| "Hamburger
Köpfe" und andere Hamburger Persönlichkeiten |
"Hamburger Köpfe"
Max M. Warburg
Hans Schmidt-Isserstedt
Eduard Bargheer
Karl Schiller
Gabriel Riesser
Alfred Toepfer
Johann Hinrich Wichern
Johan Melchior Goeze
Joseph Carlebach
Hans Albers
Carl Philipp Emanuel Bach
Barthold Hinrich Brockes
Friedrich Gottlieb Klopstock
Eva König
Rolf Liebermann
Herbert List
Hans Erich Nossack
Friedrich Christoph Perthes
Georg Philipp Telemann
Peter Schulz – Erinnerungen
eines Hamburger Bürgermeisters
Die Reemtsmas – Geschichte einer deutschen Unternehmerfamilie
Albert Darboven – Aus Freude am Leben
Theodor Haubach (1896 - 1945)
Loki – Hannelore Schmidt erzählt aus ihrem Leben
Helmut Schmidt
Hamburgische Biografie – Personenlexikon in drei Bänden
von Gabriele Hoffmann, Herausgegeben von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Verlag Ellert & Richter 2009, 248 Seiten, Preis: 19,95 Euro
Als zweiter Sohn der jüdischen Bankiersfamilie am
5. Juni 1867 in Hamburger Viertel "Klein-Jerusalem" im Grindelviertel geboren, trat Max Warburg nach seiner Ausbildung in das väterliche Unternehmen ein.
Mit innovativen Ideen und Wagemut hat der herausragender Bankier Max Warburg dazu beigetragen, dass aus der kleinen Bank M. M. Warburg & Co. eine der größten
Privatbanken in Deutschland wurde. Sein Rat als Finanzexperte war in der Kaiserzeit und in der Weimarer Republik gleichermaßen gefragt.
In Hamburg engagierte sich Max Warburg für die Gründung der Universität, des Überseeclubs und der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek seines Bruders Aby.
Der Bankier Max Warburg (1867-1946) hat 75.000 Juden vor dem tödlichen Zugriff der Nationalsozialisten gerettet. Durch seine Einflussnahme konnte er Zehntausenden Juden zur Emigration verhelfen, bis er
schließlich selbst
1938 zum Verkauf seiner Bank gezwungen wurde und in die USA emigrierte. Er blieb so lange in Deutschland, wie es möglich war, denn er sah es als seine Pflicht als reicher Bankier, den Armen und Schwachen zu helfen. Wie
er dies vermochte, dieser Frage geht Gabriele Hoffmann in der ersten Biografie dieses großen Hamburgers nach. Er starb 1946 in New York.
Gabriele Hoffmann
ist promovierte Historikerin, arbeitet als Journalistin für Rundfunkanstalten und Zeitschriften und hat sehr erfolgreiche Biografien und Sachbücher geschrieben, darunter "Constantia von Cosel und August der Starke", "Frauen machen
Geschichte" und "Das Haus an der Elbchaussee. Die Geschichte einer Reederfamilie".
Das Warburg-Archiv in Blankenese hat der Autorin uneingeschränkte Einsicht gewährt udn damit diese beeindruckende
Biografie ermöglicht.
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Hamburger Köpfe: Hans Schmidt-Isserstedt |
von
Hubert Rübsaat, Hamburger Köpfe. Herausgegeben von der ZEIT-Stiftung
Ebelin und Gerd Bucerius 2009, 160 Seiten und CD, Preis: 19,95 Euro
Hans Schmidt-Isserstedt (1900-1973) gehörte nach 1945 zur
internationalen Dirigentenelite und genoss vor allem als Mozartinterpret
einen hervorragenden Ruf. Bekannt wurde er auch durch die Aufführung der
im Dritten Reich verbotenen Komponisten und der Förderung von
zeitgenössischer Musik. Die britische Besatzungsbehörde beauftragte ihn,
ein Sinfonieorchester für den neuen Nordwestdeutschen Rundfunk, den
späteren NDR, aufzubauen. In kurzer Zeit gelang es ihm, ein Orchester zu
formen, das schon bald zu den besten Europas und sogar der Welt gezählt
wurde. Auch als Gastdirigent war Schmidt-Isserstedt sehr gefragt, der
insgesamt 114 Orchester in allen Erdteilen geleitet hat. Ein Rückblick
auf sein Leben spiegelt gleichzeitig die politische und
gesellschaftliche Situation und die Lage der Kultur und der Künstler in
der Weimarer Republik, im Dritten Reich und nach 1945 wider.
Der freie Journalist und Publizist Hubert Rübsaat, geb. 1941 in Köln,
hat mit seiner Biografie über Hans Schmidt-Isserstedt, den zu Unrecht in
Vergessenheit geratenen Dirigenten wieder ins Bewusstsein gerückt. Der
1900 in Berlin geborene Hans Schmidt (die Eltern fügten erst 1928 den
Mädchennamen der Mutter "Isserstedt" hinzu, um sich von den viele
Schmidt in Berlin zu unterscheiden), war nach kurzen Studienaufenthalten
in der Meisterklasse bei Franz Schreker, bei dem er jedoch "nicht viel
gelernt habe". Seine musikalischen Lehrjahre führten in die Provinz.
1928 heiratete er die Jüdin Gerta Herz, trennte sich jedoch 1935 wieder von
ihr, da er zweimal wegen dieser Ehe entlassen wurde. Mit dem Ruf
zum Ersten Kapellmeister an der Hamburgische Staatsoper und der Heirat
einer zweiten Frau, der Ballettmeisterin Helga Swedlund, ging es jedoch
beruflich und privat wieder bergauf. 1943 wird Schmidt-Isserstedt
Operndirektor in Berlin, bis die Familie, ausgebombt und auf der Flucht
vor den Russen, im Frühjahr 1945 Zuflucht in Holm bei Wedel sucht. Es
folgte eine entbehrungsreiche Zeit, doch schon bald wurde
Schmidt-Isserstedt zum Gründungsdirigenten des Nordwestdeutschen
Rundfunks in Hamburg ernannt.
Der Klangkörper entwickelte sich unter seiner Leitung rasch zu einem
kulturellen Highlight der Stadt. Es folgten Gast-Konzerte des Orchesters
im gesamten Sendegebiet. Neben seiner anstrengenden Arbeit im Funkhaus,
kehrte Schmidt-Isserstedt auch an das Dirigentenpult der Hamburgischen
Staatsoper zurück, wo seine Frau Helga Swedlund wieder als
Ballettmeisterin tätig war.
Es folgten Konzertreisen in Europa, später auch in die Sowjetunion und
die USA sowie Gastdirigate bedeutender Orchester. Mit seinem Rücktritt
vom Chefposten des NDR-Sinfonieorchesters am 31. Juli 1971 wurde
Schmidt-Isserstedt zum Ehrendirigenten auf Lebzeit ernannt. Er starb am
28. Mai 1973 in Holm.
Beiliegende CD enthält Aufnahmen des NDR Sinfonieorchesters unter der
Leitung von Hans Schmidt-Isserstedt von Mozart und Beethoven über Brahms
und Sibelius bis hin zu Strawinsky und Liebermann.
Erinnerungen
eines Hamburger Bürgermeisters
von Peter Schulz, mit einem Vorwort von Helmut Schmidt
Edition Temmen 2009, 424 Seiten, Preis: 22,90 Euro
25 Jahre lang war Peter Schulz im Hamburger Rathaus tätig. Als
SPD-Abgeordneter der Bürgerschaft von 1961 an, als Justiz- und als
Bildungssenator, als Erster Bürgermeister und zuletzt als Präsident der
Bürgerschaft bis 1986. Nicht als Mann der lauten Rede, sondern als Mann der
lauteren Tat und als Politiker aus Leidenschaft und Überzeugung hat er viel
für seine Heimatstadt Rostock und seine zweite Heimat Hamburg geleistet.
Helmut Schmidt vergleicht in seinem sehr persönlichen Vorwort Schulz'
Erinnerungen treffend mit einem Kaleidoskop. Sie enthalten spannende Stücke
aus der NS- und der DDR-Diktatur, sie zeigen eine lebenslange Liebes- und
Ehegeschichte und gewähren Einblicke in das Hamburger Rathaus und die
deutsche Sozialdemokratie in Ost und West. Und darüber hinaus ist es der
erfolgreiche Rechtsanwalt Peter Schulz, der in ungeschminkten Worten aber
ohne Häme Rückschau hält.
Im letzten Teil seiner Erinnerungen beschreibt Schulz, wie er
buchstäblich über Nacht in das Zentrum der "Barschel-Affäre" geriet, führt
den Leser ins abenteuerliche Rostock der Zeit des Mauerfalls und erzählt
schließlich von seinen politischen und beruflichen Erfahrungen als
westlicher Anwaltspionier in Peking und Hamburgs Partnerstadt Shanghai.
Siegfried Lenz greift in seinen als Nachwort beigefügten Betrachtungen
zur Darstellung von Vergangenheit auf, was dem Autor mit seinen Erinnerungen
auf jeder Seite gelungen ist: Erzählen mit Kunst und Kenntnis.
Dr. h. c. Peter Schulz, geb. 1930, ist Rechtsanwalt und war 1971 bis 1974
Präsident des Hamburger Senats und von 1978 bis 1986 mit kurzer
Unterbrechung Präsident der Bürgerschaft. Seine Anwaltsozietät ist mit 26
Rechtsanwälten und Juristen in Hamburg, Rostock undShanghai tätig.
von
Volker Plagemann, Hrsg. von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius,
Verlag Ellert & Richter, 160 Seiten, Preis 14,90 Euro
Das Werk des Finkenwerders Eduard Bargheer (1901-1979) wurde im 20.
Jahrhundert der wichtigste Beitrag Hamburgs zur Malerei der Moderne.
Eduard Bargheer wurde 1901 als Sohn eines Lehrers geboren. Nach einer
Ausbildung zum Zeichenlehrer entschied er sich für die freie Kunst und hatte
schon bald erste Ausstellungserfolge. Erste Studienreisen führten ihn nach
Italien, das Land, in das er sich auch während des Krieges zurückzog.
Nach dem Krieg hatte Bargheer sowohl in Italien als auch in Deutschland
große Ausstellungserfolge, er nahm an der Biennale in Venedig und an der
Documenta in Kassel teil.
1953 kam er zurück nach Hamburg, verbrachte jedoch bis zu seinem Tode nur
die Winter in der Hansestadt, während er den Sommer über in Ischia lebte.
Bargheers Lebensumstände, seine Jugendzeit in Finkenwerder, seine frühen
Reisen und die Begegnung mit dem Süden, seine Flucht vor den Nazis nach
Italien, später seine wechselnden Aufenthalte in Blankenese und auf Ischia
sowie zuletzt die Reisen nach Afrika haben das Werk in besonderer Weise
bestimmt und geformt. Volker Plagemann schildert Bargheers von Hamburg
ausgehende und wieder in Hamburg endende Lebens- und Künstlerreise und lässt
seine Künstlerbiografie als Teil der modernen hamburgischen Kunstgeschichte
deutlich werden. Eine große Anzahl seiner Werke sowie Photographien aus
allen Lebensepochen illustrieren diesen hochinteressanten Lebenslauf.
Volker Plagemann wurde 1938 in Hamburg geboren. Er studierte Architektur,
Musik und Kunstwissenschaften. Von 1980 bis 2003 leitete er als
Senatsdirektor die Hamburger Kulturbehörde. Plagemann veröffentlichte
zahlreiche Publikationen zur Museumsgeschichte, Denkmalgeschichte, Kunst im
öffentlichen Raum.
Von
Uwe Bahnsen, Hrsg. von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Verlag
Ellert & Richter, (2008) 200 Seiten, Preis 14,90 Euro
Karl Schiller (1911–1994) gehörte als Wirtschaftspolitiker zu den prägenden
Gestalten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Als Bundeswirtschaftsminister
der Großen Koalition von 1966 bis 1969 gelang ihm ein Meisterstück, indem er
die Wirtschaft der Bundesrepublik durch eine gezielte Erhöhung der
Staatsausgaben aus der ersten großen Rezession in einen "Aufschwung nach
Maß" führte. Auf dem Höhepunkt seiner politischen Laufbahn war er 1971/72
als Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen einer der mächtigsten Männer
der Republik mit weltweitem Ansehen. Für Schillers Lebensleistung hat
Hamburg eine besondere Bedeutung. Hier begann sein politisches Engagement in
der SPD, hier festigten sich seine wirtschaftspolitischen Grundüberzeugungen
und hier bot sich ihm als erfolgreicher Wirtschaftssenator die Möglichkeit,
die Durchsetzbarkeit eigener Konzepte zu erproben. Und er war als Professor
an der Hamburger Universität und deren zeitweiliger Rektor ein akademischer
Lehrer, dessen glanzvolle Vorlesungen überfüllt waren – ein Meister der
Didaktik.
Uwe Bahnsen beschreibt Leben und Wirken des großen Wirtschaftspolitikers,
von der schweren Jugend, der Flucht aus Schlesien, der Trennung seiner
Eltern, dem hochbegabten Schüler, seinem Studium, der Anstellung im Kieler
Institut für Weltwirtschaft. Karl Schillers Weg war oft nicht leicht, aber
immer von Erfolgen geprägt.
Mit nur 36 Jahren war er Ordinarius an der Hamburger Universität, als Rektor
trieb Schiller den Ausbau der Universität mit Energie voran, bis er 1961 dem
Ruf aus Berlin folgte und dort als Berliner Senator für Wirtschaft und
Kredit vereidigt wurde. 1965 stand sein Wechsel in die Bundespolitik fest.
Im Mai 1971 wurde er nach dem Rücktritt des Bundesfinanzministers Alex
Möller zum Superminister für Wirtschaft und Finanzen gewählt, aber schon
bald mehrten sich kritische Stimmen. Schillers glanzvolle politische
Laufbahn endete mit der Bonner Finanzkrise, in einer wirtschaftlichen
Situation, die der heutigen in vielen Punkten ähnlich ist: Der hohen
Staatsverschuldung und drohenden Inflation wollte Schiller mit einem
strikten Sparkurs entgegenwirken. Doch das wollten seine Kabinettskollegen
nicht hören. Am 2. Juli 1972 reichte Karl Schiller seinen Rücktritt ein. Am
7. Juli 1972 endete seine glanzvolle politische Karriere.
Es folgten Parteiaustritt, Scheitern der dritten Ehe, seelische Krise und
gesundheitliche Probleme. Erst 1975 stabilisierte sich sein Leben wieder mit
dem Eintritt ins Verlagshaus Axel Springer in Hamburg und, bald darauf, 1978
in einer vierten, diesmal glücklicheren Ehe sowie die Rückkehr in die
Partei. Als wirtschaftspolitischer Berater war er ein gefragter Partner.
Der Autor Uwe Bahnsen arbeitete u. a. für das
"Hamburger Abendblatt", den
Norddeutschen Rundfunk und den "Spiegel". Aus Hamburg berichtet er seit
vielen Jahren für "Die Welt" – als dienstältester Rathauskorrespondent der
Freien und Hansestadt.
von
Arno Herzig, Verlag Ellert & Richter, 2008, 188 Seiten, Preis: 14,90
Euro
Gabriel Riesser gehörte zu den bekanntesten Juden seiner Zeit. Er wurde
1806 als Sohn eines jüdischen Kaufmannes in Hamburg geboren und
studierte Jura in Kiel und Heidelberg. Ab 1930 setzte sich Riesser für
die Gleichberechtigung der Juden in Deutschland ein. Durch sein
politisches Engagement sowie seine Schriften und Reden trug er erheblich
zur Emanzipation der Juden in Deutschland bei. Dennoch werden Riessers
Verdienste heutzutage kaum noch gewürdigt, in Schulbüchern taucht sein
Name nicht mehr auf.
Diese Biografie verfolgt mit lebendigen Texten und
viel informativem Anschauungsmaterial dem Lebensweg Riessers und geht
auch auf Aspekte wie Riessers Haltung zum jüdischen Glauben, seine Rolle
in der zeitgenössischen Literaturszene und das jüdische Leben um 1800 in
Hamburg ein.
von
Jan Zimmermann, Verlag Ellert & Richter, 2007, 220 Seiten, Preis: 14,90
Euro
Jan Zimmermann folgt in der Reihe "Hamburger Köpfe" dem ungewöhnlichen
Lebensweg des Hamburger Kaufmanns Alfred Toepfer, bekannt als Gründer
der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.
Toepfer wurde 1894 in Altona geboren und zeichnete sich schon früh durch
seine Bereitschaft zu Disziplin und Leistung aus. Obwohl er ursprünglich
andere Berufswünsche hegte, begann er auf Wunsch des Vaters eine
kaufmännische Ausbildung. Nach dem ersten Lehrjahr wurden ihm bereits
wichtige Aufgaben übertragen, sodass er sich schließlich doch für den
Beruf begeistern konnte; mit überdurchschnittlichen Leistungen schloss
er die Lehre ab.
Zum Ende seiner Lehrzeit trat Alfred Toepfer einer Wandervogel-Gruppe bei
und erlebte glückliche, sein späteres Leben prägende Zeiten, bis er 1914
bis 1918 als Freiwilliger im ersten Weltkrieg diente. Nach dem Krieg
gründete er in Hamburg eine Firma für Getreide und Futtermittel, die ihn
bald zum reichen Kaufmann machte. In seiner 1931 gegründeten Stiftung
sah Töpfer die Möglichkeit, sein Vermögen dem öffentlichen Wohl zukommen
zu lassen. Ab 1935 kam es zu Verflechtungen mit der
nationalsozialistischen Kultur- und Volkstumspolitik, die erst nach Toepfers Tod von einer unabhängigen Kommission aufgearbeitet wurden.
Nach den zwei Weltkriegen begann die Stiftung, die europäische
Integration, den Naturschutz und die Denkmalpflege zu fördern.
Die Biografie zeigt anhand von Texten, Briefen, Fotos und Dokumenten die
Entwicklung des Stifters vom deutschen Nationalisten zum engagierten
Europäer.
von
Sigrid Schambach, Verlag Ellert & Richter, 184 Seiten, Preis: 14,90 Euro
Johann Hinrich Wichern wurde im Jahr 1808 geboren und widmete sein Leben den
Armen und Schwachen in der Gesellschaft. Der evangelische Theologe und
Pädagoge gründete die Erziehungsanstalt "Rauhes Haus", in der Kindern und
Jugendlichen durch Arbeit und Bildung eine Zukunft gegeben wurde. Die Kinder
lebten in familienähnlichen Kleingruppen und bekamen durch Gesang und Spiele
Motivation für ihre tägliche Arbeit; ein für die damalige Zeit sehr
fortschrittliches Konzept, dessen Entwicklung für die moderne Pädagogik als
bahnbrechend angesehen wird.
Auch im Bereich der Theologie fanden Wicherns Ideen Anerkennung. Mit seinen
Berichten aus den Elendsvierteln, die er selber besuchte, rief er Christen
dazu auf, ihren Glauben durch Taten zu beweisen und die Missstände zu
beseitigen.
Sigrid Schambach zeichnet ein einfühlsames und detailreiches Bild des
Kämpfers gegen die Armut. Lithografien, Zeichnungen und Dokumente
illustrieren und ergänzen seine Ausführungen.
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Die Reemtsmas – Geschichte einer deutschen Unternehmerfamilie |
von
Erik Lindner, Verlag Hoffmann und Campe, 592 Seiten, Preis: 25,- Euro
Mit dem Namen "Reemtsma" verbindet sich in erster Linie eine
Zigarettenunternehmen, das Marken wie Juno, Salem, Ernte 23, Peter
Stuyvesant und zahlreiche andere produziert hat. Und dann vielleicht noch
das Entführungsdrama um Jan Philipp Reemtsma im Jahre 1996. Aber der Namen
Reemtsma steht auch für die Geschichte einer Fabrikantenfamilie, die über
drei Generationen hinweg ein Großunternehmen aufgebaut, erfolgreich durch
den Zweiten Weltkrieg geführt und später verkauft hat, um mit dem Vermögen
ganz andere Wege zu beschreiten.
Die Reemtsmas: Das waren drei Söhne des Vaters Johann Bernhard Reemtsma aus
Osterholz-Scharmbeck bei Bremen. Diese drei gründeten 1919 das
Großunternehmen der Zigarettenfabrik Reemtsma, das bis 1980 bestanden hat,
als die Aktienanteile von Jan Philipp Reemtsma verkauft wurden.
Die Brüder siedelten das Unternehmen in Hamburg an, wo sie in der Gegend um
Othmarschen ihre Villen bezogen. Es gab Fusionen, Übernahmen und
Firmenerweiterungen, die das Unternehmen zu einem der führenden in
Deutschland machten.
Hermann, Philipp und Alwin Reemtsma, Eins, Zwei, Drei genannt, führten ihre
Kleinstfirma in den 20er-Jahren zur dominanten Größe in der deutschen
Zigarettenindustrie. Was trieb sie an? Wie setzten sie sich durch? Und was
machen die Reemtsmas heute? Deutsche Geschichte als Biografie einer Familie.
Mit viel Geschick steuerten die drei Brüder das Unternehmen durch die
Nazizeit. Die demokratische Familie schützte ihr wegen jüdischer Teilhaber
unter Druck geratenes Unternehmen durch Anpassung und Millionenspenden an
Hermann Göring. Der immense Zigarettenkonsum im Krieg festigte ihre Stellung
und garantierte Spitzeneinkünfte. Jüdischen Geschäftspartnern wurde
großzügig und nach allen denkbaren Möglichkeiten geholfen. Nach der
Entnazifizierung begann der Wiederaufbau zerstörter Fabriken. Sie
beteiligten sich am S. Fischer Verlag, waren in Bankvorständen und
beschränkten ihre Aktivitäten nicht allein auf ihr Unternehmen.
Als das Gründertrio abgetreten war, zog sich die Familie aus der
Firmenleitung zurück. Der Haupterbe Jan Philipp Reemtsma machte sich als
Wissenschaftler und Forschungsinitiator einen Namen. Spektakulär waren seine
Entführung (1996) und die "Wehrmachtsausstellung" des von ihm finanzierten
Hamburger Instituts für Sozialforschung. Jan Philipp Reemtsma, ein
intellektueller und in den Wissenschaften und Künsten engagierter Mäzen,
setzt sich mit der Vergangenheit seiner Familie und des Unternehmens in
besonderem Maße auseinander.
Der Autor fand Kontakt zu den Söhnen der Firmengründer. Sie machten ihm
Korrespondenz und Dokumente zugänglich. Das Resultat: die Geschichte von
drei Reemtsma-Generationen, die sich wie ein spannender Familienroman liest,
bebildert mit zahlreichen Familienaufnahmen.
von
Peter Wieckenberg, Verlag Ellert & Richter, 264 Seiten, Preis: 14,90 Euro
Johan Melchior Goeze, 1717 in Halberstadt geboren, war ein lutherischer
Theologe. Er studierte in Jena und Halle, wurde 1741 Prediger in
Aschersleben, 1750 in Magdeburg und war ab 1755 Hauptpastor der
Katharinenkirche in Hamburg. Er wurde der wirkungsmächtigste Vertreter
der protestantischen Orthodoxie in der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts und einer der wichtigsten Gegner der Aufklärung. Seine
zahlreichen Auseinandersetzungen – etwa mit Johann Bernhard Basedow,
Carl Friedrich Bahrdt oder Gotthold Ephraim Lessing – haben ihm den Ruf
eines streitsüchtigen Mannes eingetragen, der, getrieben vom Geist der
Gegenaufklärung, sich jeder Neuerung in Kunst und Poesie, Wissenschaft
und Theologie in den Weg stellte.
Aber trifft dieses Urteil wirklich zu? Indem der Verfasser Goezes Wirken
in die theologischen und politischen Auseinandersetzungen der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts stellt, gelingt es ihm, ein
differenzierteres Bild dieses Mannes zu zeichnen, als es bisher
verbreitet war.
von
Andreas Brämer, Verlag Ellert & Richter, 216 Seiten, Preis: 14,90 Euro
Dr. Joseph Carlebach war der letzte Oberrabbiner der Gemeinde Hamburg-Altona
(1936–1941) wie auch einer der letzten orthodoxen Rabbiner in Deutschland.
Als einer der bedeutendsten Vertreter der jüdischen Orthodoxie hat er eine
Wirkung entfaltet, die ihn als charismatische Hamburger Persönlichkeit
heraushebt und zugleich über die Grenzen der Hansestadt hinausweist.
Seit 1921 wirkte er in Hamburg, wo er zunächst die traditionsreiche
Talmud-Tora-Realschule der jüdischen Gemeinde reformierte. Grundlage und
Ausgangspunkt der Lehre Carlebachs war der jüdische Glaube, der alle
Lebens-und Wissensbereiche durchdringt und die Ganzheit und Einheit von
Seele und Geist garantiert. Das Ziel der Schule sah er in der Schaffung
einer jüdischen Lebenswelt, getragen vom höchsten jüdischen Wert
sittlich-ethischer Verantwortung, in der Hebräisch als lebendige Sprache
gesprochen wird. Als Schulleiter und Oberrabbiner erhob Carlebach so lange
die Stimme, bis die Nationalsozialisten sie gewaltsam zum Schweigen
brachten.
Andreas Brämer macht mit den wichtigsten Stationen einer Lebensgeschichte
vertraut, die an den Schnittstellen zwischen deutscher und jüdischer
Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert verläuft.
Joseph Carlebach wurde 1883 als achtes Kind von Esther und Salomon Carlebach
in Lübeck geboren. Ab 1901 studierte er in Berlin Naturwissenschaften,
Mathematik, Astronomie, Philosophie und Kunstgeschichte. Max Planck und der
Philosoph Wilhelm Dilthey gehörten zu seinen Lehrern. Gleichzeitig ließ sich
Carlebach am dortigen orthodoxen Rabbinerseminar ausbilden. Ab 1905
unterrichtete er für zwei Jahre in Palästina am Jerusalemer Lehrerseminar.
Dort kam er auch mit maßgeblichen Toraexperten in Kontakt.
1910 bis 1914, gleich nach seiner Promotion, widmete sich Carlebach wieder
verstärkt dem Rabbinatsstudium am Berliner Rabbinerseminar, welches streng
orthodox ausgerichtet war und unter der Leitung des Rabbiners David Hoffmann
stand. 1914 wurde er als Rabbiner ordiniert.
Am 4. Dezember 1941 erhielten 753 Hamburger Juden den Deportationsbefehl.
Carlebach wurde am 6. Dezember 1941 ins Konzentrationslager Jungfernhof in
der Nähe von Riga deportiert. Im Lager organisierte Carlebach heimlich den
Schulunterricht, besorgte ein Chanukka-Fest und einige Bar-Mizwa-Feiern.
Am
26. März 1942 wurden Joseph Carlebach, seine Frau Charlotte und seine drei
jüngsten Töchter Ruth, Noemi und Sara in einem Wald bei Riga erschossen. Der
jüngste Sohn Salomon (Shlomo Peter) überlebte die Gewaltherrschaft in neun
verschiedenen Konzentrationslagern.
von
Matthias Wegner, Ellert & Richter Verlag, 144 Seiten, Preis: 19,95 Euro
Die Buchreihe "Hamburger Köpfe" porträtieren den berühmten Schauspieler
Hans Albers (1891-1960) sei schon zu Lebzeiten ein Mythos gewesen. Der gebürtige
Hamburger Albers, der strahlende Held mit den leuchtenden, blitzenden Augen,
"muss der Prototyp eines Schulversagers gewesen sein", so Autor Wegner. Mit dem
Vater teilt er die Liebe zum Theater. Der junge Albers tritt 1911 zuerst in
Bad Schandau auf, es folgen Demmin, Teterow, Bützow, und 1914 Hamburg, das
Thalia Theater. Nach drei Jahren im Krieg steht Albers wieder auf der Bühne.
Berlin wird nun seine Stadt.
Er spielt in unzähligen Salonkomödien, Operetten und Revuen. Besser läuft es
mit dem Filmen, das bringt Geld. Diese harten Jahre bedeuten "zu viel
Alkohol, zu viel "Zocken", zu viele Frauen, abends Bühnenauftritte und
tagsüber Filmaufnahmen." Sein Metier ist die Revue, und als Ende der 1920er-Jahre Revuen die Bühnen erobern, wird Albers zum Star: "Ein Blick, und er
hat das Publikum.
Ein Ton, und er hat das Parkett", urteilt ein Kritiker.
Jeden Abend wollen Albers 2.000 Zuschauer auf der Bühne in Molnars "Liliom"
sehen. Mit dem Tonfilm wächst ihm dann landesweite Wirkung zu, begeistern
Filme wie "Der blaue Engel" und "Der Sieger" die Massen. 1932 ist er der
populärste Filmschauspieler Deutschlands, "genießt die süße Droge Erfolg.
Hans Albers war ihr mit Leib und Seele verfallen." Er, der sich nur für sich
selbst interessiert, wirkt zwischen 1933 und 1945 in 20 Filmen als
Kassenmagnet mit.
Seine informative Biografie wirf ein neues Licht auf den Star von einst und
rückt ihn uns wieder etwas näher.
von
Paul Raabe, Ellert & Richter Verlag, 144 Seiten, Preis: 14,90 Euro
Eva Lessing (1736–1778), Witwe des Hamburger Kaufmanns Engelbert König,
heiratete nach einer fünfjährigen Verlobungszeit im Herbst 1776 Gotthold
Ephraim Lessing, den damals bekanntesten Schriftsteller Deutschlands. Sie
starb nach einem glücklichen Ehejahr in Wolfenbüttel am 10. Januar 1778 im
Kindbett: eine der tragischen Frauengestalten der deutschen
Literaturgeschichte. Man kennt sie nur aus der Biographie der anderen
Ehehälfte. Sie teilt damit das Schicksal fast aller Frauen ihrer Zeit.
Kein Nachruf ist überliefert, kein Nachschlagewerk verzeichnet ihren
Namen. Die Biographie von Paul Raabe schließt jetzt diese Lücke und rückt
Eva König nun aus dem Schatten Lessings ins Licht der Leser. Er schreibt,
sie sei ihrem Mann Gotthold Ephraim Lessing ebenbürtig gewesen und nennt
sie "eine der tragischen Frauengestalten in der Literaturgeschichte" –
eben weil man sie nur als Beiwerk zum Leben eines berühmten Mannes kenne.
Im ersten Teil erzählt Raabe über die Heirat und Ehe mit dem Kaufmann
Engelbert König, dem sie sieben Kinder gebiert und zu dessem anregenden
Freundeskreis der Familie der berühmte Dichter Lessing gehört. Der Dichter
1768 wird Pate des jüngsten Kindes von Eva König. Als ihr Mann 1769
stirbt, bittet er Lessing: "Nehmen Sie sich meiner Frau und Kinder an."
Eindrücklich schildert die Biographie, wie die Kaufmannswitwe den Samt-
und Seidenhandel ihres verstorbenen Mannes in Wien besorgt, wie
eigenständig sie die Geschäfte führt und als Unternehmerin aktiv wird.
Lessing wird in den folgenden Jahren Eva Königs Vertrauter, schließlich
bekennen sie einander ihre Liebe und verloben sich 1771. Als die beiden
1776 heiraten, ist Eva König 40 und Lessing 47 Jahre alt. Doch die Geburt
des ersten gemeinsamen Sohnes bedeutet den Tod von Kind und Mutter. Raabe
zeigt, dass Eva König mit ihrer Herzensgüte und Lebensklugheit, ihrer
Tüchtigkeit und Treue in ihrem Wesen Lessing in nichts nachgestanden hat.
Er erzählt ein Frauenleben im 18. Jahrhundert.
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"Hamburger Köpfe": Friedrich Christoph Perthes |
von
Inge Grolle, Ellert & Richter Verlag, 144 Seiten, Preis: 14,90 Euro
Friedrich Christoph Perthes (1772-1843) gilt als eine der
bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen Buchhandels- und
Verlagswesens. 1796, im Alter von nur 26 Jahren, eröffnete er in Hamburg
eine reine Sortimentsbuchhandlung. Der Kunde konnte sich dadurch
erstmals selbst ein Bild über das Angebot an Neuerscheinungen machen –
ein Qualitätssprung für die Lesekultur. Perthes warb für ein modernes
Urheberrecht und war maßgeblich an der Gründung des Börsenvereins des
deutschen Buchhandels beteiligt. Er heiratete Caroline, die Tochter des
Dichters Matthias Claudius, agierte als Verleger und wurde eine prägende
Persönlichkeit in der geistigen Elite Hamburgs und Schleswig-Holsteins.
Am Jungfernstieg führte er ein offenes Haus. Perthes stand im Kontakt
mit Künstlern wie Philipp Otto Runge und diskutierte nächtelang mit Adam
Graf Moltke. Als die Franzosen Hamburg besetzten, unterlief er die
Zensur, opponierte offen gegen die Invasoren und musste zeitweilig die
Stadt verlassen.
Die Historikerin und Germanistin Inge Grolle hat Perthes' Lebensgeschichte aufgeschrieben. Der Band wurde von der
Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius in der Reihe "Hamburger Köpfe"
herausgegeben.
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"Hamburger Köpfe": Carl Philipp Emanuel Bach
|
von Dorothea Schröder, Ellert & Richter Verlag, 120 Seiten, Preis: 19,95 Euro
Wer im späten 18. Jahrhundert vom "großen Bach" sprach, der meinte nicht Johann Sebastian, sondern Carl Philipp Emanuel Bach.
Zunächst Kammercembalist Friedrich des Großen, übernahm der zweitälteste Bach-Sohn
1767 das Amt des Johanneumkantors und Leiters der Kirchenmusik in Hamburg. Mit seinem vielfältigen
Œuvre übte er großen Einfluss auf die nachfolgende
Komponistengeneration aus.
Heute
wird seine Tonsprache neu entdeckt: für das Hörerlebnis beim Lesen
sorgt eine im Buch eingelegte CD mit ausgewählten Musikbeispielen.
von
Jens Meyer-Odewald, Verlag Die Hanse, 250 Seiten, Preis: 24,90 Euro
Albert Darboven, 1936 in Darmstadt geboren und nach dem Tode seines
Vaters vom Onkel Arthur Darboven adoptiert, ist heute Deutschlands Kaffeekönig. In vierter Generation führt er das 1866 gegründete
Familien-Unternehmen. Onkel Arthur ließ den erst 14jährigen Albert
wissen "Du wirst mal mein Nachfolger sein". Von ihm lernte
Albert nicht nur hart zu arbeiten, sondern auch, dass dies immer mit Genuss
verbunden werden kann. Seine Sensibilität für den Bohnenkaffe erwarb
Albert schon im ersten Lehrjahr, Perfektion erlang er durch seine Studien
in London und Übersee, wobei immer noch genügend Zeit blieb, sich mit
Hingabe der Damenwelt zu widmen.
Für die hohe Qualität seines Kaffees verbirgt sich Darboven
persönlich in Fernsehspots. Doch wer ist der Mensch Albert Darboven?
Ein passionierter Polospieler und Besitzer eines Gestüts einerseits. Andererseits kocht
"Atti", wie ihn seine Freunde nennen, zu Hause gern Rührei mit Maggi und Schnittlauch, und träumt noch heute von den "Barmbeker Stullen" (Schwarzbrot mit Schweinebraten) seines Kumpels Guschi. Mit dem hat er als Schauermann im Hamburger Hafen gearbeitet und 70kg-Kaffeesäcke geschleppt.
Albert Darboven hat dem Journalisten Jens Meyer-Odewald selbst aus seinem Leben berichtet: so ist eine farbige und authentische
Biographie, in der Ich-Form erzählt, entstanden, die deutlich macht, wie sehr das
Firmenmotto auch für den Menschen Albert Darboven gilt: "Aus Freude am Leben!"
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"Hamburger Köpfe": Georg Philipp Telemann
|
von Eckart Kleßmann, Ellert & Richter Verlag, 140 Seiten, Preis: 19,95 Euro
Georg Philipp Telemann kam 1681 in Magdeburg zur Welt. Bereits mit zwölf
Jahren begann er zu komponieren, startete dann seine Laufbahn als
junger Musikdirektor in Leipzig, wirkte als Kapellmeister in Sorau,
Eisenach und Frankfurt am Main, bis er 1721 nach Hamburg berufen
wurde, wo er 46 Jahre lang als Kantor am Johanneum, Musikdirektor der
fünf Hauptkirchen und Chef der Hamburger Oper tätig war. Durch seine zahlreichen Druckausgaben förderte er das Laienmusizieren und gab damit der Musik eine neue gesellschaftliche
Funktion, förderte und prägte wie kein anderer die bürgerliche
Musikkultur. Als erster hat er das Hamburger Musikleben organisiert und in zahlreichen Prozessen um sein Urheberrecht gekämpft. Obwohl
auch international hoch angesehen, geriet der 1767 Verstorbene nach
seinem Tod bald in Vergessenheit. Erst spät wurde er wiederentdeckt
und gehört heute zu den bedeutendsten und produktivsten Komponisten
seiner Zeit.
Der in der Biografie-Reihe von der ZEIT-Stiftung Ebelin
und Gerd Bucerius erschienene Band berichtet über Leben, musikalische
Entwicklung und Arbeit Telemanns, lässt aber auch Informationen über
die zerrüttete Ehe und den verweigerten Nachruhm nicht aus. Dem Buch
liegt eine CD mit drei Kompositionen Telemanns bei.
von
Peter Zimmermann, Dölling und Galitz Verlag, 460 Seiten, Preis: 30,-
Euro
Bisher war Theodor Haubach vor allem als von den Nationalsozialisten ermordeter Widerstandskämpfer bekannt. Aufgrund der Erschließung neuen Quellenmaterials erscheint nun erstmals eine Biographie, die das gesamte Leben und Wirken des Patrioten, Republikaners und Europäers in einer differenzierten und kritischen Darstellung würdigt. Theodor Haubach (1896 -1945) gehörte zu einer bildungs-bürgerlichen Generation der Weimarer Republik, deren Erfahrungsraum expressionistische literarische Versuche, Wandervogel-Mitgliedschaft, Notabitur und freiwillige Kriegsteilnahme waren. Sein Schritt in die Politik erhielt entscheidende Impulse während des Studiums in der Auseinandersetzung mit Max Weber und seinen Lehrern Emil Lederer, Alfred Weber und Karl Jaspers. Als Journalist, SPD-Parlamentarier und auf der Straße führte er in Hamburg und später in Berlin einen beharrlichen Kampf gegen Kommunisten und Nationalsozialisten und versuchte, im Bürgertum die Basis für die republikanische Idee und ein friedliches Europa zu stabilisieren. Er engagierte sich in einer Fülle von Organisationen, am spektakulärsten wohl im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Trotz KZ-Haft und massiver Überwachung zu Beginn des Zweiten Weltkriegs blieb er seinen Überzeugungen treu.
Mit der Arbeit im Kreisauer Kreis wollte er seine Vision eines demokratischen Neubeginns durch Kooperation verschiedener gesellschaftlicher Kreise nach der Überwindung der nationalsozialistischen Herrschaft vorbereiten. Haubach wurde am 23.1.1945 in Plötzensee hingerichtet.
von
Gisa Aurbek, Ellert & Richter Verlag, 136 Seiten, Preis: 14,90 Euro
Rolf Liebermann, der bekannte Komponist und weltberühmte Opernintendant, führte die Hamburgische Staatsoper an die Weltspitze. Der Weltbürger Liebermann arbeitete in vielen Ländern, mit seiner künstlerischen Kreativität hinterließ er Spuren bis nach Amerika. In Hamburg lebte er sehr gern,
"die Stadt ist mir ans Herz gewachsen.
Hier fühle ich mich zu
Hause." In diesem Buch wird erstmals Liebermanns gesamter Lebensweg beschrieben.
von Emanuel Eckardt, Ellert & Richter Verlag,
128 Seiten, Preis: 14,90 Euro
Der in Hamburg geborene Herbert List war einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts, Kaufmann und Bonvivant, ein Surrealist mit der Kamera. Er sah sich als Amateur und war ein Künstler der leichten Hand. List war ein Pionier neuer, erotischer Sehweisen und als Porträtist großer Persönlichkeiten Chronist einer europäischen Epoche des Geistes.
Die Biographie Lists gründet auf dem
unveröffentlichten Nachlass des Fotografen und zeigt ein Fülle seiner
Arbeiten – sie vermag zu zeigen, dass Lists Werk keine Patina ansetzt,
dass es nicht verstaubt, sondern auf ganz eigene, unzerstörbare Weise
zeitlos ist.
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"Hamburger Köpfe": Barthold Hinrich Brockes
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Herausgegeben
von der ZEIT-Stiftung, Ebelin und Gerd Bucerius, 128 Seiten mit 31
Abbildungen, Leinen mit Schutzumschlag, Preis: 14,90 Euro, ISBN 3-8319-0100-7
Johann Gottfried Herder, Eduard Mörike und Alfred Lichtwark zählten
zu seinen Bewunderern: Barthold Hinrich Brockes (1680-1747), studierter
Rechtswissenschaftler, wurde im Jahre 1720 Ratsherr von Hamburg. Weit
über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus wurde er jedoch mit seinem
neunbändigen, lyrischen Werk "irdisches Vergnügen mit Gott"
bekannt. In seinen Gedichten besingt er die Natur: Als erster deutscher
Poet richtet er seine Aufmerksamkeit auf die bisher unbeachtete Tierwelt
von Ameisen, Käfern, Schmetterlingen und Fröschen. Ein einziger Gedanke
lag seinem gewaltigen poetischen Schaffen zugrunde: die Vielfalt der
Schöpfung als Ausdruck von Gottes Liebe und Schöpferkraft. Der Autor
Eckart Kleßmann stellt den reichbegabten Menschen und bedeutenden Dichter
vor, mit dem Ziel ihm wieder neue Leser zu gewinnen.
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"Hamburger Köpfe": Friedrich Gottlieb Klopstock
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Herausgegeben von der
ZEIT-Stiftung, Ebelin und Gerd Bucerius, 120
Seiten mit 42 Abbildungen, Leinen mit Schutzumschlag, Preis: 14,90 Euro, ISBN
3-8319-0111-2
2003 war das Jahr Klopstocks: am 14. März jährte sich sein Todestag
zum 200. Mal. In ganz Hamburg fanden aus diesem Anlass die verschiedensten
Veranstaltungen zum Thema statt. Der Ellert & Richter Verlag ehrt den
Dichter mit einem Buch im Rahmen der Reihe "Hamburger Köpfe".
Insbesondere Friedrich Gottliebs Hauptwerk, der "Messias" – ein
Großepos in 20 Gesängen - trug maßgeblich zu dessen Ruf eines
erstrangigen Dichters bei. Von 1751 bis 1770 lebte der in Quedlinburg
geborene Dichter mit Unterbrechungen in Dänemark, anschließend bis zu
seinem Tode in Hamburg. Hier war er der anerkannte Mittelpunkt in den
Kreisen des gebildeten Bürgertums.
Bei der nun erschienenen Biografie des
Autors Klaus Hurlebusch handelt es sich um die erste, die umfassend auf
der langjährigen Forschung in der Arbeitsstelle der "Hamburger
Klopstock-Ausgabe" basiert.
von Gabriele Söhling, Ellert & Richter Verlag, 240 Seiten, Preis: 19,95 Euro
Hans Erich Nossack (1901-1977) wurde nach dem Krieg mit seinem Bericht
"Der Untergang"" über die Luftangriffe auf Hamburg im Sommer 1943 bekannt. Der als Außenseiter geltende und zugleich vielfach
ausgezeichnete Hamburger Schriftsteller schuf ein eigenwilliges Werk, das zu den bedeutendsten der westdeutschen Nachkriegsliteratur zählt. Der Sohn eines Kaffeeimporteurs führte viele Jahre eine Doppelexistenz
als Schriftsteller und Kaufmann in der väterlichen Firma im Hamburger
Hafen, bevor er nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner eindringlichen und
schnörkellosen Prosa Aufmerksamkeit erregte. In den fünfziger und
sechziger Jahren gehörte Nossack mit seinen zeitkritischen Romanen und
Erzählungen zu den anerkannten und ausgezeichneten Autoren der jungen
Bundesrepublik.
Erstmals werden in dem vorliegenden Buch die
Lebensstationen dieser außergewöhnlichen Schriftstellerpersönlichkeit
nachgezeichnet, von der Kindheit in Hamburg über Studium und politische Entwicklung,
sein Doppelleben als Angestellter bis zu den ersten Erfolgen im
Literaturbetrieb und den späten Hamburger Jahren.
von
Hartmut Soell, Deutsche Verlagsanstalt, 992 Seiten, Preis: 39,90 Euro
Helmut Schmidt zählt zu den bedeutendsten Kanzlern des 20. Jahrhunderts. Er erlebte als Offizier den Zweiten Weltkrieg, war in britischer Gefangenschaft und trat 1946 in die SPD ein. Als Hamburger Innensenator erwarb er bei der Flutkatastrophe 1962 durch herausragendes Krisenmanagement höchstes Ansehen. Dies war der Durchbruch zu einer steilen politischen Karriere. Seit 1967 Vorsitzender der SPD-Fraktion, war er im Bundestag als scharfzüngiger Redner bekannt. Schmidt hat maßgeblich zur Prägung der SPD als Volkspartei und zu ihrer Regierungsfähigkeit beigetragen.
Anlässlich des 85. Geburtstages des Altbundeskanzlers am 23. Dezember 2003
erschien die große Helmut-Schmidt-Biographie.
Gestützt auf eine fast beispiellos breite Quellenbasis, darunter bisher verschlossene Akten und Korrespondenzen, schildert
der Autor anschaulich Jugend und Aufstieg von Helmut Schmidt, seine familiären und geistigen Wurzeln und fördert dabei durchaus Unbekanntes zutage. Hartmut Soell ist eine einzigartige Biographie (1918 – 1969) gelungen.
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Loki – Hannelore Schmidt erzählt aus ihrem Leben
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Hoffmann
& Campe, Preis: 21,90 Euro, 368 Seiten und vierfarbiger Bildteil mit 2 x 16 Seiten
Eine große Persönlichkeit, ein facettenreiches Leben. Loki Schmidts Geschichte spannt einen weiten Bogen: von der Herkunft aus einfachen Verhältnissen bis zu der Zeit als Kanzlergattin, von den vielen Reisen in die Ferne bis hin zum Eintreten für den Naturschutz. Eine sympathische und beeindruckende Autobiografie.
Bereitschaft zum Lernen und die Liebe zur Natur prägen Hannelore –
"Loki" – Schmidts Werdegang. Er führte sie aus einer Arbeiterfamilie an der Seite ihres Mannes Helmut in die Sphären der hohen
Politik und aus Hamburg-Hammerbrook bis nach Nordborneo, zu den Galapagos-Inseln und anderen exotischen Zielen.
Mit der ihr eigenen Natürlichkeit erzählt Loki Schmidt aus einem Leben voller Kontraste. Sie schildert die Mühen einer jungen Lehrerin und die Nöte der Mutter eines todkranken Kindes in den Wirren des Krieges ebenso eindringlich wie die Herausforderungen, die an die Frau eines Bundeskanzlers gestellt wurden. Loki Schmidts Freude am Abenteuer teilt sich anschaulich mit, wenn sie ihre meist beschwerlichen Expeditionen in die Ferne Revue passieren lässt. Und die anerkannte Botanikerin erzählt unnachahmlich davon, wie Mut, Ausdauer und Entdeckerlust Erfüllung bringen
können.
Mit
der von ihr gegründeten "Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung zum
Schutz gefährdeter Pflanzen" verlieh sie ihrem lebenslangen Eintreten
für die natürliche Umwelt Nachhaltigkeit.
Hrsg.
von Dirk Brietzke und Franklin Kopitzsch, Christians Verlag
Im ersten Band der "Hamburgischen Biografie" wurden 325 Frauen und Männer des öffentlichen Lebens, aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sport, Kunst und Kultur
versammelten.
Der 2. Band präsentiert über 400 Biografien, erforscht und verfasst von 100 Wissenschaftlern.
Das Personenlexikon von A bis Z bietet ein buntes Spektrum hanseatischer
Lebensläufe von Rudolf Augstein, August Bebel, Rudolf Blohm, Johannes Brahms, Max Brauer, Gerd Bucerius,
über Friedrich I. Barbarossa, Marion Gräfin Dönhoff, Helga Feddersen, Gustaf Gründgens, Carl Hagenbeck, Salomon Heine, der Lord von Barmbek, Klaus Mann, Gustav Mahler,
bis hin zu Richard Ohnsorg, Lola Rogge, Philipp Otto Runge und vielen mehr.
Der dritte Band der "Hamburgischen Biografie" enthält weitere 370
biographische Porträts von berühmten, aber auch von (zu Unrecht) vergessenen
Persönlichkeiten, die für die Freie und Hansestadt von besonderer Bedeutung
waren. Die Porträts eröffnen ein Panorama der stadtgeschichtlichen Epochen,
das fundierte Einblicke in die Historie der Stadt und ihrer Bewohner
erlaubt. Zugleich zeigen die Artikel die Palette der fachübergreifenden
aktuellen Forschungen zur Geschichte Hamburgs, die deutlich werden lässt,
welch großes, auch für andere Felder der Geschichtswissenschaft anregendes
Potential die regionalgeschichtliche Forschung besitzt.
Geplant sind insgesamt sechs Bände mit ca. 2.400 Biographien, die von
rund 150 Experten aus verschiedenen Fachrichtungen verfasst werden. Jeder
Band enthält Einträge von A bis Z, die ab dem zweiten Band durch ein
kumulatives Register der erschienenen Bände erschlossen werden.
Band 1
Band 2
Band 3
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