Fußballschuhe nach den Mindeststandards der Internationalen Arbeitsrechtsorganisation der Vereinten Nationen produziert. Der Weltmarktführer für Sportschuhe und Sportbekleidung bemüht sich zudem um mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der Produktion.

Fairness der anderen Art

Schon in der Antike spielte die Fairness im Sport eine gewisse Rolle. Allerdings war den alten Griechen der Respekt vor dem Verlierer noch gänzlich unbekannt. Er wurde verlacht und verhöhnt und bezahlte nicht selten die Niederlage mit seinem Leben. Und doch mussten die Regeln eingehalten werden. Die Autorität des Schiedsrichters war unantastbar und es gab eine gewisse Chancengleichheit.

Ein Regelverstoß bedeutete den sofortigen Ausschluss vom Wettkampf und wurde drastisch bestraft. Im Mittelalter war es die Ritterlichkeit, die die Regeln für Fairness im Sport vorgaben. Die ritterlichen Tugenden Aufrichtigkeit, Bescheidenheit und Verlässlichkeit spielten nicht nur im Kampf und im Alltag, sondern auch im sportlichen Wettbewerb eine Rolle.

Der Geist des Fair Play spielt immer mit

Doch wirklich wichtig wurde der Begriff Fair Play erst im 19. Jahrhundert. Im sogenannten viktorianischen Zeitalter trieb in England nur der Adel Sport. Er legte Wert auf Chancengleichheit, Einhalten der Regeln und Achtung der Gegner. Die Chancengleichheit endete allerdings an der gesellschaftlichen Schicht. Nur Adligen war der sportliche Wettkampf vorbehalten.

Der bürgerlichen Bevölkerung wurde die Fähigkeit abgesprochen, den Geist des Fair Play zu begreifen. Wem das Siegen wichtiger ist als der Sport selbst, kann nicht fair sein, war die Devise. Damit grenzten sich die "Gentleman-Sportler" auch gleich von den Amateuren ab.

Mit dem Aufkommen des Berufssports bekam das Siegen einen anderen Stellenwert und doch war der Gedanke des Fair Play weiter fester Bestandteil auch im Profifußball. Selbst wenn im Eifer des Spiels gerade im Mannschaftssport mit seiner mitreißenden Dynamik die ein oder andere Regel mitunter übertreten wird, so ist der Geist des Fair Play doch immer präsent, sowohl bei den Spielern als auch auf den Rängen.

Gäbe es ihn nicht, würden sich Mannschaften und Fans wohl häufiger die Köpfe einschlagen. Schließlich geht es im Profifußball um nichts Geringeres als die Existenz. Deshalb lernen schon die Kleinsten im Sportunterricht und in den Fußballvereinen, Verantwortung gegenüber den Mitspielern zu übernehmen, die Regeln konsequent einzuhalten, die Chancengleichheit zu wahren und den Gegner nicht als Feind zu betrachten.

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