Buchtipp-Sammlung
Hamburg Musik!
Hamburg ist als Musikstadt nicht so berühmt wie Paris, London oder Wien. Dennoch hat die Hansestadt in den letzten Jahrhunderten mehr zur Musikgeschichte beigetragen, als kaum eine andere Stadt. Es wurde nur nicht in die Welt hinausgetragen, die Stadt rühmte sich nicht mit seinen Musikern, wie andere es taten.
Mehr als drei Jahrhunderte Hamburger Musikleben – von der Klassik, über Swing und Jazz bis zu Pop und Rock – hat Joachim Mischke, den Abendblatt-Lesern unter dem Kürzel "jomi" durch seine mitunter sehr kritischen, manchmal respektlosen Musikberichte bestens bekannt, in seinem Buch nun gründlich untersucht und trefflich beschrieben.
Wer wollte Händel auf dem Gänsemarkt töten? Wie ist Brahms aufgewachsen? Was machte Tschaikowsky am Jungfernstieg? Wo entdeckten die Beatles Schlammringerinnen? Diese und andere Fragen beantwortet er mit Witz und Leidenschaft, erzählt Geschichte und Geschichten der faszinierenden Musikwelt der Hansestadt.
An Elbe und Alster gehörte die Liebe zur Musik schon immer zum guten Ton. Die Blütezeit der Hamburger Musikgeschichte war jedoch im Barock. 1678 wurde mit der Gänsemarktoper das erste deutsche Opernhaus, eine Volksoper für alle, eröffnet. Erbaut von Girolamo Sartorio, der bereits zwanzig Jahre das welterste Opernhaus in Venedig errichtet hatte. Schnell entwickelte sich die Stadt zum Zentrum des Barock.
Händel, Telemann, Keiser, Mitglieder der Bach-Familie waren zum Teil Jahrzehnte in Hamburg tätig. Und bei Johann Sebastian Bach fehlte es der Legende nach nur am nötigen "Eintrittsgeld", um eine Festanstellung in St. Jacobi zu bekommen und so entschied er sich leider für Köthen. Viele Opern und Kompositionen dieser Zeit werden heute nicht mehr gespielt, würden sich jedoch durchaus lohnen, wieder entdeckt zu werden.
Die Liste berühmter Komponisten und Dirigenten ist, die Hamburg aktiv waren, ist lang. Mendelssohn und Brahms wurden hier geboren. Mahler dirigierte am Stadt-Theater und litt unter dem Hamburger Publikum, es klatschte an den falschen Stellen – auch heute noch oft zu erleben.
Aber das reiche Hamburger Bürgertum glich seine kulturelle Unkenntnisse dafür mit stattlichen Summen zur Unterstützung der Musik aus. So entstand auch die Hamburger Musikhalle dank der großzügigen Finanzierung des Rederehepaars Laeisz.
Natürlich geht es in dem Buch auch um die populäre Musikgeschichte. Die Beatles begannen ihre Karriere in den Clubs rund um die Reeperbahn, große Musicals machten Hamburg zur Entertainment-Metropole. Udo Lindenberg, Blumfeld, Tocotronic oder Jan Delay sind nur einige der Stars, die Pop-Geschichte schrieben und schreiben. Und natürlich dürfen auch die Musicals nicht fehlen.
Dieses Buch bietet einen faktenreichen und unterhaltsamen Panoramablick auf mehr als drei Jahrhunderte Musikgeschichte made in Hamburg.
Von Joachim Mischke, Verlag Hoffmann und Campe (1. Auflage 2008), 400 Seiten, Preis 22,- Euro.
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