Die angemessene Höhe der Abfindung im Aufhebungsvertrag

Ein Aufhebungsvertrag ist ein guter Weg, ein Arbeitsverhältnis einvernehmlich zu beenden. Vorteilhaft ist dieser Schritt für Arbeitnehmer jedoch nur, wenn der Aufhebungsvertrag eine angemessene Abfindung beinhaltet. Dabei gibt es keine Hilfe vom Gesetzgeber, die genaue Höhe einer Abfindung basiert lediglich auf den individuellen Verträge zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Die angemessene Höhe der Abfindung im Aufhebungsvertrag, © Thorben Wengert, pixelio.de
Die angemessene Höhe der Abfindung im Aufhebungsvertrag, © Thorben Wengert, pixelio.de

Mit dem Aufhebungsvertrag können sowohl Paragrafen aus dem Arbeitsvertrag modifiziert als auch neue Vereinbarungen geschlossen werden. Eine gute Richtlinie für die Höhe der zu erwartenden Abfindung ist dabei die sogenannte Regelabfindung. Aber Achtung: Diese Regelung ist nicht bindend für den Arbeitgeber.

Was versteht man unter Regelabfindung?

Unter der Regelabfindung versteht man eine Abfindungssumme, die unter Zuhilfenahme der gängigen Faustformel errechnet wird. Dabei geht man von einem halben Monatsverdienst aus, multipliziert mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit in Jahren. Eine Höchstsumme definiert außerdem § 10 Abs. 1 KSchG. Demzufolge liegt die Obergrenze der Abfindung bei nicht mehr als zwölf vollen Monatslöhnen. Diese Grenze erhöht sich, falls der Arbeitnehmer das 50. Lebensjahr vollendet hat und das Arbeitsverhältnis bereits seit mehr als 15 Jahren besteht. In diesem Fall erhöht sich die Abfindung auf maximal 15 Monatslöhne.

Mitarbeiter, die älter als 55 Jahre alt sind und seit mehr als 20 Jahren im Unternehmen beschäftigt sind, erhalten sogar bis zu 18 Monatsverdiensten.

Beispiel:

  • Ein Arbeitnehmer verdient 5.000 Euro brutto pro Monat und ist 7 Jahre lang im Betrieb beschäftigt.
  • Daraus folgt: 7 Jahre × 0,5 × 5.000 € = 17.500 Euro
  • Die Regelabfindung beträgt 17.500 Euro.

Eine höhere Abfindung aushandeln

Falls Sie glauben, eine höhere Abfindung zu verdienen, steht es Ihnen frei, mit Ihrem Arbeitgeber zu verhandeln. Diese Chance sollte man daher immer nutzen, wenn es Hinweise darauf gibt, dass die ursprüngliche Summe nicht angemessen sein könnte. Falls Sie glauben, eine zentrale Rolle im Unternehmen eingenommen zu haben, der Lohn durch Sachleistungen ergänzt wurde, der nicht bei der Abfindung berücksichtigt wurde oder in ähnlichen Fällen, lohnt es sich daher in den meisten Fällen, die Beratung durch einen erfahrenen Anwalt in Anspruch zu nehmen.

Warum zahlen Arbeitgeber eine Abfindung?

Um seine Verhandlungsposition richtig einzuschätzen, ist es sinnvoll, sich die Motive des Arbeitgebers vor Augen zu halten. Soll der Arbeitnehmer schnell gekündigt werden, benötigt das Unternehmen dafür eine wichtigen Kündigungsgrund. Andernfalls wird die Kündigung später ziemlich sicher nicht einer Überprüfung vor Gericht standhalten.

Um sich vor einer späteren Kündigungsschutzklage durch den entlassenen Arbeitnehmer zu schützen, bietet der Arbeitgeber stattdessen einen Aufhebungsvertrag an, in dem auf später rechtliche Schritte durch den Arbeitnehmer verzichtet wird. So kauft sich der Arbeitgeber also von der Verpflichtung frei, sich an vertragliche oder gesetzliche Regeln zu halten, welche die gewünschte Beendigung des Arbeitsverhältnisses verhindern. Der Vorteil ist, dass der Mitarbeiter sofort aus dem Unternehmen ausscheidet und die freie Stelle sofort wieder vergeben werden kann.

Abfindung versteuern

Wer eine höhere Abfindung erhält, muss auch höhere Steuern bezahlen. Denn seit 2006 sind Abfindungen nicht mehr steuerfrei. Glücklicherweise fallen aber keine Beiträge für die Sozialversicherung auf die Abfindungssumme an. Die anfallenden Steuern sollten aber niemanden davon abhalten, eine bessere Abfindung auszuhandeln. Je nach Verhandlungsgeschick und Wohlwollen des Arbeitgebers kann dies eine spürbare Verbesserung der Abfindungshöhe nach sich ziehen.

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