Nachbarrecht: Mauer und Zaun als Sichtschutz

Hamburg ist Spitzenreiter – ob sich unser Stadtstaat allerdings über diesen Titel freuen sollte, bleibt dahingestellt. Nach einer Studie zu Nachbarschaftsstreitigkeiten in deutschen Bundesländern lagen bereits rund 50 Prozent der befragten Hanseaten nach eigener Aussage schon einmal mit den Bewohnern angrenzender Grundstücke im Zwist. Diese Zahl erreichte nicht einmal Berlin oder Bayern. Lösungsansätze? Das Kriegsbeil begraben, umziehen – oder mit einem Sichtschutz Privatsphäre und Gartengestaltung perfekt kombinieren.

Zaun, © www.pixabay.de / blickpixel
Zaun, © www.pixabay.de / blickpixel

Was sich neckt …?

Bei Nachbarn eher nicht. Immer wieder landen Fälle von Nachbarschaftsstreitigkeiten vor Gericht, teils mit skurrilem Ausmaß. Mögen auch einige Klagen Grund zum Schmunzeln oder Grundlage für Spottgedichte liefern, wünschen sich die Betroffenen in der Regel einfach nur eines: ihre Ruhe. Im Prinzip gar nicht so schwierig – Umsetzbar z.B. mit einer Hecke, Mauer oder einem Zaun als Lärm- und Sichtschutz.

Schöner Anblick auf keine Aussicht

Nicht zuletzt dank Homeoffice gibt es derzeit einen wahren Boom an Häuserkäufen im Hamburger Umland. Um von vornherein Streitigkeiten mit den Nachbarn zu vermeiden, erweist sich ein Zaun mit Sichtschutz als ideale Lösung. Dabei wird der eigene Garten durch die neu angelegte Grenze nicht nur zum persönlichen Rückzugsort – sondern bietet auch gestalterischen Gewinn.

Bevor es allerdings ans Design geht, spielt die Funktionalität eine wichtige Rolle. Welche Eigenschaften sollte der künftige Sichtschutz mitbringen? Welches Material ist wetterfest, welches langlebig? Grundsätzlich stehen als Sichtschutz im Garten folgende Optionen zur Auswahl:

Mauer und Zaun als "tote Einfriedungen"

  • Eine Mauer aus Ziegelsteinen gilt als Klassiker – trotz des Aufwands sowohl in finanzieller als auch gestalterischer Hinsicht.
  • Ebenfalls beliebt: der Doppelstabmattenzaun mit seiner möglichen Kombination aus verschiedenen Farben und Materialien und seiner einfachen Errichtung.
  • Ein mit Steinen gefüllter Drahtkorb wehrt nicht nur gegen neugierige Blicke und stürmische Wetterperioden ab. Der moderne Sichtschutz für den Garten ist in all seinen erdenklichen Formen ein wahrer Blickfang.
  • Ein Betonzaun muss kein Massiv in trübem Grau bleiben. Mit Motivplatten aus Zement und spezieller Acrylfarbe lassen sich gestalterische Akzente setzen.

Hecke als "lebende Einfriedung"

  • Über eine Hecke als Sichtschutz zum Nachbarn freuen sich auch Tiere und Umwelt: Sie bietet Lebensraum für Insekten und Vögel und ist als natürlich nachwachsender Rohstoff besonders nachhaltig. Das Nachwachsen birgt jedoch gleichzeitig ein Problem: Ohne regelmäßiges Beschneiden ist bald Wildwuchs angesagt – Grund genug für den nächsten Nachbarschaftsstreit …
  • Zwar sind Rankgitter mit Kletterpflanzen hübsch anzusehen. Sie halten jedoch nur neugierige Blicke und keine Geräusche ab. Und nach einem stürmischen Winter müssen sie mit Sicherheit wieder neu aufgerichtet werden.
  • Ausrollbare Matten lassen sich schnell verlegen – doch ihre Lebensdauer ist fast ebenso schnell vorbei: Weder Bambus noch Schilfrohr sind wetterfest.

28. Mai: Tag der Nachbarn

Mit seinem Eigentum darf man grundsätzlich beliebig schalten und walten – solange Dritte nicht beeinträchtigt werden. Wie nah an das Nachbargrundstück darf also die Hecke gepflanzt werden, wie hoch der Zaun reichen? Als Zusatz zu den allgemeinen nachbarrechtlichen Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches haben fast alle Bundesländer weitere individuelle Verordnungen erlassen. Nicht so Hamburg: Hier gelten ausschließlich die zivilrechtlich festgelegten Regeln.

Es muss aber nicht gleich zum Anwalt gehen. Anrufe im Gemeinde- oder Bürgeramt sind ebenso hilfreich wie einige pauschale Richtwerte: Der Mindestabstand von Hecke, Mauer oder Zaun zur Grundstücksgrenze sollte mindestens einen halben Meter betragen und der Sichtschutz eine Höhe von 190 Zentimetern nicht überschreiten. Auch das optische Gesamtbild der Straße gilt als Indiz für die erlaubte Größe eines Sichtschutzes. Einfach den Nachbarn nicht überbieten – damit ist oft bereits der erste Schritt zu einem beschwerdefreien Mit- bzw. Nebeneinander getan.

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