Gemeinsam gut leben: Private Wohnungsgenossenschaften als Alternative
Ratgeber Wohnen, Haus & Garten
Guter Wohnraum, den man sich leisten kann? Klingt für viele utopisch. In Ballungsräumen kämpfen nicht nur Berufstätige mit überteuerten und steigenden Mieten. Junge Familien suchen verzweifelt nach Wohnungen mit Platz und bewerben sich mit 100 anderen um ein Zuhause, das doch keine Dauerlösung ist. Studierende finden kaum ein zumutbares Zimmer. Menschen, die ewig lang zur Miete gewohnt haben, werden mit Eigenbedarfskündigungen konfrontiert. Vermieter reizen die Möglichkeit zur Mieterhöhung jährlich aus.
Bei vielen wächst der Wunsch nach einer dauerhaften, sicheren Lösung. Nach mehr Gemeinschaft, Stabilität und einem Wohnumfeld, das nicht nur funktioniert, sondern sich auch richtig anfühlt.
Eine Lösung sind private Wohngenossenschaften. Ein Wohn- und Lebensmodell, das genau in unsere Zeit passt und zugleich zukunftsgerichtet ist.
Was ist eine private Wohngenossenschaft?
Das Leben in einer Wohngenossenschaft ist ein spannender Mix aus Mieten und Kaufen: Die Wohnungen gehören der Genossenschaft, die wiederum ihren Mitgliedern gehört. Du hast also keinen klassischen Vermieter, auch keine anonyme Gesellschaft und erst recht keinen Immobilienkonzern. Der Vermieter ist die Gemeinschaft selbst.
Du erwirbst Genossenschaftsanteile (entsprechend Deiner Wunschwohnung) und wirst Teil der Gemeinschaft. Im Gegenzug erhältst du vertraglich zugesichert ein dauerhaftes Nutzungsrecht an einer Wohnung. Diese Wohnung hast du dir selbst ausgesucht, weil sie am besten zu deinen Bedürfnissen passt.
Die Genossenschaft hat darum auch nur so viele Mitglieder, wie es Wohnungen gibt – denn alle Wohnungen werden selbst genutzt. Ihr lernt euch schon vor Baubeginn kennen und gestaltet eure Wohnsituation unabhängig und doch gemeinsam.
Jede Genossenschaft hat eine überschaubare Größe. Die sehr bewusste Ausrichtung auf Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Mitgestaltung sichern den langfristigen Zusammenschluss.
Sicher wohnen – ein starkes Argument
Einer der größten Vorteile genossenschaftlichen Wohnens ist die hohe, langfristige Sicherheit.
- Kündigungen wegen Eigenbedarfs? Kann es nicht geben, denn alle nutzen ihre Wohnung ja schon selbst.
- Spekulative Mieterhöhungen? Ebenfalls kein Thema, da sich das Nutzungsentgelt (die „Miete“) an den tatsächlichen Kosten und nicht am Marktpreis orientiert. Die Genossenschaft arbeitet nicht gewinnorientiert.
Das schafft Planbarkeit – zum Beispiel für junge Familien, die ein verlässliches Umfeld wünschen, in dem ihre Kinder aufwachsen können und für die eine langfristig kalkulierbare Miete wichtig ist.
Gerade in Zeiten von Wohnungsknappheit und explodierenden Mieten wirkt das Prinzip fast entschleunigend auf die eigene Lebenssituation. Wer einmal Teil der Genossenschaft ist, kann langfristig bleiben. Das entlastet nicht nur finanziell, sondern auch emotional.
Mitgestalten statt nur wohnen
In einer privaten Wohngenossenschaft geht es um mehr als Quadratmeter. Mitglieder können mitreden und mitentscheiden: bei der Gestaltung der Wohnanlage, bei Gemeinschaftsflächen oder bei der Ausrichtung des Zusammenlebens.
Das heißt nicht, dass jede Kleinigkeit basisdemokratisch diskutiert werden muss – wohl aber, dass alle mitwirken können und Verantwortung teilen. Und zwar nach dem Prinzip: „eine Person, eine Stimme“ – unabhängig von der Anzahl der gezeichneten Anteile. Wer mehr tun will, kann zum Beispiel im gemeinschaftlichen Vorstand mitarbeiten (und damit auch etwas für den eigenen Lebenslauf tun). Andere bringen ihre handwerklichen Talente ein oder konzentrieren sich auf das Miteinander und organisieren Spielnachmittage, Grillabende oder andere gemeinsame Aktivitäten.
Für viele ist genau das der Reiz: nicht anonym Tür an Tür zu leben, sondern die Nachbarschaft aktiv zu gestalten.
Die Wohngenossenschaft: Konzept für alle Lebensphasen
Das genossenschaftliche Wohnen ist erstaunlich vielseitig. Junge Familien schätzen den sicheren Rahmen für Kinder und kurze Wege. Berufstätige Singles und Paare profitieren von stabilen Wohnkosten und einer lebendigen, aber nicht aufdringlichen Nachbarschaft. Studierende finden hier eine Alternative zum überhitzten WG-Markt (Eltern und Großeltern helfen erfahrungsgemäß gern, wenn es darum geht, die Genossenschaftseinlage zu finanzieren). Aktive Ruheständler*innen wiederum schätzen die Mischung aus Eigenständigkeit und sozialer Nähe.
Wichtig ist: Die Gemeinschaft ist kein Zwang. Jede und jeder entscheidet selbst, wie viel Nähe gewünscht ist. Genau diese Balance macht das Modell der privaten Wohngenossenschaft für so viele Menschen attraktiv.
Zeitgemäße Neubauten – mit sozialen und nachhaltigen Komponenten
In vielen privaten Wohngenossenschaften entstehen zudem architektonisch interessante Neubauten, die nachhaltige und soziale Aspekte von Beginn an mitdenken: gemeinsame Höfe, Dachterrassen, Werkstätten, Gemeinschaftsräume oder Gästeapartments fördern die Begegnung.
Viele private Wohngenossenschaften setzen bewusst auf Neubauprojekte. Das bedeutet: moderne Grundrisse, barrierearme und schwellenfreie Räume, gute Energieeffizienz, nachhaltige und gesunde Baumaterialien und vieles mehr. Statt kurzfristiger Rendite stehen der langfristige Nutzen, die Nachhaltigkeit und gesundes Wohnen im Vordergrund. So entstehen Wohnräume, die ökologisch sinnvoll, architektonisch ansprechend und sozial durchdacht sind.
Ein bewusster Gegenentwurf zu anonymen Gebäuden, die vor allem auf Renditemaximierung ausgelegt sind.
Finanzierbarkeit: Kann ich mir das leisten?
Ein häufiges Missverständnis: Das genossenschaftliche Wohnen sei nur für Menschen mit viel Eigenkapital möglich.
Im Gegenteil: Gerade das gemeinschaftliche Wohnen wird öffentlich gefördert und dadurch für viele Menschen bezahlbar: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert zum Beispiel die Genossenschaftseinlage mit günstigen Darlehen und Zuschüssen. Staatliche Förderprogramme wie der Wohnberechtigungsschein eröffnen Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen den Zugang zu modernem Wohnraum.
Auf Ebene der Genossenschaft werden die langfristigen Bankdarlehen um zinsgünstige Förderkredite ergänzt – wie etwa der KfW für energieeffizientes und nachhaltiges Bauen.
So bleiben sowohl die Baukosten als auch die laufenden Wohnkosten dauerhaft kalkulierbar und so stabil wie irgend möglich.
Ein zukunftsgerichtetes, enkeltaugliches Modell
Zwar werden Genossenschaften allein die angespannte Lage im Wohnungsmarkt nicht lösen – doch sie sind ein wichtiger Baustein, um ihr zu begegnen. Denn sie entziehen das Wohnen bewusst der Spekulation, schaffen langfristig kalkulierbaren und bezahlbaren Wohnraum sowie stabile und langfristige Nachbarschaften.
So werden die Menschen selbst Teil der Antwort. Sie schaffen Verlässlichkeit, indem sie ihre Anteile und die Wohnung später an ihre Kinder und Enkel übertragen können. Zudem wird die nächste Generation gleich in die Gemeinschaft integriert.
Die Genossenschaft wächst dadurch gesund weiter und ermöglicht einen positiven Blick in die Zukunft – zu jeder Zeit, für alle Generationen.
Aktuelle genossenschaftliche Projekte im Norden (und ganz Deutschland)
Mehrere neue private Wohngenossenschaftsprojekte entstehen derzeit unter Federführung von TING Projekte – einer jungen und motivierten Gesellschaft, die 2019 mit dem Nachhaltigkeitspreis der Stadt Kiel für ihr soziales Engagement ausgezeichnet wurde. Im Norden findest du aktuelle Vorhaben zum Beispiel hier:
- Op’n Holm eG in Heide » https://ting-projekte.de/project/opn-holm-eg/
- Fleur de Selent eG am Selenter See » https://ting-projekte.de/project/wohngenossenschaft_fleur-de-selent-eg/
- Zur Schille eG in Springe bei Hannover » https://ting-projekte.de/project/zur-schille-eg-in-springe-bennigsen/
Außerdem gibt es Projekte im Rhein-Main-Gebiet und in Fulda.
Wer sich früh informiert, entscheidet und Anteile zeichnet, kann den Entstehungsprozess der Gemeinschaft aktiv begleiten und mitgestalten.
Ob junge Familie, Studierende, Paar oder Ruheständler: Wenn du sicherer, aktiver, gemeinschaftlicher und langfristiger wohnen möchtest, findest du in privaten Wohngenossenschaften eine echte Perspektive.
Genossenschaftlich wohnen heißt, Teil von etwas Größerem zu sein. Das Wohnmodell, bietet eine Vision, wie wir in Zukunft zusammenleben wollen.