| Kunst im öffentlichen Raum |
Der Begriff "Kunst im öffentlichen Raum" umfasst ein breites Spektrum an
verschiedenen Kunstformen, beispielsweise Denkmäler, Skulpturen,
Installationen, Wandmalereien und
Graffiti. Wichtig ist, dass die
Kunstwerke an Straßen, in Parks, Verkehrsmitteln und anderen öffentlichen
Plätzen verwirklicht sind, sodass sie von jedem betrachtet und erlebt werden
können.
Seit der Hamburger Senat 1981 das Programm "Kunst im öffentlichen Raum"
beschloss, nimmt Hamburg eine Vorreiterrolle in Bezug auf die Förderung
aktueller Kunst ein. Das Programm hat den Vorteil, dass kein Bauherr,
Architekt oder sonstiger nicht Sachverständiger entscheiden kann, welche
Kunstwerke umgesetzt werden. Nur die Hamburger Kulturbehörde, die von einer
kompetenten Kunstkommission beraten wird, kann Schwerpunkte setzen oder
bestimmte Künstler auswählen. Charakteristisch ist immer die Ortsbezogenheit
der Werke: Jedes Kunstobjekt wird vom Künstler eigens für den späteren
Darstellungszusammenhang konzipiert.
Aber auch an Kunstwerken älteren Datums hat Hamburg einiges zu bieten. Viele
davon sind längst berühmt geworden und immer einen Besuch wert. Eine kleine
Auswahl aktueller und älterer Kunstwerke soll hier vorgestellt werden.
Adam plündert sein Paradies
Beflaggung der Kunstmeile
Hamburg
Black Form
die eigene GESCHICHTE
Graffiti
Hamburger Ehrenmal
Hummel-Brunnen
Kaiser Wilhelm I.
Loreley an der Elbe
Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt
Pflanzeninseln
Störtebeker-Denkmal
Vier Männer auf Bojen
Zitronenjette
Adam
plündert sein Paradies
Künstler: Waldemar Otto
seit 1982
Ort: Botanischer Garten
Die Skulptur am Eingang des Botanischen Gartens fällt vielen Passanten vor
allem durch ihre originelle Unterhose auf. Bald nach Aufstellung der Figur
malten ihr Unbekannte einen wärmenden "Schlüpfer", der immer wieder
vergeblich entfernt wurde und schließlich bestehen blieb. Die wenigsten
wissen, dass es sich bei dem prominenten Unterwäscheträger um einen Teil der
Skulptur "Adam plündert sein Paradies" handelt. Ursprünglich sollte sich
noch eine Eva hinzugesellen, doch aufgrund der hohen Kosten wurde darauf
verzichtet. Wer genau hinsieht, kann aber im goldenen Apfelbaum Evas Hand
erkennen!
Beflaggung
der Kunstmeile Hamburg – Die international renommierten Künstler Neo
Rauch, Hanne Darboven, Peter Kogler, Franz Erhard Walther, Lawrence Weiner,
Rosemarie Trockel, Maik und Dirk Löbbert und Stephan Balkenhol konnten für
ein außergewöhnliches Projekt im Hamburger Stadtraum gewonnen werden: Jeder
von ihnen gestaltete eine Gruppe von drei Flaggen, die an acht Punkten
entlang der Kunstmeile Hamburg zu sehen sind.
Die Kunstmeile Hamburg verbindet die sieben großen Kunstmuseen und
Ausstellungshäuser
Hamburger Kunsthalle,
Museum für Kunst und Gewerbe,
Kunsthaus,
Galeriehaus,
Kunstverein,
Freie Akademie der Künste und die
Deichtorhallen sowie die
Zentralbibliothek am Hühnerposten
miteinander.
Um diese Kunstmeile innerhalb der Stadt zu stärken, initiierten die
anliegenden Häuser ein Kunstprojekt zur Markierung der Standorte. Die Idee,
die Institutionen der Kunstmeile auch optisch miteinander zu verbinden und
gleichzeitig die Neugier der Besucher auf die einzelnen Häuser zu wecken,
besteht seit vielen Jahren. Nachdem es in gemeinsamer Arbeit und mit
Unterstützung der Kulturbehörde, der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt
und dem Bezirksamt Hamburg Mitte gelungen war, diverse bürokratische und
technische Probleme zu lösen, nahm das Projekt besonders durch das
Engagement von Herrn Prof. Dr. Gaßner als neuem Direktor der Hamburger
Kunsthalle konkrete
Formen
an.
Robert Fleck, Direktor der Deichtorhallen, und Hubertus Gaßner wurden von
den beteiligten Kulturinstitutionen mit der Umsetzung beauftragt. Sie
konnten acht Künstler dafür gewinnen, sich mit einem Entwurf an dem
Kunstprojekt zur Markierung der Kunstmeile Hamburg zu beteiligen. Das
Besondere: Aus enger Verbundenheit zur Stadt und den einzelnen Institutionen
arbeiteten alle Künstler ohne Honorar. Die Bandbreite der angesprochenen
Künstler und ihrer Entwürfe reicht dabei bewusst weit und spiegelt somit die
Vielfalt der Kunstinstitutionen entlang der Kunstmeile wider.
Die
Hamburger Kunsthalle, räumlicher Startpunkt der Kunstmeile, hisst drei
Flaggen, die das Gemälde "Die Fuge" von Neo Rauch zeigen. Es wurde erst vor
kurzem von der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen (SHK) erworben und
der Hamburger Kunsthalle als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Franz
Erhard Walther, über 35 Jahre Professor an der Hamburger Hochschule für
Bildende Künste, schuf eigens für die Kunstmeile einen Dreiklang der
Begriffe Geste, Dauer und Folge. Ihren räumlichen Abschluss finden die
Fahnen der Kunstmeile an den Deichtorhallen. Sie zeigen einen Entwurf
Stephan Balkenhols, der den Hamburgern u. a. durch die
"Vier Männer auf
Bojen", die an verschiedenen Plätzen an Alster und Elbe zu sehen sind, gut
bekannt ist. Bedingt durch die regelmäßige Pflege und Erneuerung der Flaggen
ist ein Rotieren der verschiedenen Entwürfe zwischen den einzelnen Anrainern
der Kunstmeile geplant, so dass sich auch für den Besucher kontinuierlich
neue Ansichten ergeben.
Black
Form – Dedicated to the Missing Jews
Künstler: Sol LeWitt
seit 1989
Ort: vor dem
Altonaer Rathaus
In Altona entstand einst eine der größten jüdischen Gemeinden
Norddeutschlands. Schon 1663 waren über 600 Juden registriert, und der
Senat, der sie aus wirtschaftlichen Gründen in der Stadt behalten wollte,
ließ sogar ein Gutachten anfertigen, welches bescheinigte, dass die Juden
das Seelenheil der ansässigen Christen nicht gefährdeten. Später war es vor
allem der toleranten Einstellung der dänischen Könige zu verdanken, dass die
Gemeinde weiter wuchs. Synagoge, Friedhof, Gemeindehaus und Waisenhaus
prägten wesentlich das Altonaer Stadtbild. 1893 wurden die Juden mit der
bürgerlichen Gleichberechtigung ausgestattet, bis 1933 stieg die Zahl der
Gemeindemitglieder auf 2.000 an. Nach der Machtübernahme der
Nationalsozialisten kam es jedoch zunächst zu Boykotten, später auch zu
Ausschreitungen gegen die jüdischen Bewohner. 1938 wurde die Gemeindeschule
geschlossen, Juden osteuropäischer Herkunft wurden nach Polen deportiert.
Durch die systematische Ermordung von Juden und Zerstörung ihrer
Einrichtungen war die jüdische Gemeinde nach 1943 praktisch ausgelöscht.
Das Kunstwerk "Black Form" des amerikanischen Künstlers Sol LeWitt soll
nicht nur an diese Juden, die Altona für immer fehlen werden, erinnern,
sondern auch an ihre Kinder und Enkel, die nie geboren werden konnten. Es
besteht aus einem gemauerten Quader mit 11,25 x 23,25 m Grundfläche, der mit
schwarzer, gummierter Farbe angestrichen ist. Die schwarze Hohlform verweist
als Platzhalter auf etwas, was nicht mehr da ist und nicht wiederkehrt. So
wird das Fehlende sichtbar gemacht. Gleichzeitig ist das Werk durch den
starken Kontrast mit dem dahinterliegenden weißen Rathaus und durch seine
prominente Platzierung eine Art Störfaktor, der unbequeme Fragen aufwirft.
die eigene GESCHICHTE
Künstler: Barbara Schmidt Heins
seit 1996
Ort: Bahnanlage am Hauptbahnhof, unterhalb der Kunsthalle
Wer aus Richtung Altona die S-Bahn Richtung Hauptbahnhof nimmt, liest
vielleicht im Vorbeifahren die absichtsvoll platzierten Worte: "die eigene
GESCHICHTE". Der 0,8 x 12 m große Schriftzug zeigt sich tagsüber blassgelb,
nachts hingegen sorgen die eingeschalteten Neonröhren dafür, dass er grell
leuchtet und so die Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Bemerkenswert an diesem Werk: Dadurch, dass es im Vorbeifahren aus dem
Zug betrachtet wird, findet die Beschäftigung mit dem Thema erst in
Abwesenheit der Installation statt. Eine Worthülse, die im Alltag oftmals
achtlos benutzt wird, lässt sich hinterfragen und neu definieren, da sie
ihres gewohnten Umfelds entkleidet wurde.
Hamburger Ehrenmal
Künstler: Ernst Barlach, Klaus Hoffmann
seit 1931
Ort: Rathausmarkt
Der offizielle Name dieses Denkmals lautet "Denkmal für die Gefallenen
beider Weltkriege", es wird jedoch häufiger als Hamburger Ehrenmal oder
Barlach-Stele bezeichnet. Die Stele trägt ein Relief, das eine traurige
Mutter mit ihrem Kind zeigt. Auf der anderen Seite ist der Schriftzug
"40.000 Söhne der Stadt ließen ihr Leben für Euch" eingemeißelt.
Barlach fertigte 1931 das Relief an; als Architekt war Klaus Hoffmann für
das Mahnmal verantwortlich. 1938 sorgten die Nationalsozialisten dafür, dass
Barlachs Relief entfernt und durch eine Arbeit von Hans Martin Ruwoldt
ersetzt wurde. Als man die Arbeit nach dem zweiten Weltkrieg rekonstruierte,
wurde die Stele zum offiziellen Gefallenendenkmal der Stadt. Am
Volkstrauertag werden hier regelmäßig Kränze niedergelegt.
Hummel-Brunnen
Künstler: Richard Kuöhl
seit 1938
Ort: Rademachergang
Wie Zitronenjette und
Störtebeker gehört auch Hans Hummel zu
den sagenumwobenen Wahrzeichen von Hamburg. Johann Wilhelm Bentz, wie Hummel
mit bürgerlichem Namen hieß, arbeitete als Wasserträger und wurde von den
Kindern stets mit dem Ruf "Hummel! Hummel!" geärgert.
Ihm zu Ehren stiftete der Verein geborener Hamburger den berühmten
Hummelbrunnen am Rademachergang. Die Figur des Hans Hummel steht gegen den
Sockel gelehnt und trägt die beiden schweren Wassereimer; bekleidet ist er
mit dem typischen Zylinderhut und dem Umhang. Sein Blick ist auf das
Memel-Haus gerichtet, wo eine Kinderfigur angebracht wurde; doch auch hinter
seinem Rücken treiben Kinder Schabernack...
Weitere Informationen über die
Geschichte von Hans Hummel finden Sie hier.
Kaiser Wilhelm I.
Künstler: Gustav Eberlein
seit 1898
Ort: Platz der Republik 1
In Hamburg gibt es gleich zwei Kaiser-Wilhelm-I.-Statuen. Der Grund:
Altona wurde erst 1937 eingemeindet und besitzt daher ein eigenes Standbild
vor dem Altonaer Rathaus.
Das Altonaer Denkmal ist einige Jahre älter und etwas bekannter. Am 18.
Juni 1898 wurde es in Anwesenheit des Kaisers feierlich enthüllt. Es zeigt
Kaiser Wilhelm als heroischen Reiter mit einigen Assistenzfiguren. Kaiser
Wilhelm sitzt aufrecht und in der Uniform eines Generals auf einem edlen
Pferd. Die Zügel hält er in der linken Hand und Pferd und Reiter blicken
leicht nach links, dadurch wirkt die Haltung weniger starr.
Rechts von dem hohen Sockel des Kaiserstandbilds steht ein kleinerer
Sockel mit einem muskulösen Schmied, der Industrie und Produktion
symbolisieren soll. Links befindet sich ein starker Fischer mit einem Anker,
der für den Schiffshandel steht. Vor der Kaiser-Wilhelm-Statue ist eine
Dreiergruppe dargestellt: Ein antiker Krieger zeigt seine Kraft, während ihm
zu Füßen zwei schöne Mädchen kauern, die sich an den Händen halten. Sie
sollen häufigen Interpretationen zufolge die Herzogtümer Schleswig und
Holstein darstellen.
Loreley
an der Elbe
Künstler: Paul Sochacki
seit 31. August 2007
Ort: Altonaer Balkon
Die 2 m große Dame aus Neonröhren steht auf einem massiven Sockel aus
Backsteinen. Mit dem Hafenpanorama im Rücken verschmilzt sie quasi mit der
Elbe, nachts dient sie hell erleuchtet und weithin sichtbar als
verführerischer Orientierungspunkt. Außerdem gemahnt sie an die sagenhafte
Schönheit Loreley, die Schiffer mit ihren Reizen in unsichere Gewässer
gelockt haben soll.
Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt – Für
Frieden und Menschenrechte
Künstler: Esther Shalev-Gerz und Jochen Gerz
seit 1986
Ort: Harburger Ring
Dieses besondere Denkmal regt zum Nachdenken an, obwohl es inzwischen
größtenteils nicht mehr zu sehen ist. In die Bleiverkleidung der zwölf Meter
hohen Stele konnten Betrachter mit einem Stahlstift ihre Namen und Gedanken
einritzen; sobald der erreichbare Teil der Säule beschriftet war, wurde sie
in Stück in den Boden abgesenkt. In acht Schritten wurde die Stele ab 1987
versenkt, seit 1993 ist nur noch ihre Oberseite zu sehen, die bündig mit den
Gehwegplatten abschließt. Als Begründung dafür, dass die Stelle des Mahnmals
gegen Faschismus heute leer zu sein scheint, heißt es auf der Texttafel:
"Denn nichts kann auf Dauer an unserer Stelle sich gegen das Unrecht
erheben."
Pflanzeninseln
Künstler: Tita Giese
seit 2000
Ort: Deichtorplatz
Am Fußgängerüberweg auf dem Deichtortunnel wuchert die Natur: Sechs
Hanfpalmen, acht Sorten Bambus, 300 Schilfpflanzen, 35 Wildpflanzenarten und
zahlreiche Pilze wurden im Frühjahr 2000 angepflanzt. Ein Jahr lang wurden
die vier Pflanzeninseln gepflegt und betreut; "Unkraut" wurde entfernt und
der Wuchs der kultivierten Pflanzen korrigiert. Seit 2001 lässt man der
Entwicklung freien Lauf. Von diesem Zeitpunkt an hat sich die
Zusammenstellung der Pflanzen ein wenig geändert, manches Gewächs hat sich
nicht bewährt, dafür andere umso mehr. Was geblieben ist: Der frische und
abwechslungsreiche Eindruck von Natur mitten in der Stadt und das Gefühl,
auf diesen Inseln ein wenig innehalten zu können.
Störtebeker-Denkmal
Künstler: Hansjörg Wagner
Ort: Großer Grasbrook
"Gottes Freund, der Welt Feind" – diese Inschrift trägt der Stein, auf
dem die Statue des bekannten Piraten steht. Stolz und aufrecht blickt der
listige Seeräuber in die Ferne, und dazu hat er allen Grund – schließlich
soll er zu Lebzeiten den reichen Kaufleuten mit seinen Beutezügen immer
wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Als er schließlich
besiegt und zum Tode verurteilt wurde, bot das Stoff für etliche Legenden:
Man sagt, er habe mit dem Scharfrichter die Bedingung ausgehandelt, dass
dieser alle anderen Piraten begnadige, an denen Störtebeker nach seiner
Enthauptung noch entlanglaufen könne. An elf Männern soll der Kopflose noch
vorbeigestolpert sein, bevor ihn der Henker gewaltsam zu Fall brachte;
später brach er dann sein Versprechen und vollstreckte das Todesurteil an
allen gefangenen Seeräubern. Deswegen, so heißt es, spukt Störtebeker heute
noch in der Hansestadt und sinnt auf Rache.
Vier Männer auf Bojen
Künstler: Stephan Balkenhol
seit 1993
Orte: Außenalster (Höhe Hohenfelder Brücke), Elbe (Nähe Museumshafen
Övelgönne), Süderelbe (Höhe Brücke des 17. Juni), Bille (Serrahn)
Auf vier Wasserflächen in Hamburg bietet sich ein denkwürdiger Anblick:
Im Wasser treibt eine Boje – und auf ihr steht ein Mann! Nur mit einem
dünnen weißen Hemd und einer schwarzen Hose bekleidet, steht er aufrecht und
ruhig mitten im Wasser. Einige Besucher haben schon im ersten
Überraschungsmoment die Polizei gerufen, die Hamburger jedoch wissen
Bescheid: Es handelt sich um das Werk "Vier Männer auf Bojen" des Künstlers
Stephan Balkenhol. Aus Eichenstämmen hat er die großen Figuren geschlagen,
für die er bekannt ist, und hat sie hinterher nur leicht in Farbe gefasst,
um die menschliche Anmutung zu unterstreichen. Aus der Nähe sind daher noch
die Spuren seines Arbeitsprozesses zu erkennen. Risse und Fugen, Kerben und
Flächen vergröbern das Bild und stilisieren die Gestalten zu
Durchschnittsmenschen. Die "Vier Männer" lassen keinerlei Gemütsregung
erkennen, sodass die Fantasie des Betrachters angeregt wird. Was denkt der
hölzerne Mann, wenn er auf das Wasser starrt? Lohnt es sich, seinem Blick zu
folgen?

An den einzelnen Standorten gehören die Männer sozusagen zur
Nachbarschaft; kaum jemand, der sich nicht regelmäßig mit einem Blick
vergewissert, dass "sein" Bojenmann noch da ist. Auf der Süderelbe bekam die
Figur einmal ganz fürsorglich einen Regenhut aufgesetzt, und in Harburg
wurde der Mann bisher jedes Jahr zum Schützenfest in eine passende Uniform
gekleidet.
Ein weiteres bekanntes Werk Balkenhols im öffentlichen Raum ist seine
"Giraffe" vor dem Eingang von Hagenbecks Tierpark. Schon von weitem macht
das 8 m hohe Werk auf den Park aufmerksam.
Zitronenjette
Künstler: Hansjörg Wagner
Ort: Ludwig-Erhardt-Straße
Die Zitronenjette, ähnlich wie der Wasserträger eine Hamburger
Symbolfigur, trug den bürgerlichen Namen Johanne Henriette Marie Müller. Sie
wurde im Jahr 1841 in Dessau geboren und zog in jungen Jahren mit Mutter und
Schwester nach Hamburg. Nach dem Tod ihrer Mutter wohnte die kleine Jette
bei ihrer Schwester, einer Wäscherin. Für Henriette war es nicht leicht,
eine Arbeit zu finden, denn sie brachte es nur auf 1,32 m Körpergröße.
Schließlich kam sie auf die Idee, den Überseeschiffen, die in Hamburg
anlegten und oft Südfrüchte an Bord hatten, Zitronen abzukaufen und an die
Hamburger weiterzuverkaufen. Mit ihrem kleinen Korb zog sie durch die
Kneipen und Bars; ihr Ruf "Zitroon! Zitroon!" machte sie berühmt. Leider
machten sich viele einen Spaß daraus, sie zu verspotten oder betrunken zu
machen. Im Alter wurde Zitronenjette zur Alkoholikerin, sodass man sie
schließlich wegen Trunkenheit und geistiger Verwirrung in eine Anstalt
einweisen musste.
Mit seiner Skulptur erinnert Hansjörg Wagner an das harte Leben der
Zitronenjette. Das Denkmal zeigt Jette mit Schultertuch und Korb, wie sie
gerade eine Zitrone in der Hand hält und sie dem Betrachter entgegenstreckt.
Der Sockel, auf dem die kleine Figur steht, trägt die Inschrift "Zitronenjette.
1841-1916" und den Spruch "Dien Leben wer suur as de Zitronen, sail sick dat
Erinnern an di lohnen? Dien Schiksol wiest op all de Lüüd, for de dat Glück
het gor keen Tiet." (Hochdeutsch: Dein Leben war sauer wie lauter Zitronen,
soll sich die Erinnerung an dich lohnen? Dein Schicksal weist uns auf all
die Menschen hin, für die das Glück keine Zeit hatte.)
Übrigens soll es Glück bringen, den Zeigefinger der Zitronenjette zu
berühren, daher ist er schon ganz abgenutzt!
Buchtipp:
Kunst in der Stadt Hamburg – 40 Werke im
öffentlichen Raum
Hrsg.
Uwe Fleckner, Farbfotografien von Erik-Jan Ouwerkerk, Nicolai Verlag,
192 Seiten, Preis 24,90 Euro
Seit nunmehr 25 Jahren realisiert die Hamburger Kulturbehörde gemeinsam
mit Künstlern und Kuratoren "Kunst im öffentlichen Raum in Hamburg",
Zeit für ein Resümee der Ergebnisse dieses ambitionierten Programms und
für einen aktuellen Überblick über die neuesten Entwicklungen der Kunst
im urbanen Raum.
Dieses Buch stellt in 40 informativen Kurzessays und in Farbfotografien
die wichtigsten und ästhetisch interessantesten Projekte in Hamburg vor.
Darunter sind spektakuläre Einzelobjekte wie das Mahnmal gegen
Faschismus, Krieg, Gewalt von Jochen Gerz und Esther Shalev-Gerz oder
Sol Le Witts "Black Form", aber auch eine Reihe experimenteller, meist
temporärer Ausstellungen und Interventionen.
Mit Arbeiten wie "Jenisch Park. Skulptur" oder "Hamburg Projekt" und
Unternehmungen wie "Weitergehen" oder "Aussendienst" hat sich Hamburg
international den Ruf erworben, eine Vorreiterrolle in der Förderung und
Realisierung aktueller Kunstformen – z. B. soziale Plastik, vergängliche
Eingriffe, skulpturale Irritationen – zu spielen.
Während sich die Kunstwerke von Stephan Balkenhol "Giraffe mit Mann" am
Tierpark Hagenbeck oder die vier Männer mit Bojen auf Alster und Elbe
sowie "Mann + Frau" vor der Zentralbibliothek am Hühnerposten bei den
meisten Hamburgern wachsender Beliebtheit erfreuen, sorgten zahlreiche
Projekte für Diskussion in der Bevölkerung wie z. B. der "Große
Triumphbogen" an der Binnenalster oder das Gegendenkmal von Alfred
Hrdlicka auf der Grünanlage zwischen Stephansplatz und Dammtorbahnhof.
Der steinerne Orientteppich von Frank Raendchen auf der
Wilhelminen-Brücke hat einen praktischem Dreifachnutzen:
Kunstgegenstand, Wertobjekt mit hohem Gebrauchswert und optisches
Verbindungsglied zwischen Hafencity und Innenstadt.
Den Rücken zur Elbe gekehrt, hebt der bronzene Hans Albers von Jörg
Immendorf auf dem Hans-Albers-Platz in St. Pauli den Arm zum
Seemansblick – nicht auf's Meer, nein zur Stadt, denn Hans Albers gehört
zu Hamburg wie Heidi Kabel oder Freddy Quinn und hat hier genau den richtigen
Standort bekommen.
Der Band dokumentiert nicht zuletzt auch die Ansätze der Hamburger
Kulturbehörde, in den neuen großen Entwicklungsgebieten im Süden der
Stadt, die unter den Schlagworten "HafenCity" und "Sprung über die Elbe"
bekannt geworden sind, mithilfe geförderter künstlerischer Vorhaben
Bedingungen für die Entstehung eines "öffentlichen" Raums zu schaffen.
Es ist ein kompetenter Überblick über das Kunstgeschehen der letzten Jahre in
Hamburg.
Für jeden kunstinteressierten Hamburger oder Liebhaber der Hansestadt ist
dieses Buch eine Bereicherung. Es hilft beim nächsten Spaziergang, den Blick
für die Kunst im öffentlichen Raum zu schärfen.

Audioguides für Kunstwerke im öffentlichen Raum
–
Von der Zitronenjette über Balkenhols Bojen-Männer bis zu Park
Fiction – in Hamburg gibt es verschiedenste
Kunstwerke im
öffentlichen Raum. Zwei neue Audioguides der Behörde für
Kultur, Sport und Medien erläutern Werke rund um die Alster sowie
auf der Strecke von den Deichtorhallen bis zur Reeperbahn. Auf den
beiden ca. 90-minütigen Rundgängen erfahren die Hörer mehr über die
Künstler, die Kunstwerke und deren Einbettung in das städtische
Umfeld.
Ab sofort können die Audioguides auf der Seite der Behörde für
Kultur, Sport und Medien als mp3-Files heruntergeladen und
anschließend auf mp3-Playern, mp3-fähigen Handys oder dergleichen
abgespielt werden.

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