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Der Rubens der Reeperbahn
"Frivol und kokett, manchmal üppig, aber nie unanständig", so beschreibt Erwin Ross seine Pin-up-Kunst, die das Gesicht der Hamburger Reeperbahn seit über 50 Jahren prägt. Heute sieht man nur noch wenige seiner Arbeiten an Fassaden oder Schaufenster, sie sind verwittert, verkauft oder verschwunden wie viele legendäre Volksbelustigungen der ehemaligen Vergnügungsmeile, als die Kundschaft noch mit Gemaltem gelockt wurde. Die Bilder von Erwin Ross sind heute vorwiegend in Privatbesitz.
Ross, der seine ersten Bilder in englischer Kriegsgefangenschaft malte – er porträtierte die Frauen der englischen Offiziere, begann 1948 bei der Konsumgenossenschaft Eberswalde als Plakatmaler, porträtierte jahrelang Marx und Lenin, die er "heute noch im Dunkeln malen" kann, und kam schließlich Mitte der 50er-Jahre nach Hamburg, wo er per Zeitungsannonce den ersten Auftrag zur Ausstattung des Amüsierlokals Tabu erhielt. Seitdem hat Ross mit Pinsel und Paintbrush über 1.000 Hamburger Mädchen verewigt, Bühnendekorationen entworfen und ganze Etablissements ausgestattet. Auch der Schriftzug auf dem Schlagzeug der Beatles stammt von ihm.
Der hochwertig ausgestattete Bildband zeigt das ganze Spektrum des Werks von Erwin Ross: frühe Bilder aus der DDR, die neckischen Mädchen der Fünfziger, breite Hüften und Superbusen aus den Sechzigern, schlanke Mädchen aus den Siebzigern sowie zahlreiche Hamburg- und Porträtbilder: Hans Albers, die Beatles, Jimi Hendrix, Domenica, Udo Lindenberg, Jan Fedder u. a.
Auch die Spielkarten, Telefonkarten oder Kampagnen für Astra mit seinen Pin-up-Grils sind zu sehen. Ergänzt wird der Bildband durch Schwarz-Weiß-Fotos zum Leben und Arbeiten des Malers. Noch heute steht Erwin Ross jeden Tag in seinem Atelier im St. Pauli Museum an der Leinwand. Sein Buch ist ein Stück Geschichte der Kiezkultur.
Der Rubens von der Reeperbahn
Autor und Bilder: Erwin Ross, Junius Verlag 2011, 79 Seiten, Preis 19,90 Euro. Direkt bei Amazon bestellen.
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