Interview: Olivia Jones über Freiheit und den Kiez

Kaum jemand verkörpert die Reeperbahn so wie sie: Olivia Jones. Auf ihrer bunten und glitzernden Sommerparty auf St. Pauli haben wir sie zum Interview getroffen.

Olivia Jones und weitere Dragqueens auf dem Red Carpet beim Sommerfest
Die Olivia Jones Familie, © Redaktion hamburg-magazin.de

Sie ist das schillerndste Gesicht der Reeperbahn – und feiert gerade 20 Jahre Kult-Kieztouren. Im Interview mit uns spricht Olivia Jones über ihre Liebe zu St. Pauli, queere Sichtbarkeit, politische Haltung und darüber, warum der Kiez für sie Heimat und Bühne zugleich ist.

HAMBURG MAGAZIN: Was bedeutet die Reeperbahn für dich?

OLIVIA JONES: Die Reeperbahn bedeutet für mich Freiheit, ist die Liebe meines Lebens, weil ich mich hier so frei entfalten konnte und hier auch den Grundstein quasi für alles gelegt habe – für unsere Kult-Kieztouren, aber auch die Bars und unsere kleinen Theater, das wäre ohne St. Pauli nicht möglich gewesen.

HAMBURG MAGAZIN: Erinnerst du dich noch an deinen ersten Abend auf dem Kiez?

OLIVIA JONES: Ich erinnere mich an meinen allerersten Abend, wo ich in so einer ganz kleinen schwulen Bar aufgetreten bin und das Publikum nicht wusste, ob sie mich nun lustig finden sollen oder nicht. Aber die Reeperbahn bzw. St. Pauli ist schon was Besonderes. Es ist natürlich auch die Keimzelle des Entertainments, gerade die große Freiheit und das ist schon was Besonderes. Deswegen ist die Reeperbahn auch weltbekannt.

HAMBURG MAGAZIN: Wir feiern heute auch 20 Jahre Kult-Kieztouren. Hättest du damals für möglich gehalten?

OLIVIA JONES: Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass das so erfolgreich wird. Aber es ist einfach etwas Besonderes, weil wir Sightseeing mit Entertainment verbinden. Bei unseren Kult-Kieztour-Guides ist jeder irgendwie anders, hat eine eigene Geschichte, die mit St. Pauli verwoben ist und das macht nicht nur den Gästen großen Spaß, sondern auch uns und das ist, glaube ich, das Erfolgsrezept.

HAMBURG MAGAZIN: Was ist das Highlight eurer Touren?

OLIVIA JONES: Ein Highlight gibt es nicht, das ist so das Komplettprogramm von St. Pauli, die Vielfalt, die Menschen, die hier leben, die Bars, die Clubs, aber auch die Kultur. St. Pauli ist nicht nur Feiern, sondern bietet sehr viel mehr.

HAMBURG MAGAZIN: St. Pauli ist ja auch ein queerer Hotspot. Was bedeutet deine Bar für die queere Community?

OLIVIA JONES: St. Pauli ist schon besonders, weil jeder hier so sein kann, wie er gerne sein möchte. Das ist in vielen anderen Stadtteilen nicht möglich und das ist sehr sehr schade. Deswegen ist St. Pauli auch immer so eine Art Leuchtturm.

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HAMBURG MAGAZIN: Was würdest du dir von der Politik wünschen, damit Vielfalt nicht nur ein Schlagwort ist?

OLIVIA JONES: Naja, ich würde mir von der Politik einfach wünschen, dass sie Rechte von queeren Menschen, von Minderheiten nicht infrage stellen und dass alle dafür kämpfen, dass jeder die gleichen Rechte hat und jeder so leben kann, wie er gerne leben möchte. Das sollte ja eigentlich selbstverständlich sein.

HAMBURG MAGAZIN: Du bist 2004 als Kandidatin für die Bürgerschaftswahl angetreten. Könntest du dir vorstellen, nochmal zu kandidieren, damit die AfD nicht ins Parlament gelangt?

OLIVIA JONES: Also ich würde nicht wieder kandidieren, aber ich bin ein politischer Mensch und das kann ich nur allen sagen, die irgendwie in der Öffentlichkeit stehen, für ihre Werte einzutreten. Und deswegen ist auch die Olivia-Jones-Familie so erfolgreich, weil wir Werte haben, für die wir kämpfen.

HAMBURG MAGAZIN: Was würdest du jungen Menschen sagen, die sich der queeren Community zugehörig fühlen, aber Probleme haben, zu sich zu stehen?

OLIVIA JONES: Ich weiß, dass es ein harter Weg ist, Coming out, zu sich selber zu stehen. Wichtig ist einfach, dass man seinem Herzen folgt und dass man sich sein Leben nicht diktieren lässt von außen. Nur so kann man glücklich werden.

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HAMBURG MAGAZIN: Dein Outfit ist ja schon sehr cool. Wie lange hat dein Styling heute gedauert?

OLIVIA JONES: Anderthalb Stunden. Das muss ja wasserfest und partytauglich sein. (lacht)

HAMBURG MAGAZIN: Und wie findest du die Kostüme von deinen Gäst:innen?

OLIVIA JONES: Super, ich finde es sensationell. Und es gibt ja welche, die wirklich so aussehen wie ich.

Leona, komm mal. (ruft Dragqueen Leona London zu sich). Also so werde ich aussehen, wenn ich älter bin.

LEONA LONDON: So sah sie vor 20 Jahren aus.

OLIVIA JONES: Naja, aber das ist doch wirklich toll, oder? Geil. Auch die Schminke. Aber Wahnsinn. Du siehst richtig gut aus.

LEONA LONDON: Danke, Mutti.

OLIVIA JONES: Aber jetzt schmink dich bitte ab, das wird mir schon wieder ein bisschen zu viel. Das ist schon geil.

LEONA LONDON: Aber ich seh schon, wenn sie irgendwann nicht mehr kann, dann muss ich sie schminken.

OLIVIA JONES: Ich kann aber noch sehr viele hundert Jahre. Wenn wir erstmal 500 Jahre Olivia feiern.

HAMBURG MAGAZIN: Hast du denn schon Favoriten für den Kostümwettbewerb?

OLIVIA JONES: Na, Leona ist schon sehr weit vorne. Und unser Lex Dildo, der aussieht wie eine Mischung aus Tina Turner und Ozzy Osbourne. Er ist auch schon sehr weit vorne mit seinem Kostüm.

Ihr wollt den Kiez selbst erleben und noch mehr über Hamburgs bunteste Ecken erfahren? Wir von hamburg-magazin.de haben jede Menge weitere Tipps für euch.

Ortsinformationen

Olivias Show Club
Große Freiheit 27
22767 Hamburg - Altona-Altstadt