HSV und St. Pauli – Die Rivalen damals und heute

Als Hansestadt ist Hamburg nicht in allen Punkten vereint. Beim Thema Fußball herrschen zwei Lager vor, die in den letzten Jahren einige spannende Derbys erleben konnten. Es scheint aber als ginge diese Ära bald zu Ende. Damit verliert sich ein wenig der Rivalität zwischen den Fans der Stadtrivalen. 

St. Pauli Flagge, @ jorono / Pixabay.com
St. Pauli Flagge, @ jorono / Pixabay.com

Doch woher stammt die Rivalität abseits des geografischen Standorts und worauf können Fans setzen? 

Hamburg ist zwiegespalten – was den Fußball betrifft

Es ist keine Neuigkeit, dass in Städten, in denen zwei große Fußballclubs existieren, oftmals eine Rivalität zwischen den Lagern herrscht. Ein Derby ist etwas Besonderes und auch ohne selbiges möchte jeder Club möglichst über dem anderen stehen – oder gar in einer besseren Liga spielen. Doch was sagt die Historie des HSV und des FC St. Pauli? Wann wurden die Vereine gegründet – welche Meilensteine gibt es in der Rivalität?

HSV: Wann genau die Geschichte des HSV beginnt, ist nicht ganz auf den Punkt zu bringen. Wahlweise war es 1887, als mit Germania einer der Stammvereine des HSV gegründet wurde, oder aber ein Jahr später, als der Name Hamburger Fußballclub entstand. Doch erst 1914 wurde der Hamburger Sport-Verein in das Register eingetragen. Offiziell wurde jedoch das Jahr 1887 genutzt, womit die Tradition von Germania geehrt wurde.

In der langen Vereinsgeschichte schaffte es der HSV, mehrfach um die Meisterschaft mitzukämpfen und gewann sie zuerst im Jahr 1923. In der späteren Bundesliga erreichte der HSV vier Mal das Meisterziel, bis es im Jahr 2018 nach fast 55 Bundesligajahren zum Abstieg kam. Seitdem versucht der HSV bislang vergeblich, wieder in die höchste Spielklasse zu kommen.

St. Pauli: Im Stadtteil St. Pauli sollte das Vereinswappen bezüglich der Jahreszahl auch nicht zu ernst genommen werden. St. Pauli begann mindestens im Jahr 1907, wobei der Verein eng mit dem Hamburg-St. Pauli Turnverein, gegründet 1862, verbunden ist.

Dies ist schon ein Hinweis auf einen Rivalitätsgrund, denn die Frage, welcher Club älter ist, ist diskutabel. Zu FC St. Pauli wurde der Club schließlich im Jahr 1924. Nach dem Krieg schafft es der Schlachter Miller, Spitzenfußballer nach St. Pauli zu holen. Die Elf trug die Spiele auf neutralen oder fremden Plätzen aus, da das Stadion komplett zerstört worden war.

Im ersten Jahr nach dem Krieg spielte der Club auf einer von Fans errichteten Stätte, dem Heiligengeistfeld. Im ersten Spiel kam gleich Schalke 04. In diesem Jahr hätte St. Pauli Meister der Stadtliga werden können, wäre nicht der HSV am letzten Spieltag gewesen. St. Pauli konnte in den folgenden Jahren die Ligen Richtung oben durchlaufen und stand in der Saison 47/48 sogar im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft.

1974 gelang es dem Club, zum ersten Mal im bezahlten Fußball zu spielen. Geradeaus ging es selten zu. Der Verein stieg mal ab, stieg auf, hielt die Klasse, stieg wieder ab und kassierte den Lizenzentzug. In den letzten Jahren wurde es aber deutlich ruhiger. 

Zwischen Rivalität und Solidarität: die Situation 2021

Beide Vereine sind aktuell zwar noch in der gleichen Liga, aber der HSV hat gute Chancen, aufzusteigen. Weiterhin herrscht Rivalität zwischen den beiden Clubs, allerdings haben sie in dieser Saison beide mit ihren eigenen Sorgen zu kämpfen. Ein Derbyfeeling konnte durch die Fanausschlüsse ohnehin nicht aufkommen, zudem herrschten in der Hinrunde noch echte Gegensätze. Klopfte der HSV an der Tabellenspitze an und besetzte sie, so mussten die Paulianer mit bangem Blick die Abstiegszone beäugen.

Aus Sicht von St. Pauli hat sich die Situation stark verbessert, der HSV hingegen musste die Tabellenspitze räumen, hat aber weiterhin sehr gute Chancen aufzusteigen. Vor wenigen Wochen könnte es also das letzte Spiel der Stadtkonkurrenten gegeneinander gewesen sein. Gerade bei solchen lokalen Konkurrenten brodelt es im Derby und nichts ist spannender als ein Entscheidungsspiel zwischen den Hamburger Mannschaften – diese Rivalitäten bereichern die deutschen Fußballligen ungemein.

Auch bei Freunden von Sportwetten sind solche Partien besonders beliebt, da es ohnehin immer heiß hergeht und durch die besonderen Umstände überraschende Ergebnisse entstehen können. Mit der Sportingbet App können Fußball- und Wettfans auf kommende Derbys wetten und die Achterbahn der Gefühle hautnah miterleben.

Ein Überblick über die Statistik der beiden Clubs im direkten Vergleich. 

  • Aufeinandertreffen - insgesamt sind die Teams 35-mal aufeinandergetroffen. 16 Spiele entfallen auf das Bundesligaoberhaus, 11 auf die Oberliga Nord, 6 auf die Zweite Liga und eins auf die Oberliga-Endrunde.
  • Siege St. Pauli - 7 Siege stehen insgesamt in der Bilanz. Der Letzte war Anfang März, als die Kiezkicker den HSV mit 1-0 nach Hause schickten. 
  • Siege HSV - ganze 19-mal ging das Stadtduell zu Gunsten des HSV aus. Interessant ist, dass der HSV einzig in der Bundesliga gegen St. Pauli sicher gewinnt. Acht Siege entfallen auf die Bundesliga, acht auf die Oberliga Nord. Nur ein einziges Mal gelang ein Sieg in der Zweiten Liga. 
  • Unentschieden - neun Mal wurden sich die Punkte geteilt, zuletzt in der Hinrunde. 

In der ewigen Tabelle der Zweiten Bundesliga steht St. Pauli aber mit 1.500 Punkten weit vor dem HSV (160). Hier muss allerdings die Spieldauer in der Liga berücksichtigt werden. Das Bild sieht in der ewigen Tabelle der Ersten Liga ganz anders aus: 2733 Punkte (Rang 4) zu 254 Punkten (Rang 33).

Derbys als Highlights 

Während eines Derbys herrscht eine ganz besondere Stimmung und diese hat ebenfalls Tradition, ohne die Hamburg nicht gleich Hamburg wäre. Die Atmosphäre brodelt zu den Zeiten der Derbys. Zumeist hält sich das Treiben jedoch in Grenzen und kommt nicht an Gesetzeswidrigkeiten oder echte Tumulte heran. Dennoch ist es besonders schade, dass zum letzten Derby keine Fans kommen durften. Vielleicht war es nämlich wirklich das letzte Derby auf unbestimmte Zeit. Reine Nordderbys mit Clubs aus anderen Gemeinden können mit dem  Stadtspiel natürlich nicht verglichen werden. 

Infografik

Fazit – die Wege könnten sich trennen

Es scheint ganz so, als würde die Stadt Hamburg in gut zwei Monaten etwas verlieren: Ein Highlight, welches in den letzten Jahren zuverlässig zwei Mal jährlich stattfand. Allerdings sind es die Vereine beide gewohnt, dass sich die Wege für einige Jahre trennen. Und wer weiß, vielleicht heißt es beim nächsten Aufeinandertreffen: HSV gegen St. Pauli an Spieltag X. der Ersten Bundesliga. Bis dahin darf sich der Dino auf die Bayern freuen, während St. Pauli beinahe Bundesligafeeling mit Schalke erleben darf. 

Weitere Empfehlungen