Wozu dient die Kirchensteuer?

Die Frage, ob die Kirchensteuer überhaupt notwendig ist und wofür diese verwendet wird, ist allgegenwärtig. Nicht selten treten aufgrund dieser Zahlung die Menschen aus der Kirche aus. Dabei hat die Kirchensteuer durchaus eine Existenzberechtigung und ist sinnvoll.

Ausblick auf Kirchtürme Hamburgs, © pixabay.com / falco
Ausblick auf Kirchtürme Hamburgs, © pixabay.com / falco

Wie viel Prozent Kirchensteuer gehen vom Gehalt ab?

Wie auch die Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge wird die Kirchensteuer prozentual vom Gehalt abgezogen und an das Finanzamt weitergeleitet. Allerdings zahlen hierbei nicht alle Bundesländer denselben Prozentsatz.

Im Detail sieht dies wie folgt aus:

  • Bayern und Baden-Württemberg: 8 Prozent
  • Alle anderen Bundesländer: 9 Prozent

Die Höhe der berechneten Kirchensteuer variiert dementsprechend und ist zudem abhängig von der Steuerklasse.

Prinzipiell zahlen alle volljährigen Mitglieder der Kirche eine Kirchensteuer, sofern sie in Deutschland wohnen. Am Ende also jede:r, der/die als Kind durch die Taufe in die Kirche aufgenommen wurde.

Doch nicht nur Mitglieder der evangelischen und katholischen Kirche entrichten die Kirchensteuer. Ebenso zahlen Mitglieder einer jüdischen Kultusgemeinde die Steuer.

Muslime und Christlich-Orthodoxe zahlen hingegen keine Steuer, da ihre Religionsgemeinschaft in Deutschland nicht staatlich anerkannt ist.

Wie viel kann man von der Kirchensteuer absetzen?

Die Kirchensteuer gehört zu den Sonderausgaben und ist somit gemäß Paragraf 10, Absatz 1, Nummer 4 des Einkommensteuergesetzes absetzbar.

Im Rahmen der Steuererklärung wird der gezahlte Jahresbetrag innerhalb der Anlage Sonderausgaben aufgeführt.

Als Besonderheit ist hier zu nennen, dass sie nicht als abzugsfähig gilt, wenn sie als Zuschlag auf die Abgeltungssteuer bei Kapitalerträgen erhoben wird.

Einzelheiten hierzu findet man im Paragraf 32d, Absatz 1, Satz 3 im Einkommenssteuergesetz.

Welche Vor- und Nachteile hat man, wenn man aus der Kirche austritt?

In vielen Fällen treten Menschen aus der Kirche aus, weil sie sich einen Vorteil versprechen. Denn mit dem Austritt entfällt auch die Zahlung der Kirchensteuer.

Allerdings kann der Austritt aus der Kirche auch Nachteile mit sich bringen. Nicht nur in Bezug auf eine anstehende Hochzeit, sondern möglicherweise auch im Beruf.

Hier folgt zunächst eine Übersicht zu den Vorteilen, die mit einem Kirchaustritt einhergehen:

  • Die Zahlung der Kirchensteuer entfällt, was eine Ersparnis von durchschnittlich 300 Euro jährlich ausmacht.
  • In der Schule müssen Kinder, die keinerlei Religionszugehörigkeit haben, nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Die Entscheidung in der Kirche zu bleiben oder auszutreten, können Kinder bereits im Alter von 14 Jahren treffen, weil sie ab diesem Alter als religionsmündig eingestuft werden.

Daneben gibt es auch noch Nachteile, die man ebenfalls bei einem Austritt bedenken sollte:

  • Innerhalb Deutschlands ist es erforderlich, sich auf der zuständigen Behörde von der Kirche abzumelden, sofern man einen Austritt wünscht. Das bedeutet, es ist eine Terminvereinbarung beim Standesamt oder Einwohnermeldeamt, in einigen Bundesländern auch beim Amtsgericht notwendig. Hier wird ein Formular ausgefüllt und anschließend eine Bearbeitungsgebühr gezahlt. Der Austritt kostet, je nach Bundesland, zwischen zehn und 60 Euro. Nur selten ist er kostenfrei.
  • Wer sich bei einem kirchlichen Träger um eine Stelle bewirbt und gleichzeitig nicht in der Kirche angemeldet ist, verringert seine Chance, eingestellt zu werden. Dies betrifft vor allem soziale Berufe wie Sozialarbeiter, Pädagogen, Krankenschwestern oder Ärzte.
  • Diverse Glaubenszeremonien erfordern ebenfalls die Mitgliedschaft in der Kirche. Ist man nicht angemeldet, darf man zum Beispiel nicht in der Kirche heiraten. Ebenso entfällt die christliche Totenmesse. Ferner gibt es Probleme, wenn ein Kind in der Kirche getauft werden soll oder man Pate für ein anderes werden soll.

Tipp: Zunächst ist es empfehlenswert, im Vorfeld abzuwägen, ob ein Kirchenaustritt wirklich sinnvoll ist. Häufig hat die Mitgliedschaft in der Kirche nämlich mehr Ausschlag, als man zunächst annehmen mag.

Wozu wird die Kirchensteuer letzten Endes verwendet?

Nach der Zahlung der Kirchensteuer wird das Geld vom Finanzamt an die städtischen Bistümer weitergeleitet.

Diese verteilen es anschließend in Form eines Clearing-Verfahrens, sodass eine gerechte Verteilung untereinander ermöglicht wird.

Infolge dieser zahlt das jeweilige Bistum zunächst seine eigenen Ausgaben. Mit dazu gehören zum Beispiel:

  • Menschen, die freiwillig für die Kirche tätig sind (zum Beispiel Seelsorger)
  • Verwaltungsausgaben
  • Baumaßnahmen
  • Unterhalt für Kindertagesstätten oder Akademien

Ein Großteil der Ausgaben wird dabei für unterschiedliche Einrichtungen eingesetzt, die kulturellen oder sozialen Nutzen haben.

Der Rest des Geldes wird in Form eines Zuschusses an die jeweiligen Pfarrgemeinden gezahlt, was jedoch häufig nur einen sehr kleinen Teil ausmacht.

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