Gin-Hype hält an: Jetzt ziehen die Tonic-Hersteller nach

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Der Extrakt aus der Chinarinde ist eine der charakteristischen Zutaten des Tonic Waters und dabei für den bitteren Geschmack ausschlaggebend. Foto pixabay, © gokalpiscan, CC0 Public Domain

In den letzten Jahren hat Gin nicht nur in Deutschland einen wahren Boom erfahren. Internationale wie nationale Destillen haben den Wacholderbrand in immer neuen Geschmackskompositionen auf den Markt gebracht. Beinahe untrennbar mit Gin verbunden ist das Tonic Water als Zutat zum entsprechenden Longdrink. Auch hier buhlen mittlerweile immer mehr Sorten um die Gunst der Liebhaber des Trendgetränks.

Nachdem "Monkey 47", der erste hochpreisige Wacholderschnaps aus deutschen Landen, im Jahr 2011 als bester Gin weltweit gekrönt wurde, sind hier immer mehr regionale Produkte aufgetaucht. Allein aus Hamburg stammen inzwischen rund zehn verschiedene Labels, die ihren eignen Gin produzieren. Darunter sind neben spezialisierten Brennereien auch Bars, die in Eigenregie die Spirituose nach individuellem Rezept herstellen. Die verschiedenen Aromenschwerpunkte beim Gin verlangen nach dem entsprechenden Gegenpart beim Tonic Water.

Einfache Herstellungsverfahren

Bei der Herstellung von Gin kann durch die Wahl und Menge der destillierten Kräuter und anderen natürlichen Inhaltsstoffen (Botanicals) relativ einfach eine eigene Geschmacksrichtung kreiert werden. Außerdem werden keine besonders hergestellten Fässer wie beispielsweise für das Brauen von Whiskey oder Rum benötigt. Auch eine Reifezeit ist nicht grundsätzlich notwendig.

Dasselbe gilt auch für die Erzeugung von Tonic Water. Neben der chininhaltigen Rinde des Cinchonabaumes können verschiedene Fruchtsäuren den Geschmack des kohlesäurehaltigen Wassers beeinflussen. Extrakte aus verschiedenen Zitrusfrüchten gleichen die bittere Note der Chinarinde dabei aus. In der letzten Zeit wurde aber auch hier mit anderen Aromastoffen experimentiert und das Wasser um neue Geschmacksnuancen erweitert. Da Chinin in höheren Mengen als gesundheitsbedenklich gilt, sind die zugelassenen Mengen heute streng reglementiert.

Als grundlegende Inhaltsstoffe für Tonic Water gelten folgende Zutaten:

  • Chinin aus der Rinde des Cinchonabaumes (auch Chinarinden- oder Fieberbaum)
  • Kohlensäure zur Haltbarmachung
  • Zitrusextrakte (Limetten, Zitronen, Grapefruit, Orange; wurden erst später beigemengt, als das Getränk nicht mehr ausschließlich zur Prophylaxe von Malaria genutzt wurde)

Eine vorhersehbare Entwicklung

Vielfalt und Boom haben das Interesse und vor allem auch den Geschmack der Kunden geschärft. Es können Nuancen erkannt werden und es wird auf Qualität geachtet. Zahlreiche Bars, nicht nur in Hamburg und Deutschland, haben mittlerweile ihr Angebot erheblich aufgestockt. Die Kunden fragen nach bestimmten Marken und die Barkeeper müssen sich entsprechend gut auskennen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Um auf dem Markt überleben zu können, ist ein gutes Marketingkonzept der wichtigste Punkt. Die Aromatisierung des Gins mit Gurke beispielsweise entstammt dem Programm von Hendricks, der vor Jahren mit seinem erfrischend neuen Geschmackskonzept den Hype um den Wacholderschnaps weltweit angeschoben hatte.

Grafik: Piktochart, © 2016
Die internationalen Marken müssen sich heute der Konkurrenz vieler lokaler Produzenten stellen. Grafik: Piktochart, © 2016

Exklusivität und Qualität

Alle deutschen Produkte sind in der Qualität durchgehend sehr gut bewertet worden. Die Aufmachung ist mit aufwändig und individuell gestalteten Flaschen ebenfalls meist hochwertig. Doch dass ein guter Wacholderbrand nicht teuer sein muss, zeigt sich, wenn man dabei die Preise vergleicht.

Als starkes Verkaufsargument zählt zur Rechtfertigung eines hohen Preises immer noch die Exklusivität. Bei der Vermarktungsstrategie wird diese vor allem über die Verwendung charakteristischer regionaler Zutaten erzeugt um sich von der Masse abzuheben. Schweizer Hersteller verwenden etwa Enzianwurzeln, südafrikanische Marken Extrakte des Affenbrotbaums, um ein ganz eigenes Aromaprofil zu schaffen.

Da die kleinen Brennereien zudem meist nur Kleinmengen produzieren und in Eigenregie abfüllen, ist eine große Verbreitung des Produkts oft nicht gewollt oder machbar.

Tonic Hersteller aus Hamurg

Folglich springen auch mehr und mehr Hersteller, darunter auch einige Deutsche, auf den Zug auf, und entwickeln Tonic Water mit einer ähnlichen Varietät an Aromen wie dies bei den Gins der Fall ist. Auch ein lokaler Produzent aus Hamburg ist dabei.


Bei einer der unzähligen Verkostungsveranstaltungen ist es möglich, seinen ganz persönlichen Favoriten zu finden und dazu auch das passende Tonic Water auszusuchen. Durch die große Vielfalt sind inzwischen unbegrenzte Kombinationen möglich. Zu einem Gin, der nur mit wenigen Botanicals aromatisiert wurde und deshalb eine geringe Komplexität aufweist, kann ein Tonic Water mit einer weiteren Geschmacksnuance gut passen. Letzten Endes entscheidet die individuelle Vorliebe.

Im regulären Handel sind meist nur die herkömmlichen Tonic Water erhältlich. Wer sich vertrauensvoll an ein Spezialitätengeschäft oder an einen Online-Versand wendet, muss allerdings mit großen Preisunterschieden bei ein und demselben Produkt rechnen. Die Exklusivität der Wässerchen wird derzeit noch häufig dazu benutzt, um große Gewinnmargen beim Verkauf unterzubringen.

Gestiegenes Qualitätsbewusstsein

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Die internationalen Marken müssen sich heute der Konkurrenz vieler lokaler Produzenten stellen. Foto pixabay, © tom69green, CC0 Public Domain

Dass grundsätzlich heutzutage wieder mehr Wert auf qualitätsvolle Produkte und gute Lebensmittel gelegt wird, zeigt sich nicht nur beim Gin. Auch beim Trend zu aromatisiertem stillem Wasser ist dies bemerkbar. Ob mit Gurkenscheibchen, Zitronen und anderen Fruchtstücken oder gezupften Kräutern versetzt, fast jede Lokalität hat heute ein hippes "Infused Water" im Angebot, um dem Zeitgeist nicht hinterherzurennen.  

Auch Limonaden und andere Erfrischungsgetränke sind derzeit in wesentlich mehr unterschiedlichen Geschmacksrichtungen erhältlich, als noch vor einigen Jahren. Und auch hier versuchen sich einige Cafés und Bars von der Masse abzuheben, und mit eigenen Kreationen, die frisch zubereitet werden, zu punkten.

Wer im Bereich Gin und Tonic Water auf dem aktuellen Stand bleiben möchte, kann die entsprechenden Neuheiten auch auf der Whisky- und Spirituosenmesse "Hanse Spirit" in den Hamburger Messehallen kennenlernen. Im Februar 2017 findet diese zum siebten Mal statt.

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