Gebärdensprache lernen auf Monitoren in Bussen und Bahnen

Der Hamburger Verkehrsverbund (hvv) unterstützt den Gehörlosenverband Hamburg, um auf die kulturelle Teilhabe von gehörlosen Menschen aufmerksam zu machen. Mit eigens für die Bus- und Bahnmonitore der HOCHBAHN, der S-Bahn-Hamburg und der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) produzierten Videos, können Fahrgäste ab sofort einzelne Wörter und Sätze in Gebärdensprache lernen.

U-Bahn, © Hamburger Hochbahn
U-Bahn, © Hamburger Hochbahn

In der Freien und Hansestadt Hamburg leben etwa 2.000 gehörlose Menschen. Sie verständigen sich im Wesentlichen über die Deutsche Gebärdensprache (DGS). Hierbei handelt es sich um eine visuelle Sprache, die über eine eigenständige Grammatik und ein vollumfängliches Vokabular verfügt. In der gebärdensprachlichen Kommunikation werden Inhalte über Hände, Mimik und Oberkörper transportiert. Sie ist zwar über Jahrhunderte hinweg als natürliche Sprache entstanden, aber erst seit 2002 in Deutschland als eigenständige Sprache anerkannt.

Fahrgäste lernen mit Tutorials einzelne Gebärden und Sätze

In kurzen Videos zeigen Mitarbeiter des Gehörlosenverbands Hamburg hvv-Fahrgästen ganz einfach, wie einzelne Wörter oder Sätze in Gebärden bzw. Gebärdensprache umgesetzt werden: Seit dem 8. März 2022 werden in Bussen und Bahnen im hvv Begriffe gezeigt, die für ein kurzes Gespräch nötig sind. Im April drehen sich die vorgestellten Begriffe dann rund um das Osterfest. Weitere Gebärdensprach-Tutorials sind bereits in Planung.

Stefan Palm-Ziesenitz, Vorsitzender des Gehörlosenverbands Hamburg:

"Das hvv-Fahrgastfernsehen in U- und S-Bahnen sowie den Bussen der HOCHBAHN und der VHH hilft gehörlosen Menschen schon heute durch visuell zugängliche Informationen. Denn auf dem geteilten Bildschirm wird auf der linken Seite der Fahrtweg mit den folgenden Haltestellen angezeigt. Das hilft bei der Orientierung. Im Wechsel mit Informationen erscheinen nun die Gebärdensprach-Tutorials – das freut uns besonders. So können wir als Interessenverband der Gehörlosen, Schwerhörigen und Spätertaubten viele Menschen darauf aufmerksam machen, dass es die Deutsche Gebärdensprache gibt und durch das Lernen einzelner Gebärden für noch mehr Verständigung sorgen – und das nun auch im öffentlichen Nahverkehr. Was viele nicht wissen, die Gebärdensprache ist eine vollwertige Sprache, gleich zu setzen mit den Lautsprachen, in der alles zum Ausdruck gebracht werden kann bis hin zu wissenschaftlichen Vorträgen und verschiedenen Formen der Poesie."

Anna-Theresa Korbutt, Geschäftsführerin des hvv: "Ein vielfältiges Angebot, Qualität und Pünktlichkeit sind hohe Güter im öffentlichen Nahverkehr – aber genauso wichtig sind gute Möglichkeiten der Kundenkommunikation, und zwar auf allen Ebenen. Mit den Gebärdesprachen-Tutorials schaffen wir neue Wege für unsere Fahrgäste, Verständigungsbarrieren im alltäglichen Miteinander zu verringern."

Gebärdensprache schafft kulturelle Teilhabe

Der Gehörlosenverband Hamburg ist als Interessenverband mit dem Anliegen auf den hvv zugegangen, mehr Menschen für die Belange und Sprache der Gehörlosen, Schwerhörigen und Spätertaubten in der Gesellschaft zu sensibilisieren. Gemeinsam wurde die Idee entwickelt, Gebärdensprach-Tutorials zu platzieren. Denn die Kommunikation gehört zur Routine im gesellschaftlichen Miteinander. Viele gehörlose Menschen stoßen täglich aber auf kommunikative Herausforderungen.

Schon im Dezember 2021 hatte der Gehörlosenverband Hamburg Lernvideos zur Gebärdensprache mit Weihnachts- und Silvesterbegriffen erstellt und auf den Bus- und Bahnmonitoren im hvv gezeigt – und dafür viel positives Feedback erhalten. Ein Fahrgast bedankte sich, weil er nach einer Busfahrt seinem gehörlosen Nachbarn frohe Weihnachten in Gebärdensprache wünschen konnte. Auch bei Gehörlosen selbst kam die Aktion so gut an, dass aus der Testphase nun eine ganze Serie entstanden ist.

Quelle: Hamburger Verkehrsverbund GmbH

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