Kirchen, Tempel und Moscheen
Orgeln in Hamburg
Dass Hamburg die Welthauptstadt der Kirchenmusik ist, ist bekannt. Dafür spricht auch die enorme Vielfalt der Hamburger Orgellandschaft in der Hansestadt. Hamburg, im 17. Jahrhundert eine Art Wallfahrtsort für Organisten, ist die einzige Stadt weltweit, in der über einen Zeitraum von fünf Jahrhunderten der Orgelbau kontinuierlich stil- und geschichtsbildend betrieben wurde. Eine Leistung, die sich auch in der Fachsprache niederschlug: Der bestimmte Werkaufbau einiger Orgeln wird "Hamburger Prospekt" genannt.
In Hamburg und um Hamburg herum hat vor allem der große Orgelbauer Arp Schnitger (1648-1719) mehrere Zeugnisse seiner Kunst hinterlassen: Die viermanualige Schnitger-Orgel in St. Jacobi, 1693 vollendet, ist mit ihren 60 Registern und etwa 4.000 Pfeifen die größte erhaltene Barockorgel im norddeutschen Raum. Auch für St. Nikolai hatte Schnitger eine Orgel entworfen, doch das Instrument – bis dahin das größte Europas – wurde beim großen Hamburger Brand von 1842 ein Raub der Flammen.
Für die Rekonstruktion der 1943 größtenteils verloren gegangenen, von Johann Sebastian Bach 1720 gespielten und gerühmten Orgel in St. Katharinen stellte die "Zeit"-Stiftung 250.000 Euro bereit. Beim Abbau der alten Orgel wurde das gesamte historische Pfeifenmaterial genau untersucht. Aus dieser bedeutenden Walcker-Orgel sind 19 Register teilweise bzw. einige Register ganz erhalten. 2006 konnte die neue Orgel von Gerald Woehl eingeweiht werden. Sie fügt sich wunderbar in den akustischen Raum der Katharinenkirche ein. In der neuen Woehl-Orgel ist ein Manual, das schwellbare Oberwerk, weitgehend komplett mit Registern von Walcker wieder hörbar. Daneben gibt es schöne Solo-Stimmen von Walcker im Hauptwerk und großartige Bass-Stimmen im Pedal. Die neue Woehl-Orgel der Katharinenkirche findet bei internationalen Experten und Musikliebhabern großen Zuspruch.

- Große Beckerath-Orgel von St. Petri
St. Petri, die älteste Hamburger Hauptkirche, besitzt drei Orgeln aus der Werkstatt von Rudolf von Beckerath. Die Firma zählt weltweit zu den renommiertesten Orgelbauern. Rudolf von Beckerath baute 1955 eine Orgel für St. Petri. In den 60er-Jahren entstanden Instrumente in St. Marien und in Altenwerder, außerdem wurde von dieser Firma die berühmte Schnitger-Orgel in Neuenfelde renoviert.
In St. Petri erklingen seit Jahrhunderten große und prachtvolle Orgeln. Im Jahre 1360 wurde zum ersten Mal eine Orgel schriftlich erwähnt, obwohl sicherlich schon wesentlich länger Instrumente dort standen und gespielt wurden.
Mehrere der Orgeln in St. Petri wurden zu Referenzinstrumenten für den norddeutschen Raum, so die Orgel von Henrik Niehoff von 1548, das Instrument von Walcker von 1885 und die Orgel des Hamburger Orgelbauers Rudolf von Beckerath, die als erstes Instrument nach dem 2. Weltkrieg in einer Hamburger Hauptkirche aufgestellt wurde.
Eben diese Beckerath-Orgel mit fast 5.000 Pfeifen, die 2006 nach einer tiefgreifenden Restaurierung und Erweiterung durch Alexander Schuke nun wieder täglich in Gottesdiensten, Konzerten und der traditionellen Stunde der Kirchenmusik gespielt wird, steht im Mittelpunkt der Hamburger Orgelnacht.
In St. Michaelis, dem Hamburger "Michel", befinden sich drei Orgeln: die kleine Grollmann-Orgel im Altarraum, die Marcussen-Orgel auf der Konzertempore und die große Steinmeyer-Orgel mit 85 Registern und 6.665 Pfeifen. Der Schriftsteller und Orgelbauer Hans-Henny Jahnn (1894-1959) hat in Hamburg drei Orgeln entworfen. Die zwischen 1926 und 1931 errichtete Orgel in der Aula der Heinrich-Hertz-Schule gilt als sein bedeutendstes Instrument. In der Laeiszhalle prägt eine große Konzertorgel das Bühnen-Bild, die sowohl bei entsprechendem Orchester-Repertoire wie auch in Orgel-Konzerten zum Einsatz kommt.
Ein besonders ausgefallenes Instrument ist die Welte-Funkorgel des NDR, die 1930 in den Sendesaal der damaligen "Norag" eingebaut wurde. Sie gilt als größtes erhaltenes Instrument ihrer Art.
Text: Sabine Hengesbach, Musikmetropole Hamburg
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