Wechselmodell: Rolls-Royce-Betreuungsform für Kinder

Kind & Kegel

Wechselmodell: Rolls-Royce-Betreuungsform für Kinder

© Barmer GK

Wechselmodell – was ist das?

Kinder getrennt lebender Eltern leben im Wechsel bei jedem Elternteil, anders beim Residenzmodell, wo die Kinder nur bei einem Elternteil leben, der andere ein Umgangsrecht wahrnimmt.

Aspekte

  • Die Kinder sind in beiden Elternhäusern zu Hause
  • Vater und Mutter teilen sich die elterliche Verantwortung
  • Die Eltern teilen sich die Zeit mit den Kindern, im Idealfall 50:50.

Vorteile

  • Die Kinder leben jede Woche in einer ihnen vertrauten familiären Umgebung
  • Engere emotionale Bindung der Kinder an beide Eltern
  • Bessere wirtschaftliche Situation der Gesamtfamilie
  • Konfliktvermeidung
  • Schuldgefühle der Eltern werden vermindert
  • Mehr Kontakte zu den Familien- und Freundeskreisen beider Elternteile
  • Geschlechtergerechte Rollenbilder u. v. a. m.

Nachteile:

Keine, die nicht auch im Residenzmodell auftreten, dort teilweise sogar noch mehr, mit Ausnahme der Koordination der Alltagsentscheidungen (Arzt, Schule, etc.) und geringfügiger Mehrkosten.

Was wünschen sich die Kinder?

Frau Prof. Dr. jur. Hildegund Sünderhauf, seit 2000 Professorin für Familienrecht an der Evangelischen Hochschule Nürnberg und Autorin von "Wechselmodell: Psychologie – Recht – Praxis" hat in Studien, die von solchen aus dem Ausland gestützt werden, herausgefunden, dass Kinder im Wechselmodell mit der Betreuung und dem Kontakt zu beiden Eltern sehr zufrieden und deutlich zufriedener sind als Kinder im Residenzmodell.

Dies gilt auch in der Rückschau: 93 % der Wechselmodellkinder gaben als junge Erwachsene rückblickend an, dies sei die denkbar beste Betreuungslösung für sie gewesen. Sie hätten eine bessere Beziehung zu beiden Elternteilen gehabt, Abwechslung und „Auszeit“ von jedem Elternteil wurde angeführt und Fairness der Teilung von Zeit.

Wie entscheiden die Gerichte?

Entweder wird im Rahmen der Regelung der elterlichen Sorge das WM angeordnet. Eine weitere Möglichkeit ist, die elterliche Sorge bzw. das Aufenthaltsbestimmungsrecht auf das Jugendamt zu übertragen mit dem Ziel, das WM als Betreuungspraxis zwischen den Eltern zu installieren. Schließlich kommt die Anordnung von Betreuung im WM oder von "wechselmodellähnlichen" Umgangszeiten in Umgangsrechtsverfahren in Frage.

Appell an getrennt lebende Eltern

Kinder werden ungebeten mit der Trennungssituation der Eltern konfrontiert. Eltern haben die Chance, ihre Verantwortungsbereitschaft und Erziehungsfähigkeit ihren Kindern gegenüber unter Beweis zu stellen, wenn sie dem Wechselmodell aufgeschlossen gegenüberstehen – die beste Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder – Chance für die Kinder, möglichst unbeschadet die Trennung der Eltern zu erleben.

Quelle: Anwaltskanzlei Angelika Adelmann, www.adelmann-isermann.de

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