Hamburger Köpfe & Persönlichkeiten
Hamburger Köpfe – Zeichnungen von Werner Fritz Zganiacz
Werner Fritz Zganiacz ist zahlreichen Hamburgern durch seine zum Teil humoristischen, aber auch zeitkritischen Zeichnungen und Cartoons bekannt, die vorwiegend in der gehobenen Gastronomie der Elbvororte ausgestellt sind.
Zusammen mit seinem Freund und Mitherausgeber Dr. Reiner Schmitz hat Zganiacz nun einen Kunstband mit 62 Hamburger Köpfen veröffentlich, die Persönlichkeiten aus den vergangenen zwölf Jahrhunderten zeigen, darunter auch vier Damen. Eine Ausnahme gibt es dabei: Den Abschluss macht eine noch lebende Legende – Helmut Schmidt, der es auch übernommen hat, das Geleitwort zu schreiben und damit den historischen Köpfen einen zeitgemäßen Rahmen gibt. Helmut Schmidt hatte bereits vor einigen Jahren die Anregungen zu einer gleichnamigen Buchreihe gegeben, die sich seitdem mit Hamburger Persönlichkeiten und deren Verdiensten um die Stadt beschäftigt.
Gezeigt werden die Geschichte Hamburgs und die sie prägenden Menschen in Bildern und mit Kurzbiografien. Beginnend mit St. Ansgar, der 831 von Ludwig dem Frommen zum Erzbischof von Hamburg geweiht wurde und danach der "Hammaburg" zu einem ersten Aufschwung und zur frühen Blüte verhalf – leider nicht von Dauer.
Heilwig von der Lippe (etwa 1200 bis 1250) entschloss sich, nachdem sich ihr fromm gewordener Mann Graf Adolf IV von ihr zurückzog, um ins Kloster zu gehen, ihrerseits ihren Witwensitz in ein Zisterzienserinnenkloster umzuwandeln, das noch heute als "Evangelisches Damenstift Kloster St. Johannis" in der Eppendorfer Heilwigstraße geführt wird.
Seeräuberhauptmann Klaus Störtebeker, den man 1401 mit 30 weiteren Kumpanen auf dem Grasbrook hinrichten lies, der wenig bekannte Aufrührer der Hamburgischen Geschichte Hinrich vam Lo, der zudem für die Zunft der Bierbrauer stand, Johannes Bugenhagen, der nur acht Monate (Oktober 1528 bis Juni 1529) in Hamburg gastierte, es jedoch in dieser kurzen Zeit schaffte, das Hamburger Kirchen- und Schulwesen grundlegend und nachhaltig neu zu ordnen, werden ebenso vorgestellt wie der Niederländer Rudolf Amsinck (1577 bis 1636), dessen Familie die "Niederländische Armenkasse" gründete, der Naturwissenschaftler und Lehrer Joachim Jungius (1587 bis 1657) oder die Dichter Barthold Hinrich Brockes (1680 bis 1747) und Gotthold Ephraim Lessing (1729 bis 1781).
Zu den Größen der beiden letzten Jahrhunderte gehören der Reeder Ferdinand Laeisz, dem es durch die Erfolge im Salpetergeschäft möglich wurde, den Hamburgern eine Musikhalle zu stiften, die noch heute das Zentrum der Klassischen Musik bildet und in der auch Johannes Brahms, ebenfalls im Buch porträtiert, mit einer Büste gewürdigt wird. Carl Gottlieb Hagenbeck, der ab 1866 aus einer kleinen Tierhandlung den Grundstein für Hamburgs schönen Tierpark legte, Max Liebermann, als bedeutender Verteter des deutschen Impressionismus, der 1902 im Hotel Louis C. Jacob in Hamburg weilte und dessen Lindenterasse er mit seinen Gemälden weltberühmt gemacht hat, werden ebenso vorgestellt wie Louis Carl Jacob III, der die von seinem Großvater gegründete Weinwirtschaft zu einem international renommierten Hotel und Restaurant ausbaute, das heute noch, von der Familie Rahe übernommen, in der Liga der Luxushotels mit Sterneküche angesiedelt ist.
Jede Epoche hat ihre Gesichter und wird durch ihre Chraktere repräsentiert. Der Bildband, in dem die portraitierten Köpfe durch Kurzbiographien ergänzt werden, soll ein unterhaltsames "Bilderbuch" sein, das Neugierde und Lust auf eine Beschäftigung mit der Hamburger Geschichte weckt, zu der Maler, Dichter, Musiker, Schauspieler und Architekten, aber auch Kaufleute, Reeder, Würdenträger der Kirche, Piraten und Bankiers beigetragen haben.
Hamburger Köpfe
von Reiner Schmitz (Autor) und Werner Zganiacz (Herausgeber und Illustrator), Blankeneser Verlag 2011, 114 Seiten, 62 farbige Abbildungen, Preis 39,90 Euro.
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