Tierwohl in der Mode: Für Markenhersteller immer wichtiger

Pelzapplikationen an Mantelkrägen. Daunen im Jackenfutter. Leder für die Schuhe und Schurwolle zur Herstellung von Wintermode. Viele Kleidungsstücke enthalten tierische Bestandteile. Bis heute, obwohl das Thema Nachhaltigkeit Verbrauchern mittlerweile am Herzen liegt.

Frau mit Mantel im Herbst, © Free-Photos / pixabay.com
Frau mit Mantel im Herbst, © Free-Photos / pixabay.com

Nicht nur beim Lebensmitteleinkauf achten die meisten Bundesbürger auf nachhaltige Kaufentscheidungen. Auch bei der Kleidungswahl interessieren sie sich zunehmend für Nachhaltigkeitsaspekte. Einer davon ist das Tierwohl. Lange spielte es in der Modeindustrie keinerlei Rolle. Heutzutage bewegen die veränderten Verbraucheransprüche auch etablierte Kleidungsmarken zum Umdenken.

Tierfreundliche Kleidungsstücke sind in

Wer in Hamburg nachhaltig einkaufen möchte, sucht längst nicht mehr die Nadel im Heuhaufen. Von nachhaltigen Textilgeschäften bis hin zu Möbelläden gibt es in der Hansestadt fast alles. In der Textil- und Modeindustrie ist das Thema Nachhaltigkeit später angekommen als in anderen Branchen.

Nichtsdestotrotz haben ressourcen- und umweltfreundliche Kleidungsstücke ihr einstiges Nischendasein heute hinter sich. Auch bekannte Kleidungsmarken kommen kaum noch ohne umweltfreundliche Konzepte aus. Was Tierwohl betrifft, gehen jetzt auch größere Brands mit gutem Beispiel voran.

Komplett vegane Kleidungsstücke sind noch immer nicht im Mainstream angekommen. Sehr wohl achten viele große Marken mittlerweile aber langsam auf Aspekte wie artgerechte Tierhaltung, beispielsweise bei Wollmänteln. Im vielfältigen Angebot großer Marken finden sich sogar immer mehr Produkte, die ganz ohne tierische Bestandteile produziert werden.

Ein Beispiel: das Traceable-Wool-Konzept von Hugo Boss. Nachverfolgungsmöglichkeiten hinsichtlich der verwendeten Wolle erleichtern Verbrauchern die Entscheidung für tierfreundliche Kleidungsstücke. Mode unter dem Ausschluss von Tierleid ist durch Entwicklungen wie diese im Mainstream angekommen.

Pelz nicht mehr salonfähig

Schon im Jahr 2017 ging die Bundesrepublik in Sachen Tierwohl und Mode einen wichtigen Schritt. Damals führte die Regierung strenge Regulierungen für deutsche Pelztierfarmen ein. Die Anforderungen an die Käfiggröße und Ausstattung stiegen. Diese neuen Bedingungen steigerten den finanziellen Aufwand. Wegen der gesunkenen Lukrativität schloss bald darauf die letzte deutsche Pelztierfarm.

Damit ist Deutschland nicht das einzig "pelzfreie" Land Europas. Nachbarn wie Österreich und Slowenien hatten Pelztierhaltung schon früher explizit verboten. Dass Verbote noch immer nicht EU-weit gelten, hat sich zuletzt in der Corona-Pandemie gezeigt. Länder wie Irland und Dänemark kündigten nach Ausbrüchen auf Nerzfarmen breit gefächerte Schlachtungen an. Eine tragische Situation, die eigentlich vermeidbar gewesen wäre.

Auch in Ländern wie Polen sind Pelztierfarmen noch immer verbreitet. Die Betreiber halten die Tiere oftmals unter besonders schlechten Bedingungen. Fehlender Auslauf und enge Drahtkäfige sind laut Dokumentationen der PETA an der Tagesordnung.

Mode-Mythos: Deutsche Textilhersteller verwenden keinen Pelz

Obwohl die Bundesrepublik selbst keine Pelzwaren mehr produziert, verzichten deutsche Textilhersteller nicht unbedingt darauf. Pelzexporte aus Polen und Dänemark decken den bundesweiten Bedarf. Tierschützer fordern seit Langem ein Pelzimportverbot, um ein Zeichen der Nachhaltigkeit zu setzen.

Alternativen zu Leder und Daunen im Kommen

Im Vergleich zu Echt-Pelz sind tierische Elemente wie Leder und Daunen noch immer relativ salonfähig. Trotzdem zeichnet sich auch hinsichtlich dieser Materialien langsam eine Wende ab. Um Daunen zu ersetzen, verwenden einige Textilhersteller schon jetzt vegane Alternativen aus Kunstfaser.

Auch Baumwolle, Bambus, Hanf und Maisfaser kommen immer häufiger zum Einsatz. Statt Leder bieten sich dagegen Materialien wie Kautschuk an. Manche Hersteller ersetzen die Tierhaut mittlerweile sogar mit recycelten PET-Flaschen. Millionen von Tiere mussten in der Vergangenheit für die Modeindustrie leiden. Mit den genannten Entwicklungen scheint sich ein Ende dieses Missstands abzuzeichnen.

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