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Die Ohlendorffs – Aufstieg und Untergang einer Hamburger Familie

Die Ohlendorffs: Aufstieg und Untergang einer Hamburger Familie

Die Guano-Importeure Albertus und Heinrich von Ohlendorff galten vor dem Ersten Weltkrieg als die wohlhabendsten Hamburger. Karin von Behr erzählt die Geschichte der Familien der Brüder, die in einem Strohdachhaus im Botanischen Garten am Dammtor beginnt und über die größte Hamburger Villenpracht an der Alster und im Gartenparadies Hamm in einer 15-Zimmer-Junggesellenbleibe im heutigen Volksdorf endet.Johann Heinrich Ohlendorff, der Stammvater der Hamburger Familie, war ein weit gereister Pflanzenkenner und wurde zum ersten Gartenbaudirektor des botanischen Garten am Dammtor berufen, bis er sich mit der Hammer Baumschule J. H. Ohlendorff & Söhne selbstständig machte. Die Söhne Heinrich und Albertus übernahmen nach dem Tod des Vaters nicht nur den Baumschulbetrieb, sonder kamen besonders durch den Guano-Handel zu großem Reichtum, der durch umfangreiche Bautätigkeiten in der Hansestadt sichtbar wurde. Der Hamburger Stadtarchitekt Martin Haller war zeitlebens für die Familie tätig und entwarf für sie das prächtige Hammer Stadtpalais, den Dovenhof oder die Volksdorfer Villen.1884 erfolgte die Umwandlung der Firma Ohlendorff & Co. in die Aktiengesellschaft Anglo-Continentale Guano-Werke in Hamburg. Heinrich von Ohlendorff zog sich gegen den Willen seines Bruders aus der Geschäftsleitung der gemeinsamen Firma zurück und wandte sich ebenfalls erfolgreich dem Kontorhausbau in Hamburg zu. Nach dem Tod des Bruders führte Heinrich das Guano-Imperium jedoch weiter. Sechs Töchter und vier Söhne hatte Heinrich von Ohlendorff mit seine Frau Elisabeth. Sie führenden ein luxuriöses Leben zwischen Hamburg und Volksdorf, es mangelte an nichts und soziales Engagement wurde im großen Stile betrieben. Als Dank dafür wurden die Ohlendorffs in den Adelsstand erhoben. Lieblinskind der Mutter war der Nachzügler Heinrich Hans. Er wurde trotz künstlerischer Vorlieben zur Mitarbeit im väterlichen Betrieb genötigt. Dennoch lebte er für seine musikalischen Interessen und war eng mit Max Reger befreundet. 1919 zog sich Vater Heinrich von Ohlendorff aus Altergründen aus der Firma zurück und übergab Hans das Unternehmen. Nach dem Tod der Eltern musste das Erbe unter den Geschwistern aufgeteilt werden, Immobilien wurden verkauft, Hans ordnete sein Leben neu in einer Volksdorfer Villa, wo er sich seiner Leidenschaft – der Musik  und der Freimaurerei – widmete. Bis 1945 wohnte Hans von Ohlendorff zurückgezogen in seinem Landhaus. In den darauf folgenden Jahren gab es zahlreiche Umfirmierungen und Standortwechsel der Ohlendorff Baufirma. 1959 schied Hans ganz aus dem Unternehmen aus.Erst mit 68 Jahren hat Hans den Wunsch seiner Mutter erfüllt und geheiratet, ganze 16 Jahre konnte das Ehepaar noch zusammen leben. Dank der Weitsicht von Hans von Ohlendorff befindet sich heute zahlreiche Dokumente zur Familie und ihren Besitztümern im Hamburger Staatsarchiv und verschiedenen Museen.

Von Karin von Behr, Edition Temmen 2010, 176 Seiten, Preis 14,90 Euro.

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17.09.2010



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