Hamburger Köpfe & Persönlichkeiten
Gustaf Gründgens
In der wunderbaren Reihe "Hamburger Köpfe" wurde der neueste Band dem Schauspieler und Intendanten Gustaf Gründgens gewidmet.
Gustaf Gründgens war nicht nur der – je nach Perspektive – erfolgssüchtige Karrierist, der die Kulturfassade des Dritten Reichs aufpolierte, oder der menschlich integre und dabei persönlich gefährdete Intendant, dessen Theater einen Freiraum innerhalb des totalitären Staates bot. Er war auch der Filmschurke par excellence und der nonchalante Chansonnier, ein von seinen Anhängern fast kultisch verehrter Künstler und dabei ein zutiefst einsamer Mensch, er war Mephisto und Hamlet zugleich.
Gustav Heinrich Arnold Gründgens wurde 1899 in Düsseldorf geboren, nach Schule und abgebrochener Lehre begann er 1917 mit Schauspielunterricht und debütierte 1918 in Ludwig Fuldas Lustspiel "Jugendfreunde". 1921 verwendet er erstmals die Schreibweise Gustaf für seinen Vornamen.
In den 20er-Jahren hatte er als jugendlicher Bonvivant und Charakterspieler Engagements an zahlreichen Bühnen, darunter auch in Kiel und an den Hamburger Kammerspielen. 1925 lernte er bei Gastspielen in Berlin die Geschwister Erika und Klaus Mann kennen. Am 24. Juli 1926 heiratete er Erika Mann in München, die Ehe hielt kaum drei Jahre.
Es folgen Engagements an zahlreichen Berliner Theatern. 1932 gab Gründgens sein Debüt als Mephisto in Goethes Faust am Preußischen Staatstheater.
1934 beruft Hermann Göring Gründgens als kommissarischen Leiter des Preußischen Staatschauspiels. 1937 wird ihm durch Adolf Hitler der Ehrentitel "Generalintendant" verliehen.
Nach der Kapitulation wird Gründgens am 6. Juni 1945 verhaftet. Er kommt am 9. März 1946 wieder frei und kann bereits im Mai 46 wieder auf der Bühne stehen. Nach verschiedenen Entnazifizierungsverfahren wird er am 7. April 1948 als endgültig "entlastet" eingestuft.
Danach folgen Stationen als Generalintendant der Städtischen Bühnen Düsseldorf, die Ernennung zum Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins.
Von 1955 bis 1963 ist Gustaf Gründgens Generalintendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Hier erziehlt in der Rolle des Mephisto seine großen Erfolge. Es folgen Gastspielreisen nach Italien und New York. Am 14. April 1963 hat Gründgens letzte Inszenierung "Hamlet" am Deutschen Schauspielhaus Premiere. Er stirbt am 7. Oktober 1963 in Manila während einer Weltreise.
Der promovierte Theaterwissenschaftler und Regisseur Thomas Blubacher (geb. 1967 in Basel) zeichnet kenntnis- und faktenreich den widersprüchlichen Weg des einzigartigen Künstlers nach.
Gustaf Gründgens
von Thomas Blubacher, Herausgegeben von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Verlag Ellert & Richter 2011, 160 Seiten, Preis 14,90 Euro. Direkt bei Amazon bestellen.
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