Ausstellungen & Museen
Body and Soul. Menschenbilder aus vier Jahrtausenden
C.O. Czeschka: Ritterheer, 1908-10, Foto: Hiltmann/Rowinski/Torneberg, © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Was ist der Mensch? Was macht ihn aus? Fragen, die Menschen seit Jahrtausenden bewegen und immer neue Antworten suchen lassen. Der menschliche Körper als kleinste soziale Einheit, als Repräsentant von Ideen, Wünschen, Sehnsüchten, Personen und Kulturen ist bis heute ein bevorzugtes Motiv für Künstler, um das Wesen des Menschen und die Bedingungen des Menschseins immer wieder auszuloten.
Die Sonderausstellung versammelt ausgewählte Meisterwerke des Museums und lenkt den Blick auf den außerordentlichen Reichtum, die Vielfalt und Qualität die Sammlungen des Hauses, die mit über 500.000 Objekten einen unvergleichlichen Fundus für Erzählungen über den Menschen bieten.

- Leonhard Kern: Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies, um 1645/50, Foto: Hiltmann/Rowinski/Torneberg, © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Mehr als 100 Exponate aus den Abteilungen Antike, China, Japan, Islam, Europäisches Kunsthandwerk, Grafik, Fotografie, Mode und Möbeldesign verlassen für die Ausstellung ihren Platz in der kunsthistorischen Chronologie und fügen sich zu einem thematischen Parcours rund um das Bild des Menschen – den Urheber und der Mittelpunkt von "Kunst und Gewerbe". Sie spiegeln den Umgang mit Themen wie Geburt, Leidenschaft, Schönheit, Spiel, Kampf, Individualität, Verehrung und Tod wider und laden ein zu einer Spurensuche und zum Entdecken von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Auffassung vom Körper und von der Seele in den verschiedenen Kulturen bis heute. "Body and Soul" bietet einen ungewöhnlichen Blick auf die Sammlung – spielerisch, assoziativ und an die Phantasie des Betrachters appellierend.
Die Ausstellung beginnt mit der Frage nach dem Ursprung und der Geburt des Menschen. Das Motiv der fürsorglichen Mutterfigur mit einem Kind im Arm findet sich in nahezu allen Kulturen und Zeiten. Christliche Muttergottes-Darstellungen aus verschiedenen Jahrhunderten stehen für die Verehrung der Jungfrau Maria und die mütterliche Fürsorge im Allgemeinen. Im alten Ägypten symbolisierte die stillende Göttin Isis mit dem Horusknaben auf ihrem Arm den familiären Schutz. Diese Ikonografie nimmt bereits Darstellungen der Maria mit Jesuskind vorweg.

- Ägypten: Kopf eines afrikanischen Kindes, Anfang 1. Jh. v.Chr., © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Der Mensch beschäftigt sich seit jeher mit seinem Aussehen und nimmt am Körper selbst oder mit Hilfe von Kleidung und Schmuck Veränderungen vor. Wurde Schönheit in vielen Kulturen meist nur mit körperlichen Merkmalen und Proportionsverhältnissen verbunden, ändert sich dies in der Moderne, die die Schönheit des Geistes und der Seele entdeckte. In der antiken Tradition der Darstellung anmutiger weiblicher Schönheit steht die klassizistische Figurengruppe der drei Grazien aus Biskuitporzellan von Christoph Gottfried Jüchtzer. Das Sujet bot Künstlern die Gelegenheit, den weiblichen Akt in mehreren Ansichten gleichzeitig zu inszenieren.
Dass dieses klassische künstlerische Motiv aber auch noch im 20. Jahrhundert präsent blieb, zeigt die Fotografie dreier afrikanischer Frauen als die drei Grazien in "Three Girls, Dahomey" (1967) von Irvin Penn. Erich Heckels grob geschnitzte, expressionistische Holzfigur "Stehende" (1912) steht wiederum in der Tradition der Venus Pudica, der schamhaften Venus.
Das Phänomen der Verehrung ist allen Kulturen immanent. So versammelt das Kapitel Verehrung Objekte mit Kultstatus, stellvertretend für Personen und Ideen.
In allen Kulturen und Zeiten ist der Tod und mit ihm auch das Sterben ein zentrales Thema. Grabbeigaben und Schmückung der Toten belegen, dass der Tod nicht als Endpunkt, sondern als Bindeglied zu einem neuen individuellen Leben oder Übergang der in einen anderen Seinszustand verstanden wird. Unmittelbarer Ausdruck des Todes wurde der Schädel: Bereits im 9. Jahrtausend v. Chr. sind Schädelkulte im Vorderen Orient nachzuweisen. Er findet sich als Reliquie in kunstvoll verzierten Reliquaren der christlichen Kirche des Mittelalters und dient seit der Renaissance als Vanitasmotiv, das die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens im Vergleich zur Unsterblichkeit der Seele symbolisiert.
| Wann? | Bis 1. April 2012 |
| Wo? | Museum für Kunst und Gewerbe |
Ortsinformationen
Adresse
- Museum für Kunst und Gewerbe
- Steintorplatz 1
- 20099 Hamburg
- Telefon: 0 40/42 81 34 - 8 80
- Telefax: 0 40/42 81 34- 9 99
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