Globale Müllproblematik: Wie halten Geräte länger?

Zwei Milliarden Tonnen Müll entstehen laut dem Umweltamt jährlich auf der Welt. Mit Lösungen für die resultierende Müllproblematik beschäftigt man sich in Zeiten der Nachhaltigkeit überall – so auch in Hamburg. Wie lässt sich diese Menge reduzieren?

Elektroschrott, © iStock-917037416
Elektroschrott, © iStock-917037416

Schluss mit Sollbruchstellen: Verhindert längere Gewährleistungspflicht Elektroschrott?

Justizsenator Steffen etwa fordert seit Langem eine längere Lebensdauer für Elektrogeräte. Tatsächlich entstehen allein in der Hansestadt über 10.000 Tonnen Elektroschrott pro Jahr. Steffen ist davon überzeugt, dass Elektrogeräte mit integrierter Sollbruchstelle gebaut werden und Hersteller die Reparatur erschweren. Sie profitieren von den begrenzten Lebenszeiten ihrer Produkte, weil sich Verbraucher dadurch häufiger Neugeräte anschaffen.

Elektrogeräte wie Waschmaschinen und Trockner bestehen aus mehreren Tausend Einzelteilen. Bei kleineren Anschaffungen wie Smartphones und Tablets sind es etwas weniger. Geht eines der Elemente kaputt, ist die Funktion des Geräts beeinträchtigt. In den meisten Fällen trifft es in relativ kurzer Zeit genau solche Teile, die sich nicht reparieren oder ersetzen lassen. Der Verdacht einer eingebauten Sollbruchstelle liegt also nahe. Im Rahmen einer Initiative setzt sich Hamburg seit vergangenem Jahr für die längere Haltbarkeit von Elektrogeräten ein. Wäre im Gesetzbuch eine längere Gewährleistungspflicht verankert, würden Elektrohersteller vom Konzept der Sollbruchstelle abkommen, so die Annahme.

Das soll sich ändern: Der Hamburger Beschluss zur Gewährleistungsverlängerung fordert Änderungen der Gewährleistungspflicht. Bisher wird nur in den ersten sechs Monaten nach Gerätekauf von einem herstellungsbedingten Fehler ausgegangen. Spätere Gerätereparaturen müssen Hersteller nur übernehmen, wenn Verbraucher ihnen Produktionsfehler nachweisen können. Diese Beweislast soll jetzt umgekehrt werden. Die Garantie möchte man außerdem auf zwei Jahre verlängern.

Verbraucher in der Pflicht: Wie viel Pflege brauchen Elektrogeräte?

Eine längere Gewährleistungspflicht und Garantie könnte hergestellte Elektro-Artikel in der Theorie langlebiger und nachhaltiger machen, weil Hersteller keinen Gewinn mehr aus frühzeitig defekten Geräten ziehen würden. Damit auf lange Sicht weniger Elektromüll entsteht, müssen sich neben den Herstellern aber auch die Verbraucher um die Haltbarkeit ihrer Geräte bemühen. Nicht nur Defekte und schlechte Reparatur-Chancen bewegen Käufer zum regelmäßigen Ersatz ihrer Altgeräte. Produkte wie Smartphones ersetzt man gerne auch mit den neuesten Modellen, wenn sie unversehrt sind. Hier müssen Konsumenten umdenken. Nicht nur das: Auch in Sachen Gerätepflege stehen sie in der Pflicht.

Welche Maßnahmen zählen zur Gerätepflege?

Staub, Dreck, Feuchtigkeit und mechanische Krafteinwirkung sind nur einige der Herausforderungen, denen Elektroartikel Tag für Tag begegnen. Auf mobile Gadgets wie das Handy oder Tablet trifft das in besonderem Maße zu, weil sie ihre Besitzer auch nach draußen begleiten. Zur Pflege von Elektrogeräten gehören insbesondere folgende Maßnahmen:

  • Reinigung: Nassreinigung eignet sich für Elektroartikel nicht. Lieber mit fusselfreien Staubtüchern und gerätespezifischen Spezialreinigern abwischen.
  • Instandhaltung: Hierzu gehören beispielsweise regelmäßige Updates, Wartungen und kleinere Reparaturen.
  • Verwahrung: Mobile Geräte lassen sich durch Hüllen oder Etuis vor Verschmutzungen und Beschädigungen schützen. Stationäre Elektrogeräte sollten nicht in der Sonne stehen.

Grundsätzlich informieren sich Verbraucher zu produktspezifischen Pflegemaßnahmen am besten in der Bedienungsanleitung ihrer Geräte. Falls alle Pflegemaßnahmen nichts helfen, ist das Recycling der Produkte die letzte Verbraucherpflicht.

Zehn goldene Regeln zum Kauf von Elektro-Artikeln

Wenn Elektro-Artikel trotz Pflegemaßnahmen nicht mehr angemessen funktionieren, macht man sich automatisch Gedanken über geeigneten Ersatz. Das trifft insbesondere nach Ablauf der Gewährleistung zu, weil Reparaturen heutzutage oft kostspieliger sind als die Anschaffung eines neuen Geräts. Dieser Hintergrund hat die vorherrschende Wegwerf-Mentalität der Gesellschaft verschärft. Weil man sich jene in Zeiten der Klima- und Müllproblematik nicht mehr leisten kann, sind Gegenmaßnahmen zu treffen. Folgende zehn Regeln sollten Verbraucher im Hinblick auf Elektrogeräte und ihre Neuanschaffung beachten:

  1. Geräte so lange wie möglich behalten.
  2. Bei Bedarf lieber reparieren, als entsorgen.
  3. Möglichkeiten wie ehrenamtliche Reparatur-Cafés wahrnehmen.
  4. Eventuell bestehendes Gewährleistungsrecht nutzen.
  5. Vor jedem Neukauf Alternativen prüfen, beispielsweise Leihgeräte oder gemeinsame Anschaffungen.
  6. Vor Käufen Haltbarkeit recherchieren, beispielsweise durch Testberichte.
  7. Statt auf den Preis auf Reparaturfähigkeit achten.
  8. Geräte mit freiwilligen Zusatzgarantien bevorzugen.
  9. Siegel wie den Blauen Engel berücksichtigen (Ersatzteilverfügbarkeit).
  10. Energieeffiziente Geräte präferieren.
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