Für die Verleihung des Ehrenbürgerrechts gibt es keine schriftlichen
Bestimmungen. Es entstand
in der Franzosenzeit und lässt sich auf die Französische Revolution
zurückführen.
Damals wurde ausländischen Persönlichkeiten, die sich nach allgemeiner Ansicht
um die
Menschenrechte und die Freiheit verdient gemacht hatten, das französische
Staatsbürgerrecht
ehrenhalber verliehen. Dieser Bestimmung ist das Ehrenbürgerrecht der
Stadtrepubliken
nachgebildet. In Hamburg ist es zum erstenmal im Jahre 1813 dem russischen
General
von Tettenborn für die Befreiung Hamburgs von dem Joche der Fremdherrschaft
verliehen
worden.
Das Recht der Verleihung des Ehrenbürgerrechts steht dem Senat zu und wurde
ursprünglich
allein von ihm ausgeübt. Um dieser seltenen Ehrung eine noch größere Bedeutung
zu
geben, wurde erstmals im Jahre 1834 die Mitgenehmigung der Bürgerschaft
herbeigeführt,
ohne jedoch eine Verpflichtung hierzu anzuerkennen. Auch 1918 hat der Senat in
einer Besprechung
mit dem juristischen Ausschuss der Bürgerschaft erklärt, dass es richtig sei,
auch
in Zukunft die Zustimmung der Bürgerschaft einzuholen.
Das Ehrenbürgerrecht wurde bis 1948 ausschließlich an Nichthamburger – im
politischen
Sinne – verliehen, um sie zu "einem der unserigen" zu machen. Mit dieser
geschichtlichen
Tradition wurde erstmals 1948 gebrochen, als Senator a. D. Henry Everling
anlässlich seines
75. Geburtstages wegen seiner großen Verdienste um das Genossenschaftswesen mit
dem
Ehrenbürgerrecht ausgezeichnet wurde. Damals wurde entschieden, dass das
Ehrenbürgerrecht
gewährt werden kann, wenn die Verdienste auch über den Rahmen Hamburgs
hinausgehen; Verdienste um die Hansestadt Hamburg sollten mit der Bürgermeister-Stolten-Medaille geehrt werden.
Bei der Ehrenbürgerschaft handelt es sich heute um die höchste
Ehrenbezeugung, die die
Freie und Hansestadt Hamburg zu vergeben hat; Rechte und Pflichten entstehen
hierdurch
nicht.
| 1813 |
Tettenborn, Friedrich Carl Baron von 1778-1845 Kaiserlich russischer Oberst sowie außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter
Minister am k. u. k. österreichischem Hofe zu Wien.
Grund: Weil der Baron die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Hamburgs
und die Befreiung von den napoleonischen Besatzungstruppen
so glücklich geleitet und ausgeführt hat. |
| 1816 |
Blücher von Wahlstatt, Gebhard Leberecht Fürst 1742-1819 Königlich preußischer Generalfeldmarschall a. D.
Grund: Der Fürst habe beim Bürgermeister zu erkennen gegeben, dass
es sehr lieb sein werde, mit dem Bürgerrecht beschenkt zu werden.
Beschluss Senatus vom 20.9.1816, Aushändigung 1817 |
| 1826 |
Grote, August Otto Graf
1747-1830 Königlich preußischer Geheimer Rat, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter
Minister bei den freien und Hansestädten zu Hamburg.
Grund: Auf Empfehlung von Legationsrat Büscher. Beschluss Senatus vom 2.08.1826, Verleihung am 25.11.1826 |
| 1834 |
Colquhoun, J. U. Dr. James 1780-1855 Hanseatischer General-Konsul in London und Stalhofmeister.
Grund: Auf Empfehlung von Dr. Abendroth im Hinblick auf besondere
Verdienste. Antrag Senatus vom 26.5.1834, Beschluss und Verleihung am
18.09.1834 |
| 1838 |
Gramlich, Georg Michael 1795-1880 Kaufmann, hanseatischer Geschäftsträger bei der Republik Venezuela.
Grund: Abschluss eines Freundschafts- und Handel- und Schifffahrtsvertrages
vom 27.5.1837 mit Venezuela Verleihung am 20.7.1838 |
| 1843 |
Smidt, Johann 1773-1857 Bürgermeister der freien Hansestadt Bremen. Grund: Anerkennung der Hilfe nach dem großen Hamburger Brand Antrag vom 15.7.1843 |
| 1843 |
Flottwell, Eduard Heinrich von 1786-1865 Königlich preußischer Wirklicher Geheimer Rat und Oberpräsident der
Provinz Sachsen zu Magdeburg Grund: Anerkennung der Hilfe nach dem großen Hamburger Brand Antrag vom 15.7.1843 |
| 1843 |
Blücher-Altona, Conrad Daniel Graf von 1764-1845 Königlich dänischer Geheimer Conferenzrat und Oberpräsident der Stadt
Altona. Grund: Anerkennung der Hilfe nach dem großen Hamburger Brand Antrag vom 15.7.1843 |
| 1843 |
Struve, Heinrich Christoph Gottfried von 1772-1851 Kaiserlich-russischer Geheimer Rat, außerordentl. Gesandter und bevollmächtigter Minister bei den freien und Hansestädten. Grund: Anlässlich seines 50jährigen Dienstjubiläums und für seine Bemühungen um die Förderung des Naturwissenschaften (Gründer des naturwissenschaftlichen Museums in Hamburg)
Antrag vom 10.8.1843 |
| 1871 |
Bismarck-Schhönhausen, Otto Fürst von 1815-1898 Deutscher Reichskanzler. Grund: Verdienste um das zur Einheit wiedergeborene Deutsche Vaterland Antrag vom 10.1.1871 |
| 1871 |
Moltke, Helmuth Karl Bernhard Graf von 1800-1891 Preußischer General, später Kgl. preußischer Generalfeldmarschall. Grund: Verdienste um das zur Einheit wiedergeborene Deutsche Vaterland Antrag vom 30.1.1871 |
| 1886 |
Schwabe, Gustav Christian 1813-1897 Kaufmann in London Kunstförderer. Grund: Geschenk von 128 Gemälden an die Kunsthalle
Antrag vom 20.10.1886 |
| 1889 |
Brahms, Dr. phil. h.c. Johannes 1833-1897 Komponist in Wien. Grund: Durch hervorragende Werke seiner Vaterstadt Ehre und Ruhm bereitet
Antrag vom 26.4.1889 |
| 1901 |
Waldersee, Alfred Ludwig Heinrich Karl Graf von 1832-1904 Königlich preußischer Generalfeldmarschall. Grund: Tätigkeit im Interesse der Erhaltung des Weltfriedens. Verleihung nach Beendigung der ihm gestellten Aufgaben in Ostasien
Antrag vom 31.7.1901 |
| 1917 |
Hindenburg, Paul von Beneckendorff und von 1847-1934 Königlich preußischer Generalfeldmarschall und späterer Reichspräsident. Grund: Dankbare Verehrung des siegreichen und ruhmgekrönten Feldherrn Antrag vom 26.9.1917 |
| 1948 |
Everling, Dr. h.c. Henry 1873-1960 Senator a. D. Grund: Verdienste um das Gemeinwohl (Konsumgenossenschaftswesen) Antrag vom 17.8.1948 |
| 1950 |
Schönfelder, Adolph 1875-1966 Bürgerschaftspräsident, Bürgermeister a. D. Grund: Verdienste um das Gemeinwohl und konstruktive Zusammenarbeit von Regierungsmehrheit und Opposition
Antrag vom 6.12.1960 |
| 1960 |
Brauer, Max 1887-1973 Präsident des Senats. Grund: Verdienste um das Gemeinwohl Antrag vom
6.12.1960 |
| 1971 |
Weichmann, Herbert 1896-1983 Präsident des Senats. Grund: Verdienste um das Gemeinwohl
Antrag vom 9.6.1971 |
| 1978 |
Dau, Herbert 1911- 2000 Bürgerschaftspräsident a. D. Grund: Verdienste um das Gemeinwohl
Antrag vom 20.6.1978 |
| 1983 |
Schmidt, Helmut Bundeskanzler a. D. Grund: Für seine großen staatsmännischen Verdienste um das Gemeinwohl Hamburgs Antrag vom 22.11.1983 |
| 1985 |
Ehre, Professor Ida 1900-1989 Schauspielerin, Regisseurin. Grund: Herausragende Verdienste um den geistigen und kulturellen Wiederaufbau unseres Landes und der Stadt Hamburg Antrag vom 30.7.1985 |
| 1986 |
Wehner, Dr. h.c. Herbert 1906-1990 Hamburger Bundestagsabgeordneter. Grund: Hat sich um den Wiederaufbau unseres Landesund unserer Stadt Hamburg verdient gemacht
Antrag vom 8.4.1986 |
| 1986 |
Bucerius, Dr. Gerd 1906-1996 Politiker, Publizist und Unternehmer. Grund: Hat die Mediengeschichte geprägt und sich um unser Land und um unsere Stadt Hamburg verdient gemacht
Antrag vom 8.4.1986 |
| 1991 |
Körber, Dr. h. c. Kurt A. 1909-1992 Unternehmer und Stifter. Grund: Herausragend Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, den Wiederaufbau Hamburgs und die Förderung von Wissenschaft und Kultur
Antrag 1991 |
| 1991 |
Toepfer, Dr. h. c. Prof. Alfred C. 1894-1994 Kaufmann und Stifter. Grund: Herausragende Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, den Wiederaufbau Hamburgs und die Förderung von Wissenschaft und Kultur
Antrag 1991 |
| 1993 |
Augstein, Dr. h c. Rudolf 1923-2002 Verleger und Publizist. Grund: Herausragende Verdienste um Hamburg als Medienmetropole der Bundesrepublik Deutschland |
| 1999 |
Prof. Dr. Marion Gräfin Dönhoff
Publizistin und Herausgeberin der "Zeit", |
| |
Siegfried Lenz
Schriftsteller |
| 2003 |
Uwe Seeler
Grund: Seeler ist ein "Kämpfer und Könner", der für eine ganze
Generation steht, eine Generation, die "angepackt" habe. Geradlinigkeit
und Bodenständigkeit sind die Eigenschaften des Sportidols. Gewürdigt
wurden nicht nur seine sportlichen Leistungen, sondern auch sein
Engagement außerhalb des Spielfeldes. |
| 2005 |
Professor Dr. Helmut Greve und Professorin Dr. h. c. Hannelore
Greve
Grund: Herausragendes Mäzenatentum und soziales Engagement – auch über
die Grenzen der Freien und Hansestadt Hamburg hinaus. |
| 2007 |
John Neumeier |
Das Adolf
Hitler im Jahre 1933 und Hermann Göring im Jahre 1937 verliehene
Ehrenbürgerrecht wurde ihnen durch Entscheidung von Bürgermeister Petersen
vom 6. Juni 1945 aberkannt.