Kultur im Umland
Gottorfer Globus im Barockgarten von Schloss Gottorf
Der Ruhm Gottorfs als blühende Residenz verdankte sich im 17. Jahrhundert nicht nur der in ganz Europa gerühmten herzoglichen Kunstkammer, sondern mehr noch dem nördlich des Schlosses Gottorf angelegten barocken Garten, einem prächtigen, fünfstufigen Terrassengarten italienischen Zuschnitts sowie – in dessen Zentrum – dem berühmten Gottorfer Globus.
Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf (1597-1659) hatte dieses Wunderwerk zeitgenössischer Handwerkskunst, Naturwissenschaft und Technik ab 1650 von seinem Hofgelehrten Adam Olearius planen und errichten lassen. Um es zu beherbergen, ließ er im Scheitel einer halbkreisförmigen Garteneinfriedung am Herkulesteich das sogenannte Globushaus errichten.
Nie zuvor war ein Projekt derartigen Ausmaßes gewagt worden: Mit einem Durchmesser von über 3 m bot der Globus, auf dessen Außenfläche die gesamte damals bekannte Welt kartographisch wiedergegeben war, im Kugelinneren bis zu 12 Personen auf einer umlaufenden, hölzernen Sitzbank Platz. Die Innenhaut der doppelwandigen Hohlkugel zeigte – figürlich ausgeschmückt – einen vollständigen Sternenglobus, der suggestiv den Lauf der Gestirne über das Firmament vorführte. Der Ort der Erde im All war in Form einer Halbkugel zentral im Globus, auf einem Tischchen um die geneigte Erdachse vergegenwärtigt. Angetrieben wurde die Apparatur durch einen Wassermühlenantrieb. Getriebe, die man dem zeitgenössischen Uhrenbau entlehnt hatte, sorgten für eine Umdrehung in 24 Stunden. Wem dies zu lange dauerte, konnte eine Handkurbel betätigen und so die "Welt bewegen".
Es lässt sich leicht vorstellen, dass dieser mechanisch bewegte Erdglobus (außen) und das neuartige, von Kerzen erhellte Planetarium (innen) auf Basis des – noch – ptolemäischen, d. h. geozentrischen Weltbildes von seinen Besuchern als ein wissenschaftlich-kosmologisches Anschauungsobjekt ersten Ranges bestaunt und geschätzt wurde. Der Globus verschaffte den Schleswiger Herzögen unter den europäischen Gelehrten großes Ansehen. Er stand für die wissenschaftliche Ambition und Offenheit sowie für das künstlerisches Mäzenatentum Friedrich III.
Nicht zuletzt das Begehren Zar Peters des Großen, der sich den Globus 1713, nach der Niederlage der Gottorfer in Auseinandersetzungen mit der dänischen Krone, als Geschenk erbat, belegt die damalige Berühmtheit der Apparatur. Der wissenschaftsinteressierte Zar ließ den Globus aus der Friedrichsburg herausbrechen und in die kurz zuvor gegründete Stadt St. Petersburg verbringen. 1945 war der Globus noch einmal für kurze Zeit in Schleswig-Holstein, in Lübeck, wohin er von der "Kunstschutztruppe" der Wehrmacht auf dem Rückzug aus Russland verschleppt worden war. Die Briten restituierten den Globus bald darauf an die Sowjetunion. In der Kunstkammer des St. Petersburger Lomonossow-Museums, direkt an der Neva, befindet sich bis heute der durch Feuersbrunst, Kriegswirren und durch seine weiten Reisen stark beschädigte und immer wieder aufs neue restaurierte Globus noch heute. Seit Jahren besteht der Wunsch, den Terrassengarten von Schloss Gottorf in seiner barocken Pracht – mit Globushaus und Globus – wiedererstehen zu lassen, da er einen festen Bestandteil im historischen Zusammenhang der Schlossanlage bildet und in seiner langen Geschichte nie grundlegend überformt worden war.
Besonders der Bau eines originalgetreuen Modells des riesigen Gottorfer Globusses zeigte sich als besonders schwierig, da das Original in St. Petersburg durch einen Brand im 18. Jahrhundert weitgehend zerstört worden war und lediglich das konstruktive Gerippe heute noch als authentisch angesehen werden darf. Die gesamte, äußerst komplizierte Antriebstechnik war überdies auf der langen Odyssee nach Russland verloren gegangen. Ähnlich wie in der Mitte des 17. Jahrhunderts musste deshalb ein Firma gefunden werden, die in der Lage ist, die historische gesicherten Erkenntnisse zum Gottorfer Globus aufzunehmen, daneben jedoch die zeitgemäßen sicherheitstechnischen Anforderungen einzuplanen und zu erfüllen, ohne dass sich das Modell vom einstigen Gottorfer Globus unterscheidet.
Ortsinformationen
Adresse
- Der Gottorfer Globus im Barockgarten von Schloss Gottorf
- Schloss Gottorf 1
- 24837 Schleswig
- Telefon: 0 46 21/81 30
- Telefon: 0 46 21/81 32 22 (Anmeldung)
- Telefax: 0 46 21/81 35 55
- E-Mail: info@schloss-gottorf.de
Öffnungszeiten
- Mo: 10.00-18.00 Uhr
- Di: 10.00-18.00 Uhr
- Mi: 10.00-18.00 Uhr
- Do: 10.00-18.00 Uhr
- Fr: 10.00-18.00 Uhr
- Sa: 10.00-18.00 Uhr
- So: 10.00-18.00 Uhr
- Diese Öffnungszeiten gelten von April bis Oktober
Preise
-
Für eine Audioführung mit begleiteten Besuch des Globushauses inklusive einer Fahrt im Globus:
Sa, So, Feiertag: 14,-/ ermäßigt: 11,50 €
Di, Mi, Do: 11,-/ ermäßigt: 8,50 €
Mo, Fr: 10,-/ ermäßigt: 7,50 €
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