Rechtzeitig reagieren! Kinderschutz in Hamburg

Kind & Kegel

Rechtzeitig reagieren! Kinderschutz in Hamburg, Foto: © Stadt Hamburg

Sie wurde getreten und erlag schließlich ihren inneren Verletzungen. Todesursache: Leberriss. Die grauenvolle Tat ereignete sich Ende letzten Jahres im Hamburger Stadtteil Billstedt. Mörder des dreijährigen Mädchens waren ihre Eltern. Doch wie konnte der grausame Totschlag passieren, ohne dass Freunde, Verwandte oder Nachbarn aufmerksam geworden sind?

Laut einer Forsa-Umfrage für die Zeitschrift "Eltern" geben rund 40 % der Eltern ihren Kindern "einen Klaps auf den Po" und 10 % eine Ohrfeige. 4 % der Befragten schlagen ihre Kinder sogar härter. Dies geschieht laut Umfrage allerdings überwiegend aufgrund von Hilflosigkeit, Überforderung und Verzweiflung. Oft wurden die Eltern in ihrer Kindheit selbst geschlagen. Im Nachhinein werden sie laut Forsa häufig von einem schlechten Gewissen geplagt und glauben kaum an eine pädagogische Wirkung.

Die Arbeit rund um den Kinderschutz ist in Hamburg ein brandaktuelles Thema. Jährlich veröffentlichen die Hamburger Bezirksämter (unterstützt von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration) einen Kinderschutzbericht – im Jahr 2012 bereits den siebten. Aktuelle Veränderungen: Die Anzahl der Anliegen zu Minderjährigen und jungen Volljährigen ist um 18 % gestiegen. Ebenso haben sich die Meldungen mit einem Verdacht auf die sogenannten Kindeswohlgefährdungen um 20 % erhöht. Zurückgeführt werden die Anstiege auf interne Umstellungen der Datenerfassung, da seit vorletztem Jahr die Gewalt gegenüber Kindern mit Hilfe eines Diagnoseinstruments gezielter dokumentiert und bekämpft wird.

Und zukünftig wird noch strikter gegen die Gewalt an Kindern und Jugendlichen vorgegangen, indem die Fachkräfte der Jugendämter bei der sogenannten Kinderwohlgefährdung verstärkt unterstützt werden: Ist das Wohl eines Kindes gefährdet, findet z. B. innerhalb einer Arbeitswoche ein erstes Gespräch mit den Eltern statt, und ein Hausbesuch ist Pflicht. Im Anschluss wird ein entsprechendes Schutzkonzept erstellt.

Aber auch das Bundeskinderschutzgesetz, das Anfang letzten Jahres in Kraft trat, ermöglicht eine gezieltere Hilfe. So können u. a. Hausbesuche nach Einschätzung der Situation schneller vollzogen werden. Außerdem sollen die "Frühen Hilfen" Kinder von 0–3, sowie Mütter während der Schwangerschaft verstärkt unterstützen. Hierin wird auch das Hamburger Landeskonzept "Guter Start für Hamburgs Kinder" umgesetzt. Durch die Kooperation der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI), der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) und den Bezirksämtern wird professionelle Unterstützung durch Familienteams angeboten. Familienhebammen, Kinderkrankenschwestern und Sozialpädagoginnen leisten bei Hamburger Familien, die Kinder im Alter zwischen 0–3 Jahren haben, unterstützende Hilfe.

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