Mietpreisbremse in Hamburg: So gestalten sich die Mieten in Deutschlands größter Hafenstadt

Das Leben wird vor allem in Deutschlands Großstädten immer mehr zum Luxus, das gilt auch für die Hansestadt Hamburg im Norden der Republik. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtbezirken. Das hat CONNY, ein Verbraucherrechtsportal aus Berlin, herausgefunden.

Geräumig und bezahlbar – In Ballungsgebieten wird beides immer mehr zur Traumvorstellung, © Pexels/Ketut Subyianto
Geräumig und bezahlbar – In Ballungsgebieten wird beides immer mehr zur Traumvorstellung, © Pexels/Ketut Subyianto

CONNY, ein Verbraucherrechtsportal aus Berlin, hat sich die Situation anhand von insgesamt 1.612 durchgeführten Rechtsberatungen zum Thema Miethöhe genauer angeschaut und sie analysiert. Diese Mieten muss man unter Berücksichtigung der Mietpreisbremse in Elmsbüttel, Bergedorf, Harburg und vor allem St. Pauli zahlen.

Geltendes Recht und Realität klaffen in Sachen Mitpreisbremse auseinander

Es ist spannend, was CONNY bei seiner Untersuchung herausgefunden hat. Vor allem die Tatsache, dass es zwischen geltendem Recht und der alltäglichen Praxis zum Teil große Unterschiede gibt, konnte deutlich gemacht werden.

Die Grundfrage beim Durchforsten der einbezogenen Rechtberatungsergebnisse lautete, wie viel weniger Miete die Menschen zahlen müssten, würde die Mietpreisbremse konsequent umgesetzt werden.

Ausgegangen ist man von der Annahme, dass Single-Mieter etwa 30 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Miete einer 50-Quadratmeter-Wohnung aufwenden müssen. Folgende Ergebnisse haben sich hinsichtlich des benötigten Nettoeinkommens daraus für die einzelnen Stadtviertel/Bezirke ergeben:

  • Eimsbüttel: 2491,- Euro (Quadratmeterpreis bei 14,95 Euro), bei Mietpreisbremse 11,07 Euro bzw. 1845 Euro = 650,- Euro weniger
  • Bergedorf: 1810,- Euro (Quadratmeterpreis bei 10,86 Euro), bei Mietpreisbremse 9,05 Euro bzw. 1508 Euro = 700,- Euro weniger
  • Harburg: bei Mietpreisbremse müssten 1485,- Euro Miete gezahlt werden

Für Familien wurden noch größere Unterschiede deutlich. Für eine Wohnung mit 90 Quadratmetern müssten die Partner in Eimsbüttel ohne Mietpreisbremse 4484,- Euro verdienen, in Bergedorf 3259,- Euro, mit der Mietenbremse wären dort etwa 550,- Euro weniger Einkommen (2716,- Euro) notwendig. Für Harburg fiele der Unterschied mit 2625,- Euro noch deutlicher aus.

In Hamburg-Mitte könnten die Mieter am meisten von der Anwendung der Mietpreisbremse profitieren, müssten sie doch statt 4484,- Euro nur noch 3321,- Euro verdienen.

Sonderfall St. Pauli: Ein Drittel weniger Miete bei Mietpreisbremse

St. Pauli, © unsplash/Tobias
St. Pauli, © unsplash/Tobias

CONNY verzeichnete für den Stadtteil St. Pauli besonders viele Beratungen zum Thema Miethöhe. Aufgrund der vielen Fälle wurde bei der Untersuchung deutlich, dass in dem umtriebigen Bezirk die Schere zwischen der Rechtsgrundlage und der Realität am weitesten auseinandergeht.

Wer als Single in St. Pauli eine 50-Quadratmeter-Wohnung bei umgesetzter Mietpreisbremse mieten wollte, bräuchte ein Nettoeinkommen von nur 1645,- Euro, um davon die Miete in Höhe von 30 Prozent zahlen zu können, also etwa 494,- Euro.

Für Familien wird der Unterschied hier besonders deutlich. Um sich eine 90-Quadratmeter-Wohnung leisten zu können, müssten Paare ohne Mietpreisbremse stattliche 4447,- Euro verdienen, mit würden 2961,- Euro ausreichen.

Die großen Unterschiede für St. Pauli (und auch die anderen Bezirke) ergeben sich aus der Differenz zwischen der erlaubten Miete und dem tatsächlichen Marktpreis, der in St. Pauli bei immerhin 4,95 Euro/Quadratmeter liegt.

In Hamburg-Mitte beträgt der Unterschied noch 4,37 Euro, in Bergedorf stehen 1,81 Euro/Quadratmeter in der Ergebnisliste.

Der Gründer und Geschäftsführer von CONNY, Dr. Daniel Halmer, der selbst Jurist ist, bewertet die Untersuchung folgendermaßen: "Selbst uns überrascht, wie stark Recht und Realität in Hamburg auseinanderklaffen – zumindest in den uns vorliegenden Fällen. Würde die Mietpreisbremse angewandt werden, können sich also erhebliche Summen einsparen lassen."

CONNY unterstützt aktive Mieter

Leider werden die zuständigen Behörden und Ämter nicht selbst tätig und überlassen es den betroffenen Mietern, aktiv zu werden.

Dazu sagt Dr. Halmer: "Die Mieter müssen selbst aktiv werden und die Mietpreisbremse durchsetzen. Sie müssen dies mit einer Überprüfung und Klage gegenüber dem Vermieter erwirken. Wir von CONNY helfen dabei – und haben bereits viele Fälle auf diesem Gebiet gewonnen."

Die Mietpreisbremse greift beispielsweise nicht für Neubauten, die nach dem 1. Oktober 2014 zum ersten Mal vermietet worden sind. Darüber hinaus gilt die Mietenbremse nicht, wenn ein Mietvertrag geschlossen wurde, bevor die Mietpreisbremse in Kraft trat.

Zudem sind zeitlich befristete Vermietungen ausgenommen und auch nach einer durchgeführten Modernisierung greift die Mietpreisbremse leider nicht.

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