Montez über Glück, innere Stärke und den surrealen Weg auf Platz eins
Stadtinfo Hamburgs Gesichter
Kultur Konzerte
Nummer-1-Award, große Hamburg-Show und ein Album über die kleinen und großen Glücksmomente: Im Gespräch mit Hamburg-magazin.de vor seinem Konzert in Hamburg erzählt Montez von persönlichen Songs, seiner besonderen Verbindung zur Hansestadt und dem Glück, das man manchmal erst erkennen muss.
Mit seinem am 21. August erschienenen Album "So ist das mit dem Glück" hat Montez erneut die Spitze der Charts erreicht. Im Gespräch mit Hamburg-magazin.de spricht der Sänger und Songwriter über die Bedeutung von Glück, den langen Weg zum Erfolg, seine persönlichsten Songs – und darüber, warum ein Konzert für ihn mehr sein soll als bloße Unterhaltung.
Kurz vor seinem großen Tour-Auftritt auf der Trabrennbahn in Hamburg nahm Montez den "GfK Nummer 1 Award" entgegen. Die Hansestadt verbindet der Musiker nicht nur mit seiner Kindheit, sondern auch mit einem seiner kleinsten Konzerten vor rund 20 Menschen. Heute stehen ihm dort 15.000 bis 16.000 Fans gegenüber – eine Entwicklung, die sich für ihn noch immer unwirklich anfühlt.
Hamburg-magazin.de: Dein neues Album heißt "So ist das mit dem Glück". Wie ist der Titel entstanden?
Montez: Der Titel ist im Prozess entstanden, während wir das Album gemacht haben. Das Album war schon fast fertig, ohne dass ich einen Titel hatte. Und dann ist er mir irgendwann eingefallen. Die Zeile gibt es auch in dem Song mit Sido, also in "Glück". Und ich dachte, das klingt nach einem tollen Albumtitel und so ist er entstanden.
Hamburg-magazin.de: Was bedeutet für dich Glück?
Montez: Ich glaube, dass im Leben alles Zufall ist und das ist dann entweder Glück oder Pech. Und ich glaube, dass viel öfter das Glück da ist als das Pech und man es aber nur selten sieht. Und deswegen ist auch das Kleeblatt mit drei Blättern und nur einem ganz kleinen vierten Blatt auf dem Albumcover: Weil das Glück schon oft da ist, aber man es oft gar nicht sieht. Und ja, so ist das mit dem Glück. Es ist eigentlich ganz oft da, aber man sieht es nicht und muss es irgendwie einfangen.
Hamburg-magazin.de: Heute ist ja wahrscheinlich ein Tag, an dem ziemlich viel Glück auf deiner Seite ist. Wie ist denn das Gefühl, jetzt den "GfK Nummer 1 Award" in den Händen zu halten?
Montez: Das ist ein super schönes Gefühl, weil wir schon seit ein paar Jahren nicht mehr auf der Eins waren. Das letzte Album "Pass auf mein Herz auf" (2024) ist auf Platz zwei gechartet. "So ist das mit dem Glück" ist nach "Liebe in Gefahr" (2023) mein zweites Nummer-1-Album. Und ja, das ist natürlich ein riesiges Glück für uns alle, nicht nur für mich, sondern für mein ganzes Team. Wie viel Arbeit so ein Album von A bis Z ist, kann man kaum jemanden erklären. Und deswegen freuen wir uns natürlich alle, dass es geklappt hat.
Hamburg-magazin.de: Herzlichen Glückwunsch!
Montez: Danke.
Hamburg-magazin.de: Würdest du sagen, es ist vor allem Talent oder braucht man auch eine Prise Glück, um so erfolgreich zu werden wie du?
Montez: Man braucht auf jeden Fall Glück. Ohne Glück ist es unmöglich. Man braucht natürlich Talent und man muss vor allem Willensstärke und Geduld haben und man kann das Glück auch ein Stück weit erzwingen. Also man kann schon häufiger Glück bekommen als jemand anderes, wenn man mehr dafür tut. Aber am Ende des Tages, ob etwas passiert, wie es passiert, da gehört immer Glück dazu. Also ich kann so talentiert sein, wie ich will, wenn das Glück nicht mitspielt, dann habe ich Pech.
Hamburg-magazin.de: Du hast einen Song geschrieben, der "Glück" heißt. Da singst du: "Okay, manches bereue ich, aber safe nicht, wo ich heute bin." Was würdest du sagen, bereust du? Und was würdest du heute vielleicht anders machen als früher?
Montez: Ich glaube, ich meinte das so: Dieser Weg war extrem hart und schwer. Manches davon bereue ich zwar nicht, aber es war eben schwer, da durchzugehen.
Und deswegen sage ich: "Aber safe nicht, wo ich heute bin", weil ich wieder merke: Okay, es hat sich aber gelohnt. Und im Nachhinein, glaube ich, würde ich gar nichts ändern oder bereuen, weil alles, was passiert ist, hat dazu geführt, dass ich hier mit dir sitze und meinen Platz-1-Award in den Händen halte.
Persönliche Songs und der Mut zum Loslassen
Hamburg-magazin.de: Welcher Song bedeutet dir am meisten auf dem aktuellen Album und warum?
Montez: Am meisten bedeutet mir "Wenn du mich fragst", weil der so besonders ist und eine Hymne für die eigene Kindheit oder allgemein das innere Kind in einem ist. Der bedeutet mir schon sehr viel.
Hamburg-magazin.de: Gibt es Dinge, die dich glücklicher machen als ein Nummer-1-Hit?
Montez: Ja, viele Dinge, die mich glücklicher machen als ein Nummer-1-Hit. Gutes Essen zum Beispiel oder Ausschlafen. Nein, Spaß. Also natürlich ist das schon eins der krassesten Glückserlebnisse in meinem Leben. Aber meine Kinder sind natürlich noch ein viel größeres Glück.
Hamburg-magazin.de: Du bist ja auch ein sehr erfolgreicher Songwriter. Wann weißt du, dass ein Song fertig ist?
Montez: Ja, das ist immer die Sache. Es gibt viele Künstler und Künstlerinnen, die sich extrem verkopfen und kein Ende finden. Aber es gibt so ein Zitat: „Du musst vor der Perfektion keine Angst haben, weil du sie eh niemals erreichen wirst.“ Es ist unmöglich, Perfektion zu erreichen.
Deswegen habe ich schon mit der Zeit gelernt, öfter mal loszulassen und den Song einfach den Song sein zu lassen, ohne zu denken: Ah, ich muss den jetzt noch mal in fünf anderen Versionen ausprobieren und ist das vielleicht doch ein Country-Song oder eine Ballade oder ein Techno-Song oder muss ich den nochmal umproduzieren?
Es passiert selten, dass ich aus dem Studio gehe und danach noch viel verändere. Ich bin der Meinung: So, wie ein Song in dem Moment entsteht, entsteht meistens auch die Magic. Ich bin kein Fan davon, danach noch mal alles umzuwerfen.
Hamburg-magazin.de: Entstehen deine Songs eher in einer Nacht oder über mehrere Monate hinweg? Oder kann das auch sehr unterschiedlich sein?
Montez: Das kommt total darauf an. Viele Songs entstehen aus dem Moment heraus – wenn man einmal in diesem Flow ist, bleibt man auch dabei. Aber es gibt natürlich auch Songs, die eher wie eine Baustelle sind: Manchmal fällt einem ewig kein zweiter Part ein oder an einer bestimmten Stelle fehlt einfach noch die richtige Zeile. In solchen Fällen kann es dann schon mal ein paar Wochen dauern.
Inspiration, Emotionen und der Traum von einem Song mit Ed Sheeran
Hamburg-magazin.de: Woher ziehst du die größte Inspiration für deine Songs?
Montez: Eigentlich schon immer aus meinem eigenen Leben. Vor allem, wenn man sich meine älteren Sachen anhört – die sind sehr persönlich und stark autobiografisch geprägt. Heutzutage ist das gar nicht mehr ausschließlich so, denn inzwischen steht für mich immer der Song selbst an erster Stelle.
Ich kann heute auch ein Lied singen, das ich persönlich vielleicht gar nicht zu 100 Prozent selbst so erlebt habe, in das ich mich aber hineinfühlen kann – oder von dem ich weiß, dass jemand aus meinem Umfeld genau das durchgemacht hat. Am Ende des Tages geht es mir immer um das Lied und um die Emotionen.
Mir ist es wichtiger, dass jemand, der diesen Song hört und so etwas erlebt hat, das nachempfinden kann, als dass ich exakt dieselbe Erfahrung gemacht haben muss. Ich möchte den Menschen mit meiner Musik helfen. Und da kann es eben auch mal ein Lied über etwas sein, das ich nicht unbedingt so erlebt habe, von dem ich aber glaube, dass da draußen jemand genau diesen Song braucht, damit er ihm hilft.
Hamburg-magazin.de: Du schreibst nicht nur Songs für dich, sondern auch für viele andere. Gibt es jemanden für den du unbedingt mal schreiben möchtest?
Montez: Ich würde sehr gerne mal mit Ed Sheeran ins Studio gehen und mit ihm einen Song schreiben.
Montez‘ besondere Verbindung zur Hansestadt
Hamburg-magazin.de: Hamburg ist schon der vorletzte Stopp auf deiner Tour. Ist man nach so vielen Shows noch aufgeregt oder ist das inzwischen eher Routine?
Montez: Ich bin heute irgendwie gar nicht aufgeregt, weil ich das tiefe Gefühl in mir habe, dass heute alles richtig gut wird, ich freue mich einfach nur. Es ist die größte Show der Tour. Heute sind wir auf Platz eins gechartet, die Sterne stehen gut. Also ich glaube, das wird heute richtig gut.
Hamburg-magazin.de: Hamburg ist ja auch für viele Musiker eine echte Musikmetropole. Hast du persönlich auch einen besonderen Bezug zu der Stadt?
Montez: Ja auf jeden Fall. Ich war als Kind oft hier, weil meine Patentante hier wohnt und ich es als Kind immer geliebt habe, hier zu sein. Ich wollte auch immer, wenn ich erwachsen bin, in Hamburg wohnen. Es ist dann Berlin geworden, aber ich liebe Hamburg; es ist eine meiner Lieblingsstädte in Deutschland. Ich verbinde mit Hamburg auch meinen kleinsten Auftritt vor circa 20 Menschen. Und wenn man jetzt hier überlegt, dass wir heute 15.000 oder 16.000 Zuschauer haben, ist das schon echt krass.
Hamburg-magazin.de: Hättest du damals gedacht, dass du irgendwann mal vor so einem großen Publikum spielen kannst?
Montez: Nein, hätte ich niemals gedacht. Denke ich sogar heute manchmal nicht. Ich kann das gar nicht glauben, wenn ich auf der Bühne stehe, dass das wirklich mein Konzert ist. Das ist für mich immer noch komplett surreal, ich kann das oft gar nicht realisieren.
Hamburg-magazin.de: Gibt es einen Moment von der aktuellen Tour, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist, weil er vielleicht überraschend emotional oder auf eine andere Art besonders war?
Montez: Grundsätzlich ist jedes Montez-Konzert extrem emotional und besonders. Jede Show unterscheidet sich von der anderen – nicht, dass der Ablauf komplett abweichen würde, aber es fühlt sich jedes Mal absolut echt an. Ich spule da nie einfach nur ein Programm ab, sondern ich spüre und fühle jedes einzelne Konzert intensiv.
Auch diese Dankbarkeit, die ich in dem Moment spüre, wenn ich ins Publikum schaue und kaum begreifen kann, dass ich das gerade wirklich erlebe. Das ist jedes Mal aufs Neue überwältigend für mich und wird auch, glaube ich, niemals für mich normal sein.
Konzerte als Safespace
Hamburg-magazin.de: Was sollen die Zuschauer mitnehmen, wenn sie heute Nacht nach dem Konzert nach Hause gehen?
Montez: Ich sage das auf der Bühne auch immer: Ich möchte immer, dass die Menschen, die zu meinem Konzert kommen, ein Stück geheilter nach Hause gehen, als sie hierhin gekommen sind. Ein Montez-Konzert soll auch eine Art Therapiestunde sein. Oder einfach, dass man sich wohlfühlt, eine tolle Zeit und auch einen Safespace hat, wo man hingehen und sich wohlfühlen kann. Das ist für mich das Allerwichtigste.
Hamburg-magazin.de: Wie geht's dir, wenn du nach dem Konzert von der Bühne gehst?
Montez: Ich bin meistens sehr glücklich. Je nachdem, wie die Crowd war (lacht). Nee, ich bin immer sehr happy. Vor allem, weil das Finale, die letzten drei Songs immer sehr emotional sind. Dann kommt man jedes Mal schon sehr beflügelt von der Bühne.
Seine Musik soll verbinden, Halt geben und Menschen im besten Fall ein Stück gestärkter nach Hause gehen lassen – genau das ist ihm an diesem besonderen Abend in Hamburg gelungen.
In der Hansestadt schloss sich zudem für den Sänger ein besonderer Kreis. Einst spielte er hier vor rund 20 Menschen, nun stand er bei der größten Show seiner Tour vor 15.000 bis 16.000 Fans.
Dass ihm dieser Abend besonders viel bedeutete, machte Montez auch auf der Bühne deutlich: Mehrfach betonte er, Hamburg sei sein Lieblingskonzert der gesamten Tour gewesen. Kein Wunder – schließlich verbindet ihn mit der Hansestadt nicht nur ein großer Karriere-Moment, sondern auch viele persönliche Erinnerungen aus seiner Kindheit.
Mit "So ist das mit dem Glück" und seinem zweiten Nummer-1-Album blickt Montez auf einen Weg zurück, der nicht immer leicht war. Seine Musik soll dabei verbinden, Halt geben und Menschen im besten Fall ein Stück gestärkter nach Hause gehen lassen – so, wie es an diesem besonderen Abend in Hamburg gelungen ist.
Ihr wollt noch mehr spannende Interviews aus Musik, Kultur und Film lesen? Dann schaut unbedingt bei Hamburg-magazin.de vorbei!
Über Montez
Montez ist Sänger, Rapper und Songwriter aus Bielefeld. Bereits im Alter von 13 Jahren schrieb er erste eigene Texte; 2010 veröffentlichte er sein erstes Mixtape "Punchlines eines Melancholikers".
Nach frühen Erfolgen als Rapper entwickelte sich Montez zu einem gefragten Songwriter und schrieb unter anderem für Helene Fischer, Katja Krasavice und Wincent Weiss. Als Solokünstler verbindet er persönliche, emotionale Texte mit eingängigen Pop-Melodien und Rap-Einflüssen.
Seinen großen Durchbruch feierte er 2021 mit dem Song "Auf und ab", der Platz 1 der deutschen Singlecharts erreichte. 2023 nahm er an der Musiksendung "Sing meinen Song – das Tauschkonzert" teil.
Mit seinem Album am 21. August erschienen Album "So ist das mit dem Glück" erreichte er zum zweiten Mal Platz eins der deutschen Albumcharts. Zuvor hatte bereits "Liebe in Gefahr" (2023) die Chartspitze erreicht, während "Pass auf mein Herz auf" (2024) auf Platz zwei einstieg.
Hamburg war der vorletzte Stopp auf seiner großen "15 Jahre Montez"-Jubiläumstour.